Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1889)
- Date
- 1889-02-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2447960--28009-2475670- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
218 zur Geltung kam. Herr Gemeindevorsteher Banquier A. I. Cohen, der sich für alles Edle und Gute in der Gemeinde begeistert, und der bei der Gründung den Verein mit einer Spende von 200 Mark bedachte, brachte den ersten Toast auf den Vorstand aus. Ihm erwiderte Lehrer B. Wolfs als Mitglied des Vorstandes, für die Worte der Anerkennung dankend und zugleich hervorhebend, daß der Vorstand auch fernerhin bestrebt sein werde, den Verein allen Anfeindungen zum Trotz auf der Höhe zu halten. Sein Glas galt dem Gedeihen des jungen Vereins. Es wurde noch manches gute und fröhliche Wort gesprochen und der Verein mit beträchtlichen Spenden bedacht. Erst um Mitternacht trennten sich die Theilnehmer mit dem Bewußtsein, einen ernsten und doch zugleich fröhlichen Tag verlebt zu haben. Italien. Rom. Die jüdische Gemeinde in Acqui, die bisher ihre Andacht nur in einem provisorischen Gotteshause verrichtete, hat vor wenigen Tagen ihre neuerbaute Synagoge unter großen Feierlichkeiten bezogen. Die Thorarollen wurden dabei von dem Vice-Rabbiner Ballom Ottolanghi und den angesehensten Gemcindemitgliedern ans dem alten nach dem neuen Gottesbause übertragen, wobei die beiden Hasanim, Elia Jacob Joa und Marco Elia Debenedatti heilige Gesänge ertönen ließen. Der Rabbiner hielt die übliche Einweihungsrede. Der eigentliche Rabbiner dieser Gemeinde, Prof. Lazzaro Ottolanghi, Vater des genannten Vice- Rabbiners, hat schon Wochen vorher seine Gemeinde verlassen, um seine Lebenstage in unserer Stadt, wo mehrere seiner Kinder wohnen, zu beschließen. Das Mitglied des Cultusvorstandes in Livorno, Advocat August Cave, nebenbei bemerkt, auch ein wohlbekannter Dichter, der bisher in der Territorial - Miliz den Rang eines Hauptmannes bekleidete, wurde vom Kriegsminister zum Major befördert. Zu Lieutenants wurden die Herren Vittoria Coriat und Umberto Aghib, beide gleichfalls Livorneser Israeliten, ernannt. Der Lehrer der hebräischen Sprache in Livorno, Prof. Scerbo, dessen „hebräische und chaldäische Chrestomatie" auch über die Grenzen Italiens hinaus bekannt ist, hat jetzt eine „Grammatik der hebräischen Sprache" veröffentlicht und findet auch dieses sein jüngstes Geisteskind allgemeine Anerkennung. Einer der renommirtesten jüdischen Bildhauer Italiens, Prof. Prospero Corcos in Livorno, gedenkt nun, wie die dortigen Blätter melden, seine Vaterstadt für immer zu verlassen und seinen Wohnsitz von jetzt an in London zu nehmen, wo er neuen Ruhm einzuernten und sich auch eine glänzende materielle Stellung zu erringen hofft. Die hiesige Gemeinde hat vor einiger Zeit auf Berathen des Mitgliedes des Cultusvorstandes, Herrn Pontecorvo, zwei neue Regligionsschulen, die ausschließlich für Mädchen bestimmt waren, errichtet. Der Besuch dieser Schulen ließ zwar nichts zu wünschen übrig, desto mehr aber die Einnahmen derselben, die letzthin ein Deficit von neuntausend Lire ergaben. Die Vorsteher dieser Schulen projectiren daher bedeutende Ersparungen in den Ausgaben, indem sie die Gehalte der Lehrer, die ohnedies karg bemessen sind — vielleicht wird in keinem Lande der Welt der Lehrer so schlecht besoldet, wie im gelobten Italien, da hier Alles nach der Lire berechnet wird — kürzen wollen. Kürzlich wurde in Livorno eine öffentliche Subscription eröffnet, um in dem dortigen städtischen Spitale einige neue Betten zu errichten. Obwohl nun die Juden dort ihr eigenes Spital besitzen, so beteiligten sie sich dennoch lebhaft an dieser Dubscription. Der Cultusoorstand selbst subscribirte 700 Lire, die Chewrah „Malbisch Arumim" 210 Lire rc. Türkei. Konstantinopel, 3. Februar. Die Nachricht von dem in Paris erfolgten Tode des Grafen Nissim Camondo, Associes des in dieser Stadt bestehenden Bankhauses „De Camondo u. Cie.", hat nicht nur in der hiesigen jüdischen Gemeinde, sondern auch im kaiserlichen Palaste, wo der Verstorbene stets eine xersona gratissima war, da er sowohl dem Sultan, wie auch dem türkischen Reiche, schon oft wichtige finanzielle Dienste geleistet, einen tiefen Eindruck. Sultan Abdul Hamid beauftragte sogleich den hiesigen Vertreter des genannten Bankhauses, Herrn Victor Effendi Misrachi, der trauernden Familie sein tiefes Mitleid über das sie betroffene schwere Unglück auszudrücken und dieselbe seiner ferncrn kaiserlichen Huld zu versichern. Die hiesige Gemeinde beschloß, den Dahingeschiedenen, der ein großer Gönner seiner im türkischen Reiche lebenden Glaubensbrüder war, durch eine für ihn zu veranstaltende Trauerandacht zu ehren und an dessen Familie eine Condolenz-Adresse zu übersenden. Die Camondo's standen zwar schon längerer Zeit unter italienischem Schutze, waren aber nichts destoweniger, zumal so lange sie hier lebten, gute türkische Unterthanen. Einen ihrer Ahnen wollte der