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Der Israelit · 1889-02-11 · Heft 12 (11.2.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 12 (11.2.1889)
Date
1889-02-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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219 Sultan seinerzeit gefangen nehmen, um alle seine Reichthümer confisciren zu können. Es gelang ihm jedoch, über die Grenze zu entkommen und sich nach Wien zu retten, wo ihm Kaiser Josef II. seinen Schutz zusicherte. Mit einem österreichischen Passe versehen, kehrte er wieder hieher nach Konstantinopel zurück. P a l ä st i n a. Tiberras. Die hiesigen Rabbiner erhielten vor wenigen Tagen ein Schreiben der jüdischen Gemeinde in Oran (imn), Algerien, mit der betrübenden Meldung, daß ihr greiser Oberrabbiner, Moses Saboun Cpi/dd h^d), aus diesem Leben geschieden sei; cs wurde die Bitte hinzugefügt, man möge den berühmten Todten in der hiesigen großen Synagoge betrauern. Dieser Bitte wurde auch sogleich willfahrt und der Rabbiner Salomon Abulafia mit der ehrenvollen Mission betraut, die bezügliche Trauerrede (nson) zu halten, eine Aufgabe, die derselbe zur Zufriedenheit Aller löste. DSV, f-S) rar» Kulikoiv, trsiB GAlizifihe VrMhirrLrrkrl. Eine Humoreske von S. M. Lewin. Wenn Du nach Kulikow kommst, so wende Dich an den Ersten, der Dir in den Wurf kommt und frage: Wo wohnt der Schammes Reb Eisik? Sollte Dir der Angesprochene keine Auskunft geben können, so kannst Du sicher sein, daß Du auf einen Fremden gestoßen bist; denn wie wäre es möglich, daß ein Einheimischer ihn nicht kennen sollte, ihn, Reb Eisik Schammes? Seine Allgegenwärtigkeit ist gerade unbegreiflich. Jetzt siehst Du ihn im Hause einer Wöchnerin, die vor kaum einer halben Stunde einem Kinde das Leben geschenkt hat, und zwei Minuten später rennt er von Haus zu Haus, von Gasse zu Gasse, um der Kulikower Welt das große Ereigniß zu verkünden, daß Chaune Leie, die Tochter von Reb Schmüel, dem Lieferanten, die gesegnete Zahl ihrer Kinder um eins vermehrt hat, und um die Ehre der Anwesenheit zur rituellen Feierlichkeit bittet. Er hat kaum Zeit, auf die wenigen Kreuzer zu warten, die ihm von rechtswcgen für das Ansagen einer frohen Botschaft gebühren, denn Reb Jekeles, der Schuster, machte schon am Abend vorher bedenkliche Anstalten, sich aus dieser Welt zu empfehlen. Reb Eisik darf bei einer solchen Gelegenheit natürlich nicht fehlen. Er ist durch die Praxis langer Jahre ein gewiegter Medicus geworden, der alle Merkmale des herannahenden Würgengels unfehlbar kennt. Nachdem er nun bei Reb Jekeles am Abend zuvor alle Anzeichen der Agonie entdeckt zu haben glaubte, hielt er es im Jntereffe einer gewissenhaften Pflichterfüllung, sein bereits erfolgtes Ableben zu verkünden und alle Vorkehrungen zu einer würdigen Bestattung zu treffen. Es muß zur Steuer der Wahrheit zugegeben werden, daß er sich dieser Aufgabe mit anerkennenswerthem Eifer entledigte. Während aber der Todlengräber damit beschäftigt war, infolge Auftrags von Reb Eisik, dem Schammes, ein luftdichtes Apartement zum Empfang des neuen Gastes herznrichten, die bezahlten zehn Minjanmänner in Reih und Glied ihren Aufzug hielten und die Leidtragenden sich klagend vor dem vermeintlichen Sterbehause versammelten, saß der Todtgesprochene in beneidenswerther Seelenruhe in einer Nachbarschenke, damit beschäftigt, einer Zwiebel den Garaus zu machen und einen Schluck Branntwein durch seine durstige Kehle zu jagen. Reb Eisik, dem Schammes ist nämlich passirt,-was selbst einem Professor begegnen kann: er hat sich geirrt und einen todähnlichen Schlaf, durch einen Rausch hervorgerufen, für den Schlaf der Ewigkeit gehalten. Derweil Reb Schmuel recht lebendige Dinge vollbrachte, wartete man vor seinem Wohnhause mit immer stärker werdender Ungeduld auf das Erscheinen seiner irdischen Hülle; denn der Wagen, der seine sterbliche Reste fortschaffen sollte zum Orte des ewigen Friedens, war bereits in aller Frühe angelangt und der müde, fromme Klepper, der davorgespannt war, gab durch eine unbeholfene Bewegung seines lahmen Beines das Zeichen großer Unruhe. Die Familie des „Todten", die keine Ahnung hatte, wer in ihrem Hause das Zeitliche gesegnet, mischte sich in die zu einem gewaltigen Haufen angewachsene Menge, und da bei ihrem — der Familie — Erscheinen, als Zeichen der Theilnahme, das Gejammer der Trauerversammlung in heulenden Accorden erschallte, stimmten sie, ergriffen von der Macht des Beispieles, in dasselbe ein, was die Menge als Ausfluß ihres großen Schmerzes, ob des Heimgangs des Familienhauptes, betrachtete. Der Seelenschmerz der nächsten Familie, die im Begriff ist, einen Menschen, der aus ihrem Kreise gerissen wird, das letzte Geleite zu geben, erfüllt die Trauerversammlung mit einer heiligen Scheu und diese

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