Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1889-02-04 · Heft 10 (4.2.1889) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 10 (4.2.1889)
Date
1889-02-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447947-2447958--27972-2475631
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

183 und sie gehören den, wie weltbekannt, äußerst „sauberen" russisch-christlichen Bauern, welche das Dorf eigentlich bewohnen und, unter ihnen, auch etliche jüdische Krämer und Schänker. Was den weiteren Schmutz anbctrifft, in dem er sich gefällt von „Unghen" zu berichten, so weiß der gute Mann von „ländlich-sittlich" und, buchstäblich genommen, sieht es selbst in gebildeten Ländern „auf dem Lande" nicht viel besser ans als überall im Osten; ja sogar in Städten Italiens, Spaniens und ähnlicher Länder der Civilisation und Christenheit wird er die Unreinlichkeit antreffen, die er in dem russischen Dorfe den angeblichen Juden vorwirft. Lächerlich macht er sich dabei nicht blos mit dem Mangel an Gereistheit, sondern auch mit einer ebenso großen Unkenntniß dessen, was er kritisirt. Denn er versetzt bei der famosen Gelegenheit Unghen, die „so hübschen Geschichten" des, wie er ihn schimpft, „daitschen" Dichters Franzos und des Sach er- M a s o ch nach Bessarabien, während sie bekanntlich in der österreichischen Bukowina und Galizien spielen, nämlich im entgegengesetzten Ende der Karpathenländer, die B. „beschreiben" will — nur was Juden anbetrifft. — Nachdem er den „Hauptort" seiner Reise kennen gelernt, begibt er sich endlich nach der wirklichen Stadt Jassy. Was ihm da auffiel, sind zunächst allerdings ein paar Kirchen und Bojarenhäuser, die er aber nur im Vorbeigehen erwähnt, um sich sofort wieder in Schmutz zu begraben. Er ist, wie es scheint, darauf abgerichtct in diesem Artikel zu „reisen" und darum sucht er ihn überall, natürlich wieder bei den Juden. Aber man höre: „Der innere Theil (der Stadt) erweist sich sofort als unbestrittenes Heim unzähliger „Vampyre" (soll heißen Juden), die an Schmutz und Elend alles bisher Gesehene überbieten." Blutsauger und „Kravattenmacher", die sich in Elend befinden — auch gut! Aber das Elend rührt ihn nicht, darum schimpfirt er weiter : „In ungarischen Orten dünkt es Einem, als ob die Juden das arische Element verspeisen wollten, hier (in Jassy) ist es, als müßten sich die Hebräer gegenseitig aufzehren." Die Armen! Wahrscheinlich aus Noth und ans Mangel! „Drei bis vier Familien" sollen „oft in einem Zimmer wohnen", dies ist zwar kein Beweis für seine Bezeichnung der Inden von einige Zeilen vorher als ein „Schmarotzer"-Volk, dafür ist aber beides erlogen. Denn wie ich bei Gelegenheit des Brandes in Bottuschan („Jsr." Nr. 52, 1887, Note) auseinandersetzte, wohnen arme Leute, oft je eine Familie in je einem Zimmer. Dies geschieht sogar in Berlin und in anderen großen Städten, wo selbst wohlhabende christliche Handwerker und Beamte ihre Zimmer an „Herren" und „Damen" (Studenten oder andere ledige Personen) vermiethen, während die Familie des Vermieters sich in der Küche bezw. in Schlaflöchern (sog. „Kammern") zusammenpfercht. Das Elend und die Bedürftigkeit ist sich eben überall gleich, nur in den Gebräuchen ist man da und dort anders. Er sagt dann noch was vom Beten am „Freitag-Abend", von Aufeinanderhocken, fanatischen Geberden u. s. w. in den Synagogen, — als ob er dabei gewesen wäre, um dann wieder auf die „Herrscher"-Eigenschaften der Juden in — Jassy zurückzukommen: „In dieserStadt," sagt er, „fungiren nur Juden als-Melone nhändler, Paradiesverkäufer, und Obstbesitzer; Juden sind die Masse rfüh rer, Führer der Kalk- und Sandwagen ." Fürwahr, allen diesen Leuten fehlen zum Herrschen blos Szepter und Krone! Mit dergleichen Ungereimtheiten will der Mann beweisen, was er so dreist behauptet, und die „Staatsbürgerzeitung" druckt gläubig Wort für Wort nach, weil der giftige Schmutz, dessen Bergner sich in seiner Schreibweise befleißigt, mit demjenigen, den er in den Karpathenländern aufgelesen, sowie mit der eigenen Schreibweise des Hetzorgans wetteifert. Griechenland. Korfu, 6. Januar. Unser verehrter Oberrabbiner hat gleich nach seiner Rückkehr hieher von Athen an den dortigen Bürgermeister, Herrn Philimone, ein Schreiben gerichtet, in dem er ihm für die ihm in dieser Stadt während seines kurzen Aufenthaltes daselbst zu Theil gewordenen hohen Ehren dankte. In seiner Antwort aus dieses Schreiben äußert sich der Bürgermeister wörtlich: „Die Eurer Ehrwürden in unserer Stadt erwiesenen Ehren waren nur solche, die dem Vertreter einer großen Religion und ruhmvollen Rasse, die solche alte Traditionen besitzt, wie Griechenland, und die gleich der griechischen Nation der Menschheit ewige Dienste erwies, gebühren." Es ist eine Freude zu sehen, mit welchem Eifer die Juden in Thessalien und Ost-Epirus, welche zwei Provinzen bekanntlich erst 1881 an Griechenland gefallen sind, sich präcisiren. Auch ihre Kinder erlernen mit Lust die neue Landessprache, das Griechische, die bald das Spaniolische verdrängt haben wird. Viele jüdische Kaufleute in diesen genannten zwei Provinzen führen schon sogar ihre Geschäftsbücher griechisch. Türkei. Salonichi. Als die Mittelmeer-Flotte unter Befehl des Herzogs von Edinburgh im Hafen Salonichi's einlief, wurde unser Glaubensgenosse

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.