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Der Israelit · 1889-02-14 · Heft 13 (14.2.1889) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 13 (14.2.1889)
Date
1889-02-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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228 schwung der Kultur und religiösen Anschauung eines Volkes. Das in Israel am Choreb erstandene Idol ist vielmehr die kräftigste Bezeugung der unleugbaren Thatsache von der Göttlichkeit der Thora. (Schluß folgt.) Jur gefälligen Beachtung. Mainz, 13. Februar. Wiederholt und wiederholt machen wir darauf aufmerksam, daß wir für die im Anzeigetheile unserer Zeitschrift veröffentlichten Bekanntmachungen dem verehrlichen Publikum gegenüber keinerlei Verantwortlichkeit übernehmen können. Es ist ganz unmöglich, daß wir die Anzeigen auf ihre Wahrheit prüfen, ob die dort angepriesenen Maaren rc. wirklich den rituellen Anforderungen entsprechen oder nicht. Um jede derartige Voraussetzung zu verhüten, steht ja an der Spitze der Anzeigen stets die Bemerkung, daß „die RedactionfürdenfolgendenTheilnicht v e r a n t w o r t l i ch i st." Zu unserem größten Bedauern erfahren wir, daß diese Bemerkung manchmal nicht beachtet wird. Wir fühlen uns daher veranlaßt, die verehrlichen Leser wiederholt und dringend zu bitten, der erwähnten Bemerkung Rechnung zu tragen und selbst zu prüfen, ob das von den Anzeigenden Behauptete der Wahrheit enspricht. Die Redaktion des „Israelit" u. „Jeschurun" Dr. Lehmann. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Rußland. Mainz, 12. Februar. Als wir in unserm Leitartikel „Vorsicht" in Nr. 8 über die nach dem Pariser Correspondenten des „New-Aork Herald" beabsichtigten Zwecke der großartigen Stiftung zu Gunsten der russischen Glaubensgenossen seitens des Baron Moritz von Hirsch berichteten, waren wir in Zweifel, ob dieselben nicht untergeschoben seien, und ersuchten daher, daß Bekannte des Herrn Baron Hirsch denselben veranlassen möchten, daß er die Behauptungen des Correspondenten dementire. Das ist nun freilich bis jetzt direkt nicht geschehen, was zur Beruhigung in jüdischen Kreisen jedoch höchst uothwendig wäre. Ein indirektes Dementi finden wir im „Jewish Chronicle", dessen Pariser Correspondent eine diesbezügliche Unterredung mit dem Herrn Baron hatte, wonach der Correspondent des „Rew-Aork Herald" Baron Hirsch mißverstanden habe. Berlin, 9. Februar. Den zweiten der angekündigten Vorträge in dem „Verein zur Pflege jüdischen Wissens bei der reiferen Jngend" hielt am Donnerstag, den 31. Januar, Herr Dr. Hirsch Hildesheimer, der in seiner Rede, welcher beizuwohnen wir durch Ortsabwesenheit verhindert waren, ein kulturhistorisches Bild von den Israeliten in der Siebenhügelstadt zeichnete, in dem dritten Vortrag sprach Herr Dr. A. Berliner am letzten Donnerstag Abend über „die jüdische Gemeinde des Mittelalters". In jenen Jahrhunderten, so etwa begann der Redner, welche lange, düstere Schatten auf die Völkergeschichte werfen, in jenen Zeiten, da man Judengassen einrichtete und Judensteueru häufte, Judenhüte dekretirte und Judenränder, den gelben runden Fleck, an die Kleider heftete, in jenen finsteren Zeiten des Mittelalters, wo die Judenprivilegien das Gesetz und Recht verdrängten, besaßen unsere Väter ein glänzendes, leuchtendes Juwel, um dessen Besitz noch heute, in unseren aufgeklärten Zeiten, oft und viel vergeblich gekämpft wird: die freie, autonome Gemeinde! Die gesammte, vielumsassende Gemeindeverwaltung ruhte auf der breitesten Grundlage der Gemeinde-Autonomie, welche die sicherste Gewähr dafür bot, daß die Gerechtigkeit nicht unterdrückt werde, daß die Wahrheit siege. Aus der Bürgerschaft verbannt und zu Kammerkuechten begnadigt, konnten die Ghettojuden sich einer communalen Selbstständigkeit rühmen, die ihre Unterdrücker gar oft entbehren mußten. Der Redner schilderte nun den Wirkungskreis der jüdischen Gemeinde, der sich auf Schule, Cultus und Wohlthätigkeit erstreckte, und was haben sie auf diesen Gebieten für Religion und Bildung, für Andacht und Belehrung, für Arme und Kranke doch geleistet! Freudig leistete man aber alles, trotzdem jeder Athemzng theuer erkauft und baar bezahlt werden mußte. Einen hochinteressanten Abschnitt jener Gzmeindegefchichte bildet die Frage derSteuervertheilung; sie füllt einen großen Theil der Responsenliteratur aus. Die Herbeischaffung der nöthigen Gelder war denn in der That die erste Sorge für jede Gemeinde. Hab, Hab! (gib, gib!), der Ahn des schwäbischen Hepp, Hepp! ist der Drohbrief des römischen Reiches, wie ein Dichter R. Jizchak ha-Levi klagt: „Gib, gib, rufen die Gottlosen, Geld herbei: ihr Feldgeschrei!" Der Redner ging nun näher auf die goldene Bulle Karl IV. (1356) und auf die finanzielle Be-

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