Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1889-02-07 · Heft 11 (7.2.1889) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 11 (7.2.1889)
Date
1889-02-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447947-2447959--27984-2475644
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

194 ob Ihr Euch auftafft oder nicht, das müßt Ihr doch Euch sagen: Die Zustände wie sie jetzt bei uns sind, sind trostlos, sind eine Schande, sind geradezu ein Hohn auf das jüdische Gesetz. Darum rufe ich Euch nochmals zu, rafft Euch auf und schaffet Abhilfe um jeden Preis! —r. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 1. Febr. Mittwoch den 23. Januar, berichtet das „Deutsche Volksblatt" aus Znaim, 22. Januar: Heute Früh wurde hier die alleinwohnende 78jährige Braunais, Mutter des hiesigen Kaffeehausbesitzers B. Braunais, welche für sehr vermögend galt, in ihrem Wohnzimmer ermordet aufgefunden. Das auf dem Halitzplatze, nahe dem alten Friedhof gelegene Haus, in welchem die Mord- Lhat verübt wurde, steht ganz isolirt. Die Greisin wurde durch einen Hieb auf den Kopf getödtet. Geld hat sie selten im Hause und ist es daher noch nicht festgeftellt, was geraubt wurde. Samstag, den 26. Januar, brachte die Abendausgabe des Blattes eine ergänzende Mittheilung aus Znaim: „Der Mörder der Wittwe B. ist nunmehr eruirt. Es ist der eigene Sohn der Ermordeten , der hiesige Kaffeehausbesitzer Julius Brauneis, welcher gestern Abend beim hiesigen Kreisgerichte sich selbst gestellt hat." So weit das „Volksblatt". Der Kaffeehausbesitzer Julius Brauneis ist der Führer der Antisemitenpartei in Znaim. England. London. Der im Jahre 1881 verstorbene Ephraim L e v i n vermachte die Zinsen zweier Kapitalien von je 20,000 Pfund Sterling seiner Wittwe und seiner Schwester mit der Bedingung, daß nach dem Ableben derselben die Kapitalien jüdischen Instituten zufallen sollten. Nachdem nun die Wittwe Levin vor einem halben Jahre das Zeitliche gesegnet hat, vertheilen die von dem Verstorbenen eingesetzten Testamentsvollstrecker die flüssig gewordenen ersten 20,000 Pf. St. an 30 jüdische Unterrichts- und Wohlthätigkeitsanstalten in Einzelbeträgen von je 500 bis 5300 Pf. St. Die zweiten 20,000 Pf. St. kommen nach dem Ableben der heute 96 Jahre alten Schwester Levins zur Vertheilung. Afrika. Alexandrien, 25. Januar. Bezugnehmend auf die in Ihrem geschätzten Blatte L äato Alexandrien, 2. Januar erschienene Notiz erlaube ich mir berichtigend mitzutheilen, daß die Zwecke des darin erwähnten Vereins D’ann t, dessen Protector Chevalier Abraham Tilche ist, darin bestehen, fachtüchtige und intelligente Handwerker heranzubildeu, den Handwerkerstand zu erweitern und die geistige Bildung unter den Mitgliedern zu fördern; außerdem werden die Mitglieder in Krankheitsfällen und deren Wittwen und Waisen nach Möglichkeit unterstützt. Jacques Margosches, Präsident obengenannten Vereins. Feuilleton. Aus edtem Beweggrund. Eine Erzählung. Von Karl Wiesenthal. (Fortsetzung.) Es war eine leise Ahnung in Helene aufgestiegen von dem, was Nordheim noch zu sagen haben werde, und obwohl sie in einen dunklen Abgrund sah, so suchte sie dennoch ihren Muth gewaltsam aufrecht zu erhalten. „Helene!" hob Nordheim, des Mädchens beide Hände fassend, wieder an, „würdest Du es ertragen, wenn wir uns trennen müßten?" Ach, Helene bebte, aber sich mit ganzer Kraft bezwingend, sagte sie: „Sprich rasch aus, was geschehen muß; Du folterst uns Beide. Ich fühle, was noch kommen wird, — fühle auch, ich werde tragen können, was ich tragen muß." Nach einem Liefen Athemzuge sprach Nordheim, mit zur Erde gesenktem Blick: „Der Director will meinen Vater retten, — wenn ich Christ werde und seine Tochter mein Weib wird." Helene empfand einen tief einschneidenden Schmerz in ihrer Brust, aber sie hielt sich aufrecht. „Ich täuschte mich nicht", sagte sie leise, „das mußte es sein!" — Dann heftete sie die Augen fest auf Nordheim und fuhr fort: „Arthur! ich frage Dich nicht: ist es nichts Anderes, das Dich zu dem reichen Fräulein von Werden treibt? — Ich liebe Dich, wie kein Weib den Mann ihres Herzens mehr lieben kann, und so felsenfest war und ist mein Vertrauen zu Dir, daß ich mich ewig hassen würde, könnte ich je wanken in dem Glauben an Dich; aber einzig geliebter Mann, kannst Du abfallen vom heiligen Glauben unserer Väter? O, Arthur, bleibe Jude, dann könnte ich die Trennung — ertragen!" Nordheim schüttelte traurig das Haupt. „Mein Geliebter," sprach Helene, „der liebe

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.