Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1889)
- Date
- 1889-02-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Adresse von Sr. K. und K. Apost. Majestät huldvollst entgegengenommen und deren Aufbewahrung in Allerhöchst ihrer Privatbibliothek Ungeordnet worden ist. Wien, 8.'^Jänner 1889. löbl. K. und K. Oesterr.-Ungar. Eonsulat in Jerusalem. Aus Jaffa erhält der „Schwäb. Merkur" einen längeren Bericht, aus dem wir das für die Leser dieser Blätter Interessante hier mittheilen. Der Winter hat streng begonnen; das Thermometer fiel von 25—28 Grad R. Ende Octobers auf 5 Grad an einzelnen Tagen in der Frühe in der Mitte Novembers. Seitdem ist die Regenzeit eingetreten, so daß der Verkehr auf den Straßen theilweise unterbrochen wurde. In Jerusalem lag im Januar der Schnee fußhoch, schmolz aber durch den anhaltenden Regen und hatte ein solches Hochwasser in Gefolge, daß auf der Kolonie Raphaim das Wasser in mehreren Häusern in den unteren Räumen 5 Cm. bis 4/2 M. hoch stand. Auch jetzt regnet es noch immer viel, doch ist es wieder wärmer. Nach der Trockenheit des letzten Winters ist man sehr erfreut, daß jetzt schon alle Zisternen voll sind und damit die erste Bedingung für die Aussicht auf ein gutes Jahr gegeben ist. Die Aussichten auf den Bau einer Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem ist nun näher gerückt. Der Ferman ist einer deutschen Firma in Jerusalem ausgestellt worden, und von derselben sind Schritte geschehen zur Erlangung des nöthigen Kapitals. A u st r a l i e n. Wellington. Dem Einfluß des Rabbiners der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herrn H. van Staderen, ist es zu verdanken, daß die russ. Juden, die s. Z. durch das Mansion House-Cornit« in London nach Neu-Seeland geschickt wurden, sich gut eingebürgert haben und es ihnen recht gut geht. Feuilleton. Aus edlem Beweggrund. Eine Erzählung. Von Karl Wiesenthal. (Fortsetzung.) Noch an demselben Abend traf ein Billet von dem Landgerichtsdirektor ein, welches Nordheim zum nächsten Morgen zu Jenem beschied; eine Antwort aus seine Bewerbung war nicht gegeben. — Nach einer abermals schlaflos dahin gebrachten Nacht stand Nordheim wieder in dem Zimmer des Directors; er wurde freundlich empfangen. „Wir wollen vor allen Dingen die Angelegenheit Ihres Vaters ordnen", sagte der Director. Darauf deutete er nach dem Tische, wo Papier und Schreibzeug bereit standen und fuhr fort: „Der Ordnung zu genügen, stellen Sie mir einen Schuldschein aus über das Geld, welches sogleich in Ihren Händen sein wird; außerdem aber wünsche ich, daß sie ausdrücklich darin bemerken, zu welchem Zwecke Sie das Darlehen von mir ausgenommen haben." Nordheim stutzte. — „Trauen Sie mir nicht, Herr Director?" fragte er etwas bitter. „Es ist einmal meine Art, bei Allem, was ich thue, jede Möglichkeit zu erwägen und immer den sichersten Weg zu gehen", entgegnete der Director ruhig, „und von meiner Forderung kann ich nicht abgehen. Uebrigens kann Ihnen dieselbe durchaus keine Bedenken erregen; zu dem, was meine Tochter Ihnen zubringt, wird auch diese Schuldverschreibung gehören, — dies mag Ihnen zugleich die Antwort auf Ihre Bewerbung sein. — Können und wollen Sie jedoch auf meine Forderung nicht eingehen, so sehen wir unsere Unterhandlung als nicht geschehen an, — was freilich um Ihres Vaters willen, zu bedauern wäre." „Ich werde schreiben, was Sie wollen!" sprach Nordheim hastig, und er setzte sich an den Tisch, um ungeachtet des inner» Widerstrebens das Verlangte zu schreiben. „Ich liebe in Allem Ordnung und Sicherheit," versetzte der Director, nachdem er mit zufriedenem Blicke das Dokument gelesen; dann zog er ein Portefeuille hervor und zählte die in der Verschreibung genannte Summe auf. „Nachdem wir nunmehr dieses Geschäft abgethan", hob der Director wieder an, „wollen wir von unseren anderen Angelegenheiten sprechen. Wie wir zu einander stehen, braucht es der Umschweife weiter nicht, und so vernehmen Sie denn, daß Ihre gestrige Berwerbung meiner Martha eine freudige Ueberraschung bereitet; Sie können dies noch heut aus ihrem Munde selbst vernehmen, wenn Sie heute Abend mein Gast sein wollen, wozu Sie hiermit eingeladen sind; wir werden nur im Familienkreise beisammen sein. Jetzt sorgen Sie zunächst, daß Ihres Vates Kasse geordnet wird. — Auf Wiedersehen!" —