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Der Israelit · 1889-02-14 · Heft 13 (14.2.1889) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 13 (14.2.1889)
Date
1889-02-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXX. Jahrgang. M 18. Israelit »«* Jeschmun. Zkltslhüfl W FördelW W. Grlstes Md Ad. ßkdkks ln Kam. Gmelnde Md Ktznle. Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudentßum. Herausgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 14. Februar 5649 (1889). Leitende Artikel Kern und Schate. Mainz, 11. Februar. „Jn's Innere der Natur Dringt kein erschaffener Geist; Glückselig, wenn sie nur Die äußere Schale weist." So singt ein deutscher Dichter; der Dichterfürst Göthe aber erwidert ihm: „Natur hat weder Kern noch Schale, Alles ist sie mit einem Male." Diese Entgegnung Göthe's ist nicht in dem Sinne zu nehmen, daß es überhaupt weder Kern noch Schale gibt; dem würden der Augenschein und die tägliche Erfahrung widersprechen. Der Sinn seines Ausspruches ist vielmehr der, daß in der Natur Kern und Schale gleich nothwendig sind und Beide ihre vollste Berechtigung haben. Was ist in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts unter dem Stichworte von „Kern und Schale" gegen das Judenthum gesündigt worden! Die Reformer gaben vor, unsere heilige Religion der ihnen überflüssig scheinenden Schale entkleiden zu wollen, um den Kern derselben zu erhalten. Die sogenannten Ceremonialgesetze sollten abgeschafft und nur der Gedankeninhalt des Judenthums erhalten werden. Die Erfahrung hat seitdem gezeigt, wie unsinnig ein solches Beginnen war. Wie eine Nuß nicht ohne Schale, wie eine Kirsche nicht ohne Kern zu wachsen vermag, so kann auch der Gedankeninhalt des Judenthums nicht ohne die dazugehörigen Gesetze und Vorschriften bewahrt werden. Wie Kern und Schale immerwährend zusammengehören, das wollen wir an einem Ausspruche unserer Weisen, anknüpfend an den Wochenabschnitt des kommenden Sabbats, nachzuweisen versuchen. Wir lesen daselbst (2. B. M., Cap. 31, V. 2): „Siehe, Ich habe berufen mit Namen Bezalel rc." Hierzu bemerken unsere Weisen (Berachoth 55 a.): Rabbi Samuel bar Nachmeni sagte im Namen des Rabbi Jonathan: Die Weisheit Bezalels ist schon in seinem Namen angedeutet. Gott hatte zu Moscheh gesprochen: Befiehl dem Bezalel, daß er Mir mache die Wohnung, die Lade und die übrigen Geräthe; Moscheh aber beauftragte den Bezalel, erst die Lade und die übrigen Geräthe und dann die Wohnung zu bauen. Dieser aber sprach: Soll man denn nicht zuerst das Haus bauen und nachher die Geräthe, und Du befiehlst mir: Verfertige erst die Geräthe und dann die Wohnung? Vielleicht hat es dir Gott in entgegengesetzter Ordnung befohlen. Da sprach Moscheh; njm rm fco Im Schatten Gottes bist du gewesen, da du dieses weißt." Dieser Ausspruch unserer Weisen erscheint nicht recht verständlich. Der Einwand Bezalels wäre begründet gewesen, wenn die Stiftshütte gleich nach ihrer Vollendung wäre aufgestellt worden. Dann wäre zuerst der Raum geschaffen, wo die später gefertigten Geräthe hätten ausgestellt werden können. Dem war aber nicht so. Es wurden die Stiftshütte und alle Geräthe erst vollendet, und dann erst wurde die Stiftshütte aufgerichtet, wie es im 2. B. M., Cap. 40 ausführlich erzählt wird. Demnach hatte es gar keine praktische Bedeutung, ob erst die Geräthe und dann die Stistshütte, oder erst die Stiftshütte und dann die Geräthe gefertigt werden sollten. Es muß daher eine theoretische Bedeutung haben, und diese klarzulegen wollen wir im Nachfolgenden versuchen.

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