Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1889)
- Date
- 1889-01-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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159 w-* 4) Nicht nur während des Schächtungsaktes, sondern auch für die ganze Dauer der nach dem Halsschnitte eintretenden Muskelkrämpfe soll der Kopf des Thieres festgelegt werden, da andernfalls der bewegliche Kopf des in Muskelkrämpfen liegenden Thieres nicht selten in der heftigsten Weise am Boden aufgeschlagen und namentlich an den Hörnern verletzt wird. 5) Endlich soll die Schächtung nur durch erprobte Schächter ausgeführt werden. Wir können diese Verordnung, welche, theilweise schon vom jüdischen Religionsgesetz erlassen, den Thierschutz erhöht und den Gegnern der Schechita die Unterlage zu manchem Angriff entzieht, nur freudig begrüßen und wünschen, daß ihr weitmöglichst Folge gegeben werde. — Der Student Eich ler ist wegen Tödtung des Studenten Blum im Zweikampf zu der niedrigsten gesetzlich zulässigen Strafe von zwei Jahren F e st u u g s h a f t verurtheilt worden. Der Staatsanwalt ersuchte die Geschworenen, zu berücksichtigen, daß die scharfe Form der Forderung der Schwere der Beleidigung vielleicht entspräche. Die Beleidigung, welche das Duell veranlaßte, lag in der Behauptung, daß die Existenz des antisemitischen „Vereins der Studenten" eine Schmach sei. Gleichzeitig hat der Verurtheilte das eov8i1ium abeunäi erhalten, womit er des Rechtes verlustig geht, an der Berliner Universität seine Studien später fortzuführen. — Herr Böckel hält ungestört seine zwei Hetzreden jede Woche weiter. Vor einigen Tagen rief er, nachdem er — man wird unseren Schmerz zu ermessen wissen — unseren jüngsten Ausführungen zornig einen Besuch abgestattet, unter „stürmischem Beifall" aus: „Mag unsere Existenz ruinirt, unsere Ehre untergraben, unsere Familie vernichtet werden, wir kämpfen weiter, bis unser Ziel erreicht." An wen mag wohl Herr Böckel, als er von seiner „Familie" sprach, gedacht haben? — so fragt neugierig die „Volkszeitung". — Herr Dr. berliner hält während der nächsten Wintermonate jeden Sabbat Abend im Beth-Hamidrasch populär-wissenschaftliche Vorträge, welche in erster Reihe für die Mitglieder des „Machsike-Thora- Vereins" berechnet sind, deren Besuch aber auch sonst Jedermann freisteht. — Herr Dr. Hartwig Hirschfeld, der bekannte Orientalist, ist als Docent an das Montefiorecollege zu Ramsgate berufen worden. Bl. Vom Hurisrückerr. Unsere Gegend ist bekannt als eine arme, unfruchtbare. Und wie das Land, so sind seine Bewohner. Wenn wir im „Israelit" davon sprechen, so meinen wir unter den Bewohnern, die Juden, die hier fast überall vereinzelt, oder doch nur in geringer Anzahl zerstreut leben. Arm und unfruchtbar nannten wir sie, nicht wegen ihrer dürftigen Verhältnisse — es gibt ja auch Wohlhabende unter ihnen —, sondern wegen der Armuth und der Unfruchtbarkeit ihres religiösen Lebens. Kaum dürfte es eine andere Gegend Deutschlands geben, wo die Juden so sich selbstüberlaffen und verlassen sind in Bezug auf religiöse Leitung, wie hier, njn „Wie Schafe ohne Hirten", das ist im wahrsten Sinne des Wortes die Lage der Juden in unserer Gegend. Keinem Rabbinate unterstehen die jüdischen Gemeinden von der Nahe bis zur Mosel. Vis zum Tode des Rabbiners Auerbach in Bonn waren wir zwar verpflichtet dorthin jüd. Cultussteuer zu bezahlen; waren die D'biw verpflichtet, sich von dort ihre rvtap zu holen oder dorthin ihr Geld für eine vor einem Lehrer resp. örmr ihrer Gegend abgelegten Prüfung als mw zu schicken. Heute aber kann Jeder urw sein, wenn er sich dafür ausgibt; meistens sind es die Metzger selbst, die zugleich als crarw fungiren. Wie traurig es mit dieser Art D’ünw bestellt ist, darüber möchte ich heute berichten, damit vielleicht Einzelne, die hier noch für fromme, ehrliche Jehudim gelten wollen, aufgerüttelt werden aus ihrer Ruhe, ihrem Schlummer und sich die Augen reiben und sich fragen: träume, schlafe ich, oder ist es Wahrheit? Ich nehme an, daß die meisten Juden hier iiro-Fleisch essen wollen. Denn wozu brauchen sie sonst einen Dmty? Ebenso bin ich überzeugt davon, daß sie nach jüdischem Gesetze geschlachtetes und für nao erklärtes Fleisch haben wollen, der ünw also auch dieses Gesetz kennen und handhaben müsse, also nebst der Fähigkeit auch die Würdigkeit besitze, oder, um mich allgemein verständlich auszudrücken, das nuo«, wie man es bezeichnet, das Vertrauen verdient, daß er genau sein Amt verstehe und ein braver Jehudi sei. Wie sieht es aber damit aus? Was die Fähigkeit anbelangt, so versteht ein großer Theil dieser d’üjw von dem Hebräischen gerade so viel, um vielleicht die td-o vor dem Schlachten zu sagen. Ihre Kenntuiß der nB'rw, wenn sie sich nicht auf Ueberlieferung und als praktische Metzger auf ihre Erfahrung stützen, lernen sienothdürftig d.h. in ganz ungenügender Weise aus einem Deutsch geschriebenen, voll von Unkorrektheiten wimmelnden Büchlein, das flüchtig durchgelesen wird und das dann auf Nimmerwiedersehen in einen Winkel geworfen wird. Daß das Tastgefühl eines Metzgers, der ein so schweres Handwerk betreibt, nicht besonders entwickelt sein kann, daher die np>’*o nur ganz unvollkommen und bei der Eile, mit der sie meistens