Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1889)
- Date
- 1889-02-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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In diesem Sinne ist auch nach der Auffassung eines bekannten Hagadistcn eine Midraschstelle zu Kohelet zu begreifen. Dort heißt es: nna nnc’;rn ah nns’ hw nm rm dnp ,nvo bmm? otfob aaru. „Jiftach war zu seiner Zeit das Nämliche, was Samuel zu seiner Zeit gewesen, denn wenn Samuel zu Jiftach's Zeit gelebt hätte, würde er sich keines Ansehens erfreut haben." Und sollte Samuel nicht ebensoviel gewesen sein als Jiftach, daß er zu Jiftach's Zeit sich keines Ansehens hätte erfreuen können? Samuel war wohl zu seiner Zeit, für seine Zeitgenossen auf einer Höhe, die nicht allzuhoch über dem Boden seiner Mitwelt sich erhob, sür Menschen ein nachahmungswürdiges Beispiel, er war für seine Zeit, für seine Welt das Vorbild, das Jiftach für seine Zeit gewesen. Doch für Jiftach's Zeit hätte Samuel nicht der rechte Führer können sein, für jene Zeit war er zu groß, zu weit wäre die Kluft gewesen zwischen Leiter und Volk, und zu entfernt des Führers Pfad von seiner Untergebenen Blicken. Ja! „Laß' dich herab", so erschallt der Ruf an den „großen Mann", wenn er der Welt zur Leuchte, dem sittlichen Wandel der Menschheit ein Vorbild zu sein beansprucht, damit die Herzen seiner Mitmenschen er gewinne; „laß' dich herab" ist der Ruf an die Führer und Leiter der Gemeinschaften, denen sie die Pforten des Paradieses zu erschließen, den Weg zum Baume der Erkenntnis zu bahnen berufen sind. Nicht im übermüthigen Stolze liegt die wahre Größe des Mannes, sie liegt vielmehr darin, daß ihm mit Herz und Seele das Volk seine Liebe zuwendet und trotz der Liebe die Achtung seiner Würde nicht versagt. „Laßt Euch herab zu Euren Kindern," so ergeht auch der Ruf an die Eltern, die in ihren Prachträumen, fern von der Kinderstube behaglich der Ruhe pflegen, und die Erziehung ihrer Kleinen voll und ganz in die Hände fremder Menschen gelegt. Die Eltern müssen, und nur sie können ein wahres Bild den Kindern sein, ein jeder Schritt, eine jede That der Eltern prägt sich dem Kinde tief in's Gedächtutß ein. Nicht mit dem Glorienschein eines Halbgottes soll der Vater, soll die Mutter den Kindern gegenüber sich umgeben, nein, mit ihnen, unter ihnen leben, damit sie stets, im Kleinen wie im Großen ein Vorbild ihnen seien. Diese Worte sprach Gott zu Moses, als Israel gesündigt, und uns sind sie zur Lehre und zur Mahnung mit hinausgegeben, auf daß die Kinder wie die Eltern sie verstehen, daß jene wohl begreifen, wohl beherzigen, wie thener doch der Eltern Ehre, wie schön der Eltern Glück und Freude, wie sie die Wurzel dieses Segens können sein, wie si e doch auch der Eltern Glück im Nu zerstören können, und wo der Glanz der Würde und der Achtung strahlte, nur Schande und Verachtung durch sie den Glanz verdunkeln können, und daß die Eltern und die Führer den Stolz und Hochmuth bannen, und ihre Größe stets im Herzen tragen mögen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Leipzig, 5. Febr. Der Prediger Dr. Goldschmidt, welcher über 30 Jahre das geistliche Oberhaupt der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde war, ist am Abend des 5. Februar im Alter von 76 Jahren gestorben. Unter seiner Leitung wurde die junge jüdische Gemeinde allmählich in eine Reform-Gemeinde umgewandelt. Oesterr. - Ungar. Monarchie. In Wien sowohl als auch in den meisten Gemeinden Oesterreich-Ungarns werden Trauerfeierlichkeiten um das Hinscheiden des Kronprinzen Rudolf veranstaltet. Die Berichte darüber kommen uns so zahlreich und theilweise so ausführlich zu, daß es unmöglich ist, dieselben zum Abdrucke zu bringen; sie alle schildern die tiefe Trauer um den geliebten Kronprinzen und erflehen Gottes Segen für den edlen Kaiser Franz Josef und das erhabene Kaiserhaus. Budapest, 7. Febr. Der einst vielgenannte antisemitische Agitator Verhovay ist von dem Strafgerichte heute zu 6 Wochen Gefängniß und 300 Gulden Geldstrafe, eventuell weiteren 30 Tagen Arrest verurtheilt worden. Damit ist die moralische Vernichtung dieses Mannes abgeschlossen. Rumänien. Dr. C. Bukarest, 25. Januar. Ich gedenke heute mit Freund V erg n e r fortzufahren, aber nicht nach den Karpathenländern, sondern blos in der Beurtheilung seines darauf bezüglichen Machwerks „Juden-Herrschaft", welche er „beschreiben" wollte, aber mit einem in Schmutz, Koth, Jauche und Antisemitismus getauchten Pinsel — bemalt hat: „Nicht ein einziger nichtjüdischer Fleischhauer wird gefunden", sagt er kurz und bündig. Daß er faselt, ist klar; denn l. ist es notorisch, daß die von Christen überall vorgezogene Speise Schweiuefleisch ist, was aber Juden nicht verkaufen; 2. erwähnt Herr