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Der Israelit · 1889-02-11 · Heft 12 (11.2.1889) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 12 (11.2.1889)
Date
1889-02-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Bergner kein Wort von der Markthalle, die schon seit etwa 1872 in Jassy funktionirt und ganz so ist, wie die Markthallen des Auslandes. Er hätte da christliche Fleischhauer, Grünkram-Paradeis- Obst- und andere „Besitzer" in Hülle und Fülle antreffen können und — den Schmutz, den er nur Lei Juden sucht, dazu. Die christlichen Händler hätten ihm umsomehr in die Augen stechen können, als die israelitischen, wie ich s. Z. berichtete, vom Magistrat aus der Halle gewiesen wurden. Aber das ist noch gar nicht alles. Wenn dem B. das Schweinefleisch, wollte sagen die nichtjüdischen Schlächter so sehr fehlten, so brauchte er sich blos nach der Straße Santa Winere, neben der Halle zu verfügen, um da Laden bei Laden etwa 50 Baracken zu zählen, die er schon daran erkannt hätte, daß neben den Fleischstücken auch große Faßkäse, Sauermilch und dergl. liegen, was bei den Juden nicht gestattet ist. Und dann auch erst auf dem Marktplatz St. Spiridon und in andern Stadttheilen; da ist ganz dasselbe zu sehen, aber kein jüdischer dazwischen! Von dem allem weiß Bergner nichts, er hat blos zu dem Zweck eine, wie er sagt 200 (in Wahrheit aber wohl 340—400) Meilen lange Reise gemachtem sich im „Hauptquartier des Schmarotzervolks, im sogen. Kukuksmarkt" zu vertiefen, als ob dies das Hauptsehenswürdigfte wäre und der Kukuk ihn geschickt hätte. — Er spricht dann gleich von weiteren jüdischen „Herrschern", „Kutsche r" , „geschniegelte" Zi mmerkellner, Kaffeehausbediente,Hauskne chte und das „grinsende" Gesicht eines jüdischen E i s e n b a h n s ch a f f n e r s." Lauter Herrscher in Dienstlivreen und Arbeitskitteln! „Alles ist hier Jude", sagt er — blos von jüdischen Handwerkern erwähnt er nichts, die im saueren Schweiß ein schweres Brod erarbeiten. Jüdische Handwerker passen ihm nicht in den Kram, denn Juden wollen ja „nicht" arbeiten, wie Antisemiten behaupten. Nun, ich habe dem Bergner die Sorge dafür vor mehreren Monaten abgenommen und werde nächstens in diesen Blättern aus die israelitischen Handwerker in Rumänien mit Zahlen zurückkommen. Unser „guter Freund" war dann — noch immer in Jassy, aber in einem jüdischen Theater. Da sollen auf den theuerften Plätzen „fränkisch" gekleidete Vornehme gesessen haben u. s. w. Ob „fränkisch" nach B. „modern" heißen soll, weiß ich nicht; mir ist der Begriff als „altmodisch" bekannt und deßhalb phantasirte Bergner wieder, denn altmoldauische (Talar-) Tracht, die schon seit ungefähr 1860 nicht mehr getragen wird, hatte vorher bei Israeliten nur wenig Eingang gefunden und war schon damals nur in einem Exemplar vertreten, einem ' 12 alten Mann „Jtzikel der Schreiber". Kaftanträger aber erwähnt Berger besonders, er kann also diese nicht meinen. Was er aber noch über das jüdische Theater kläfft, obwohl er, wie er sagt, nichts verstand, ist nebensächlich, aber zum Schluß fragt er ziemlich dumm: „Kann man von einer Judenunterdrückung reden, wenn den in Rede stehenden Fremdlingen ein eigenes Theater gestattet ist?" Natürlich nein. Die Judenherrscher mögen sich begnügen, auf Kutschböcken zu „thronen" und mit dem Peitschen-„Szepter" in der Rechten die „Zügel der Regierung" ihrer — Pferde zu führen: ein „Hoftheater" haben sie weder nöthig, noch darf man es ihnen gestatten. Aber ernst gesprochen: soll das Theater der Beweis für seine Behauptung sein und soll man den Israeliten nicht einmal erlauben, sich in ihrer Weise zu zerstreuen? Bergner berührt im weiteren Verlauf die Auswanderung der rumänischen Israeliten nach Amerika und sagt, daß „selten eine Woche vergeht, in welcher nicht einige Hundert die Moldau verlassen." Es versteht sich, daß auch dabei der antisemitische Pferdefuß zum Vorschein kommt in den Glossen und in der Begründung: „Die große Anzahl oder die Gehässigkeit „ihrer Genossen" treibt sie aus dem Lande." Also nicht die Negierung mit ihren in meinen Aufsätzen „Zehn Jahre" wörtlich zitirten Gesetzen, Verordnungen u. s. w., wodurch den Israeliten die meisten Erwerbe weggenommen wurden, wie ja Bergner selbst am Eingang zu seinen Artikeln aufzählt! Auf seine Frage, „wie viel Juden denn Jassy eigentlich birgt," antwortete er sich selber„60—65,000," „Nichtjuden können 25—30,000 vorhanden sein." Die Ziffern an sich sind ungefähr richtig — blos er hat sie ein klein wenig verschoben, umgekehrt wäre schon vollkommen richtig gewesen, nämlich: 25,000Israeliten und 60—65,000 Christen, die ihre eigenen — Fleischhauer haben. Er giebt dann noch die Vevölkerungsziffern einiger anderen Städte — wahrscheinlich aus großer Eile — eben so verkehrt an, um auf Bottuschan zu kommen. Diese Stadt gefällt ihm gerade so gut, wie „Unghan", wo er sich, wie in Jassy, am meisten aufgehalten zu haben scheint, da er ausschließlich sie be—schmiert, während er z. B. von dem Haupt- und residenzstädtischen Nest Bukarest (mit blos etwa 240,000 Gesammteinwohnern) nur bei Gelegenheit „Jassy" erwähnt: „Die originellen orientalischen Typen Bukarests fehlen in Jassy gänzlich." Mithin scheint es mir folgerichtig, daß es in Jassy — gar keine Juden gibt! Bottuschan gefällt ihm also eben so gut, wegen des — Schmutzes, in dem er sich wie- ' der wälzen kann (weil der christliche Stadtrath die

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