Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1889)
- Date
- 1889-02-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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176 klangvollen Namens zu den Mitarbeitern seiner Werke zählen. Seine „Orientreise" wird für alle Zeite ein köstliches Andenken an die glühende Verehrung gepriesen werden, welche der österr. Thronerbe für die geweihten Stätten unserer Ahnen empfunden hat. Nur einen Trost kennt das geprüfte Gesammtjudenthum in dieser dem heiligsten Schmerze anvertrauten Stunde: es schläft nicht und schlummert nicht der Hüter Israel s! Bl. Leipzig. Der hiesige Reform-Verein veranstaltete eine Kaiserfeier in dem kleinen Saale „der Bauhütte." Es hatten sich ungefähr 50 Personen eingefunden, darunter 20 Damen. Herr Liebermann von Sonnenberg hielt die Festrede. Wo waren all' die Freunde und Gönner der antisemitischen Vereinssache? Diese Frage mögen Herr Liebermann von Sonnenberg und fein Freund Herr Fritsch selbst beantworten. Das antisemitische Lager wird G. s. D. immer kleiner. Chemnitz. Das Schöffengericht verurtheilte einen hiesigen Arzt wegen Verleumdung und antisemitischer Beschimpfung des Schriftstellers Karl Wiesenihal zu 4 Tagen Haft oder 60 Mark Geldstrafe. — Redakteur Zimmermann in Dresden, ein bekannter Antisemit, ist abermals wegen Beleidigung in eine hohe Strafe verurtheilt worden. Straßbrrrg i. E. Die von dem israelitischen Bezirks-Konsistorium zu Straßburg vorgenommene Ernennung des Rabbiners Dr. Max Staripolsky in Straßbnrg zum Rabbiner in Quatzenheim ist Seitens des Ministeriums bestätigt worden. (Landesz. f. Els.-Lothr.) Sennheim (Oberelsaß), im Januar. Die hiesige Gemeinde hat dieser Tage einen herben Verlust erlitten durch das im 69. Lebensjahre erfolgte Hinscheiden des Herrn S. Dreyfuß, eines Mannes, der es wohl verdient, daß sein tugendhaftes Leben und Wirken in diesen Blättern, aus welchen er viele Jahre hindurch Belehrung und Erbauung schöpfte, des Näheren besprochen werde. Durch feinen Hintritt wurde unsere Gemeinde eines Mannes beraubt, der sich als wahrhaft frommer und aufopferungsfähiger Jehudi auf allen Gebieten religiöser und humanitärer Bestrebungen glänzend bewährte. Der Verblichene bekleidete mehrere Jahre das Amt eines Gemeindevorstehers, in welcher Eigenschaft er das Gedeihen unseres Gemeindewesens in jeder nur möglichen Weise förderte; und selbst, nachdem er das Amt niedergelegt hatte, lag ihm das Gemeindewohl noch in seltener Weise am Herzen. So viel in seinen Kräften stand, trug er bei zur Erhaltung des Gottesdienstes, dessen eifrigster Besucher und Förderer — durch verschiedene rel. Funktionen — er stets gewesen. Für den Bestand der Wohlthätigkeitsanstalten spendete er stets mit vollen Händen und galt es einer körperlichen Hilfeleistung bei Kranken 2C. war er ebenfalls einer der Ersten. Aber auch auswärtige Hilfsbedürftige, namentlich die Armen des heiligen Landes, unterstützte der Edle in ergiebigster Weise von seinen reichen Mitteln, und niemals hat sich Jemand vergebens an sein mildes Herz gewendet Sein gemeinnütziges Wirken, sowie seine Rechtschaffenheit wurden auch von unseren christl. Mitbürgern anerkannt, die ihm die Würde eines Gemeinderathes übertrugen. Was aber uns den Hingeschiedenen ganz besonders unvergeßlich macht, ist seine innige, hingebungsvolle Liebe zu unserer heiligen Lehre. Diese in seiner Familie heimisch zu machen und zu erhalten, galt ihm als die höchste und angelegentlichste Sorge seines Lebens und diesem Ziele brachte er die größten Opfer. Er begnügte sich nicht mit dem dürftigen Maße religiöser Kenntnisse, die man allgemein unter „Religionsunterricht für die Jugend" versteht. Daher hielt er eigene Lehrer für seine beiden Söhne, damit diese so viel wie möglich mit dem hl. Gottesworte vertraut wurden. Um aber auch der hiesigen Jugend die Worte der Lehre in reichem Maße zugänglich zu machen, bemühte er sich, den durch seltene Gelehrsamkeit und Frömmigkeit weithin bekannten Rabbiner Herrn S. Bamberger für unsere Gemeinde zu gewinnen, was ihm nach vielen wiederholten Bemühungen auch gelang. Bis zu seinem Lebensende beschäftigte der Verklärte sich täglich unter Anleitung dieses Gelehrten mit dem Gottesworte, welche Beschäftigung für ihn ein Hochgenuß war. Die Achtung und Werthschätzung, deren der Selige sich erfreute, kamen bei seinem Leichenbegängnisse zu vollem Ausdruck. Ein imposanter Leichenzug, wie er hier wohl noch nie gesehen wurde, und in welchem wir viele christliche Mitbürger und die Vertreter der Stadt bemerkten, gab ihm das letzte Geleite. Im Trauerhause sprachen die Herren Rabbinen Bamberger von hier und Wurmser-Thann: auf dem Friedhofe: die Herren Rabbinen Bloch- Bischheim und Schüler-Bollweiler, zuletzt Privatgelehrter Friedland. Sämmtliche Redner schilderten die glänzenden Tugenden des Heimgegangenen und namentlich feine glühende, heut zu Tage leider immer seltener werdende Liebe zu unserer heiligen Thora. Einen ungemein wehmüthigen und erschüt-