Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1889)
- Date
- 1889-02-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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182 Ihres Berliner Herrn Korrespondenten auf giftgetränkte Aufsätze eines gewissen Rudolf Bergner hingewiesen, welche derselbe in der in Berlin erscheinenden antisemitischen „Staatsbürgerzeltung" veröffentlichte. Diese Mache des genannten Biedermanns ist mir in Buchform schon seit etwa 16 Monaten bekannt, aber nicht unter dem Zugtitel „Die Judenherrschaft in den Karpatheuländern", sondern unter dem mehr verkappten: „Rumänien, Land und Leute." Ich hielt so lange dafür, daß das anscheinend bestellte Pamphlet auch nur die Ehre einer bloßen Erwähnung nicht verdient, nun aber dasselbe aus seinem obskuren Dasein herausgetreten und sich in Zeitungsspalten ergossen hat, die einem „gefundenen Fressen" stets auf der Lauer sind, fühle ich mich gemüssigt, es ein bischen in irrenärztliche Behandlung zu nehmen. Denn wahrlich, hinverbrannt ist alles, was Bergner in einem Athem herunterhaspelt, und in seiner antisemitischen Wuth merkt er gar nicht, daß er das Gegentheil beweist von dem, was er behauptet, daß nämlich, wie wir ja sattsam wissen, am allerwenigsten im Karpathenland Rumänien, welches er ebenfalls „beschreibt", von einer Juden- „Herrschaft", wohl aber von einer Juden-S kl a v e r e i geredet werden kann. In der That ist es nur die Ueberschrift und die antisemitischen Grimassen, die er schneidet, sowie einige erfundene Anekdoten, welche die „Judenherrschaft", demonstriren, sie den gleich ihm gesinnten Lesern aufbindeu sollen. Etwas näher hingesehen aber steht jede Zeile mit der anderen und mit der zur Schau gestellten Berserkerwuth in Widerspruch und aus den noch so sehr rasenden Ausdrücken der Verleumdung und Beschimpfung leuchtet für den Wissenden und Verstehenden klar hervor die Unterdrückung, das Elend, die Genügsamkeit und das schwere Arbeiten, in denen die Israeliten — ich rede nur speziell von meinem Lande — leben. Dies alles erweckt ihm aber nicht Mitleid und Anerkennung, sondern die höchste Rage: Schon gleich am Anfang sagt der werthe Herr: „Doch die rumänische Regierung bewies mehrThatkraft, als eine gewisse benachbarte, sie stellte die Juden außerhalb des Gesetzes, bestimmte, kein Jude dürfe Land erwerben, hausiren, Rechtsanwalt werden, Apotheken gründen und dergleichen mehr. . . ." Dies heißt nach seinem antisemitischen Begriffsvermögen „herrschen". Er thut freilich so, als ob dies vor dem Berliner Kongreß geschehen und, daß „nun" der „Geheimbund" der Alliance Jsraölite mit Rumänien vollkommen zufrieden fein könne" — mithin, daß es nun anders sei. Wir aber wissen, daß der Kongreß 1878 ftattgesunden und daß ein Theil der Restriktivmaßnahmen zwar schon vorher existirte, aber in viel gelinderer Form, während der größere Theil und desto grausamer erst nach dem Kongreß, besonders seit 1882 seinen Anfang genommen. Ich brauche blos auf das von Bergner erwähnte Hausiren hinzuweisen, durch welches erst 1884, also 6 Jahre nach dem Kongreß, 20,000 Seelen Israeliten au den Bettelstab gebracht wurden. Während er aber die „Herrschaft" dieser beschreiben will, sagt er noch in bemfetbeit Absatz: „Selbst Kleinigkeiten halber tischten die armen Gequälten, d. h. die Israeliten, die Alliance Jsraelite (angeblich als Drohung gegen die Regierungsbehörden^ auf." 650,000 Juden sollen in Rumänien leben, sagt er, aber die mehr als 400,000, die er zu dieser Zahl hinzugeschriebeu hat, scheint er von den 5,000,000 Gesammtbevölkerung „entliehen" zu haben, die er nur auf 4*/2 Millionen angibt, damit die Verhältnißzahlen erschreckend wirken sollen. Obligaterweise sollen die alten Bojarenfamilien eine nach der anderen „durch die Juden" ruinirt worden sein — in demselben Athem aber sagt er, daß den Bojaren der L e i ch t s i n n, die Verschwendungssucht, das fehlende Verständniß für Arbeiter rc. „geschadet" hat. Ich könnte dem hinzufügen, daß es zum größten Theil das Kartenspiel gethan, und daß die Bojaren noch heutzutage die Herzlosigkeit haben, ihr Geld nicht einmal i m Lande, sondern im A u s l a n d e zu verschwenden, wodurch „die Inden" also gar nicht in die Lage kommen können, sie zu ruiuiren. „Wehe dem Nichtjuden, der es wagt im neuen Palästina über die neuen Herren zu murren, ruft Bergner aus!" Diese neuen „Herren" sind, wie er einige Zeilen vorher selber sagt: — — Fi ak erkut scher, Wasserträger u. s. w. — Wie beginnt man eine Reisebeschreibung? Natürlich beim elendsten Dorf! Und da er in Antisemitismus über die rumänische Moldau schreiben will, so verfügt er sich schnurstraks nach dem russischen Bessarabien, um sich das Dorf Unghen zu besehen, welches, weil er in Geographie ein Ignorant, in seinem Hirn so lange eine „Stadt" ist, bis ihn der russische Rittmeister eines Besseren belehrt, indem er — eigene Worte Bergners — ihn über sein Verlangen „erstaunt ansah." 40—50 Holzbaraken (wahrscheinlich mit Schilf und Stroh gedeckte Lehmhäuschen) hat er gesehen in der — „Stadt", alle sollen von Juden bewohnt gewesen sein, trotzdem sollen zwischen dem verschiedensten Gethier, das sich unter den Menschen herumtummelte, auch — — Schweine sich befunden haben. Wahrscheinlich waren es „koschere" Schweine, oder aber Herr Bergner lügt