Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1889)
- Date
- 1889-02-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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175 sollen, wie Ich es ihnen habe leuchten lassen, damit die Nationen alle es erkennen, daß Israel das Licht Dessen verbreitet, der ihnen insgesammt leuchten will. So wandelt Israel dem Monde gleich, der sein Licht von der Sonne empfangen, um das nächtliche Dunkel zu erhellen, unter der Menschheit. Es ist der treue Lichtträger, der das von Gott empfangene Licht Wiederstrahlen läßt, der die Nacht des Wahns und des Jrrthums erhellt, bis sie alle, die Völker des ganzen Erdballs, sich dem einzigen wahren Lichte zuwenden, das Gott längst in seinem geoffenbarten Gesetze ihnen allen strahlen läßt. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 28. Januar. Wegen Erpressung ist eine Hauptstütze der Stöcker-Partei in Berlin, der durch seine Reden in konservativ - antisemitischen Volksversammlungen bekannte Privatlehrer Langheinecke von der Strafkammer des Landgerichts I. zu 6 Monaten Gefängniß und 1 Jahr Ehrverlust verurtheilt worden. Der ehemalige Maschinenfabrikant Fulda hatte den Verurtheilten beauftragt, zu versuchen, von der Wittwe Dinglinger einen Schadenersatz dafür zu erhalten, daß er im Konkurse, welchen der verstorbene Dinglinger über ihn hatte verhängen lassen, um den Besitz eines Grundstücks gekommen sei. Langheinecke verlangte von der Wittwe eine Entschädigung von 20,000 Thalern. Im Falle der Weigerung drohte der Angeklagte mit einer Jmmediat-Eingabe an den Kaiser und erklärte, daß er vermöge seiner Verbindung mit der Presse sowohl wie durch Reden in öffentlichen Volksversammlungen in der Lage sei und nicht anstehen würde, die Handlungsweise des Verstorbenen und der Adressatin gebührend zu kennzeichnen und die Letztere durch öffentliche Brandmarkung moralisch zu vernichten. Dieser Brief bildete die Grundlage der Anklage gegen Langheinecke. Langheinecke suchte sich damit zu vertheidigen, daß er nur im Interesse des Auftraggebers Fulda gehandelt, welcher trotz der gegenteiligen Ansicht aller Gerichtshöfe von Dinglinger s. Z. übervortheilt sei. Der Staatsanwalt hielt die Merkmale der versuchten Erpressung dennoch für erwiesen, denn angesichts der gerichtlichen Entscheidungen konnte der Angeklagte nimmermehr der Meinung sein, daß die Ansprüche seines Auftraggebers zu Recht beständen. Er beantragte eine Gefängnißstrafe von drei Monaten. Der Gerichtshof ging noch weit über diesen Antrag hinaus, indem er auf 6 Monate Gefängniß und ein Jahr Ehrverlust erkannte. Die Handlungsweise des Angeklagten sei eine so verdammenswerthe und seine Drohungen seien so gefährlich und eine niedrige Gesinnung verrathend, daß bei dem Bildungsgrade des Angeklagten eine höhere Strafe gerechtfertigt erscheine. Berlin, 29. Jannar. Die Ungarweinhandlung S. Troplowitz und Sohn in der Mohrenstraße spendete zur Feier des Geburtstagsfeftes des Kaisers den beiden hiesigen Garnison-Lazarethen je 100 Flaschen Medizinal-Ungarwein. — Das durch sein unermüdliches menschenfreundliches Wirken bekannte Mitglied des Vereins „Magine Reim", der „Hachnassat-Kalla-Chewra" und anderer Wohlthätigkeitsgesellschaften, Herr Eduard Mende ist am 26. d. verstorben. Berlin, 31. Januar. Die erschütternde Trauerkunde von dem plötzlichen Hintritt des K r o n p r i n z en Rudolf hat auch hier in allen Kreisen ein tiefes Weh geweckt. Wir glaubten, in dem ergreifenden Tode des vielgeliebten Kaisers Friedrich die Summe alles Erdenjammers schauen zu sollen, die Summe aller Menschentragik beweinen zu müssen: die zermalmende Unglücksbotschast vom Donauftrand hat alles Wähnen und Klügeln in Trümmer geschlagen, die l unergründliche Allmacht des Weltenrichters läßt den Staubgeborenen in seiner Nichtigkeit erbeben. In den Schmerz der Völker mischen sich die Thränen des Judenthums; nicht nur die israelitischen Unterthanen des befreundeten Nachbarreiches, alle Söhne unserer Glaubensgemeinschaft mögen klagen an der Gruft des herrlichen Kaisersprosses, dieses strahlenden Musterbildes von Geist und Ritterlichkeit, von Demuth und Duldung. Der Frühling, den Kaiser Friedrich nach göttlichem Rathschluffe uns nicht hat bringen sollen, schien von dem liebeerfüllten Fürstensohn auszugehen, und wiedergetäuschte Hoffnungen und wieder begrabenes Glück: ein schweres Verhängniß lastet mber allen, die des Lenzes harren! Eines der schönsten Blätter in dem ewig blühenden Tugendkranz des der Menschheit geraubten Prinzen wird seine gewinnende Lieblichkeit bleiben, die ihren Zauber auf alle Welt ausströmte, frei von engherzigen Vorurtheilen, ohne Unterschied des Bekenntnisses. Man weiß, welche Freundschaft Kronprinz Rudolf gerade den jüdischen Unterthanen des österr. Kaiserstaates entgegenbrachte, wie er mit jüd. Künstlern, Dichtern und Schriftstellern verkehrte, wie Israeliten