Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1889)
- Date
- 1889-02-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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226 .Ty~->r7^3»pgiir; Es heißt in der heiligen Schrift (Secharja, Cap. 2, V. 14 und 15): Jubele und freue dich, Tochter Zions, denn siehe, Ich komme und werde wohnen in deiner Mitte, spricht der Ewige. Und es werden sich anschließen viele Völker an den Ewigen an demselben Tage und werden Mir sein zum Volke, und Ich werde wohnen in deiner Mitte. In diesen Versen ist auffällig, warum die Worte *pina 'mawi „und Ich werde wohnen in deiner Mitte" im 15. Verse wiederholt werden, da sie doch schon im 14. ausgesprochen sind. Wir wollen noch eine andere, ungemein schwierige Stelle der heiligen Schrift in den Kreis unserer Betrachtungen ziehen. Im 132. Psalm, in welchem David gepriesen wird ob der großen Mühe, die er sich gegeben, die Vorbereitungen für den später durch seinen Sohn Salomo zu erbauenden heiligen Tempel zu treffen, heißt es: nuyoff run -ijr> »*wa hunsd ,nn“isN3 „Siehe, wir hörten es in Ephroß, wir fanden es in den Gefilden des Waldes." Alle Erklärer der Psalmen wissen den Sinn dieses dunklen Verses nicht zu deuten und ergehen sich in den verschiedenartigsten Vermuthungen. Weder „Ephroß" noch „die Gefilde des Waldes" können sich aus den Ort beziehen, an welchem der heilige Tempel errichtet wurde. Die meisten Erklärer beziehen daher diese Worte auf die früheren Stätten, wo die Bundeslade gestanden; doch das entspricht nicht dem Wortlaute der heiligen Schrift. Sehr schön wird der erste Theil des Verses von Raschi, anlehnend an Sebachim 34 d. erklärt. „Siehe, wir haben es gehört in Ephroß, das ist, im Buche Josua, der aus dem Stamme Ephrajim war, und daher Ephroß genannt wurde. Aus dem Buche Josua lernen wir nämlich, daß Jerusalem der höchstgelegene Punkt im Lande Israels ist, entsprechend dem Ausspruche der heiligen Schrift (5. B. M., Cap. 17, V. 8): Und du sollst hinauf st eigen zu dem Orte, den der Ewige, dein Gott, erwählen wird. — Der zweite Theil des Verses soll sich auf Binjamin beziehen, der da verglichen ist (1. B. M., Cap. 49, V. 27) zu den Thieren des Waldes, und der heilige Tempel befindet sich ja zum größten Theile im Gebiete Binjamins. — Wir wollen eine Erklärung versuchen, durch welche sowohl der erste wie der zweite Theil des Verses hinreichend erklärt wird. Im heiligen Soharbuche wird die Frage aufgeworfen, warum bei der Schöpfung der Mensch zu allerletzt geschaffen worden. Die Antwort ist die, daß das Werthvollste immer zuletzt zu Tage tritt, wie wir finden bei den Bäumen des Waldes, welche erst in den Blätterschmuck sich hüllen und nachher die Früchte zeitigen. Dieser Gedanke war es, der auch Bezalel veranlaßte zu verlangen, daß zuerst die Stiftshütte und dann erst die Geräthe und namentlich die heilige Lade verfertigt werden sollten. David war im Zweifel, ob erst das Haus und dann die Geräthe hergestellt werden oder ob in entgegengesetzter Ordnung man Verfahren sollte. Bezalel wurde auch Ephroß, nach seiner Stammmutter, der Gemahlin Kalebs, der Mutter des Chur, genannt (1. B. der Chronik, Cap. 4, V. 4). "Siehe wir haben es gehört (durch die mündliche Lehre) durch Ephroß (Bezalel), wir haben es gefunden (durch die Naturbetrachtung) in den Gefilden des Waldes nwaj, daß wir erst kommen foilen zu Seinen Wohnungen mnrww und dann erst uns bücken vor dem Schemel Seiner Füße (vor der heiligen Lade). .“jtj? PW nnx 'n noip „Auf Ewiger, zu deiner Ruhestätte, Du und die Lade Deiner Herrlichkeit." Nachdem wir nun diese Psalmverse erklärt haben, wissen wir, weßhalb Bezalel verlangte, erst das minder Heilige und dann das Heiligste anzufertigen, gerade wie wir es finden bei den Bäumen des Waldes, die erst die Blätter hervorbringen und dann die Frucht zeitigen, gerade so, wie Gott einst die Welt erschaffen, erst die anorganischen, dann die organischen Wesen und zuletzt den Menschen. Auch in Israel gibt es verschiedene Abstufungen: Große, heilige Männer und Frauen — sie bilden den Kern des Volkes, und um sie schließen sich die minder Guten, die Unwissenden, endlich die Sünder als Schale. Wenn aber Gott den großen Tag herbeiführen wird, an dem es heißt: „Und alle deine Kinder werden sein von Gott belehrt", dann wird sein ganz Israel der Kern, und um ihn wird sich schließen der Kreis der Nationen alle. Daher verheißt der Prophet: Jauchze und freue dich, Tochter Zions, denn siehe, Ich komme und werde wohnen in deiner Mitte, spricht der Ewige. Und es werden sich anschließen die vielen Völker an den Ewigen an demselben Tage, und werden Mir sein zum Volke, aber doch nicht wie du, Israel, denn thronen werde ich nur in deiner Mitte. — Auch zur Zeit der vollkommenen Erlösung, da Gotteserkenntniß die ganze Erde erfüllt, wird Israel das auserwählte Volk bleiben und für alles, was es gelitten, den reichsten Lohn empfangen.