Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1889-02-07 · Heft 11 (7.2.1889) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 11 (7.2.1889)
Date
1889-02-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2447947-2447959--27986-2475646
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

196 ist's wirklich wahr? Du hast dies graue Haar vor Schande gewahrt? — Und sprich, mein braver Sohn, sprich: wie ist es Dir gelungen?" „Es ist Alles abgethan", sprach Nordheim. „Kein Freund wollte oder konnte helfen, da trieb die Angst mich zu dem Landgerichtsdirecwr und hier —" „Bei ihm fandest Du Hilfe?" fiel der Vater ein; „doch wohl nach hartem Kampf, ich sehe es an Deinen bleichen Zügen; Du bist erschöpft: nicht wahr, mein Sohn, es kostete einen harten Kampf?" „Ja wohl, einen harten Kampf!" entgegnete Nordheim mit bebender Stimme. „Doch nun ist's ja vorbei, nun sei auch heiter mein Vater — um Gottes willen bitte ich Dich, sei heiter, mein Vater! — Die Summe, welche Dir fehlt, liegt bereit, der Director gibt sie selbst, und Morgen schon ist Alles geordnet." „Heute ist das liebe Passahfest", hob der Alte wieder an, „da drängte es mich zum Tempel des Ewigen, denn ich fühlte wohl, daß ich Seiner mehr bedürfe, als jemals; und dennoch wagte ich mich nicht dorthin, das Bewußtsein meiner Schuld redete mir ein, es müsse Jeder mir es ansehen, wie die Schande über meinem Haupte schwebe; ich fühlte, daß ich nicht frei und ohne Scheu, wie sonst, den Blick würde erheben können: — ach, zur heiligen Thora hätte ich nicht schreiten können, darum blieb ich daheim und betete hier. Möge Gott es mir verzeihen, daß ich nicht mit der Zuversicht beten konnte, wie sonst; das Unglück hatte mich zu tief gebeugt und muthlos gemacht. Noch als Du eintratest zu mir mit der frohen Kunde, daß ich nicht hinfabren solle in Schmach und Schande, da noch zweifelte ich, daß Gnade bei Gott zu finden sei. Und nun so plötzlich befreit von der furchtbaren Last! — mein Sohn, — mein einziger Sohn! wie soll ich es Dir danken? — Doch", fuhr er, die Hände an die bleichen Wangen des Sohnes legend, fort, „Du verlangst, ich soll froh sein, — und, o, mein Gott! ich bin es ja; aber Du, mein Arthur, Duscheinstes nicht; dies bleiche, verstörte Angesicht ist das des Rettungsengels nicht, — Du bist nicht froh, gewiß, Du bist es nicht!" „Die schlaflose Nacht, das viele Sprechen, geliebter Vater —" entgegnete Nordheim ausweichend; „ich mag wohl etwas angegriffen sein." „So ruhe aus, mein Arthur", sprach der alte Maun mit Wehmuth; „o, Dich muß ein sanfter Schlaf erquicken: legst Du Dich doch mit einem schönen Bewußtsein nieder!" Nordheim seufzte tief auf. — „Ja, ich bedarf der Ruhe", sagte er, „ich will ein paar Stunden schlafen." Noch einmal schloß der Vater ihn in seine Arme, indem er unter Thränen sagte: „Schlafe süß, mein Sohn, meines Weibes Herzenskind!" Nordheim ging auf sein Zimmer, doch nicht um zu schlafen; ringend mit dem unnennbaren Schmerz in seiner Brust schritt er ruhelos auf und ab, dann setzte er sich nieder und mit zitternder Hand schrieb er — was war ihm noch das Fest? — einen Brief an den Landgerichtsdirector; — es war die förmliche Bewerbung um die Hand Martha's. „So wird es ihm wohl recht sein", sprach er finster, als er den Bogen zusammenfaltete. „Bitte ich ja doch hier um das Mädchen, das meinem Herzen fremd ist und ewig fremd bleiben wird! O, es ist grausam eingerichtet in der Welt!" Er verschloß den Brief und sandte ihn ab. — (Fortsetzung folgt.) «Israelit* und „Jeschmun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel in bestehe« bet G. F. Slrtnackrr, Letpstg, Doßplah 18. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt <Hanptblatt): Leitende Artikel: Die Thora über Alles. — Israel, der Träger des Gotteslichtes. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Hamburg. Vom Hunsrücken. — Oest.-Nngar. Monarchie: Wien. — England: London. — Afrika: Alexandrien. — Feuilleton: Aus edlem Beweggrund. — Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Oest.-Ungar. Monarchie: Ottakring. — Türkei: Konstantinopel. — Feuilleton: lieber den praktischen Werth von ‘IttfD Fleisch-Extrakt für die jüdische Küche. — Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Rußland: St. Petersburg. — Süd-Arabien: Sana. — Mesopotamien: Bagdad. — Inhalt der Extra-Beilage SpendenVerzeichnisse. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit* Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei (Oscar L eh manu) in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.