Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1889)
- Date
- 1889-01-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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jüd. Orthodoxie so tief eingreifen würde, wenn er von der Ueberzeugung durchdrungen wäre, daß die Kanzlei richtig der rechtmäßige Dolmetsch der orthod. Gemeinden sei. Viele, sehr viele Unregelmäßigkeiten haben aber in den Augen des Ministers das Dasein der orthod. Kanzlei als ein zweckloses, zweckwidriges und unberechtigtes dargestellt und so kamen leider die unzähligen, die orthod. Autonomie vernichtenden Ministerialverordnungen zu Stande. Solchen Zuständen muß und wird mit offenem Muthe und begeisterter Entschlossenheit abgeholfen werden, bevor die schon heute in eigenem Lager obwaltenden Anschauungsdivergenzen konkreteGestalt und Form erhalten — bevor es zu spät wird. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 28. Januar. Am letzten Donnerstag begann in Cassels Hotel der Cyklus von Vorträgen, welche der Verein zur Unterstützung würdiger jüdischer Gelehrter und zur Verbreitung jüdischen Wissens bei der reiferen Jugend veranstaltet hat. Den ersten Vortrag hielt Herr Rabbiner Dr. S a l o m o n Cohn über das „Gnomenbuch des Siraciden." Der mehr wissenschaftliche Charakter der tiefdurchdachten Rede gestattet uns nur, die Resultate, zu .denen der gesch. Redner gelangte, hier mitzutheilen. Ueber die Entstehungszeit der apokryphischen Bücher, deren Wichtigkeit der Vortrag einleitend betonte, fließen die Quellen nur spärlich; um so höher muß ihre geschichtliche Bedeutung hervortreten, weil wir fast durch sie allein Aufschluß über jene so bedeutsame Periode erhalten und erfahren, wie man gedacht, gelebt und gelehrt hatte. Bon allen anderen apokryphischen Büchern ist aber das Buch des Siraciden das wichtigste, denn dieses Buch allein hat sich fremden Einflüssen und zumal der griechischen Cultur zu verschließen gewußt, in ihm allein spiegelt sich der reine Geist der hl. Schrift wieder. Ebendarum ist es zugleich ein hochbedeutsames Schriftdenkmal, weil wir in ihm ein Zeugniß besitzen, daß damals der Saddukaismus noch keinen Boden in der jüdischen Welt besaß; wenigstens wird er mit keinem Worte erwähnt, während das Buch den Schriftgelehrten Lob und Preis spendet. Nachdem im weiteren Verlaufe des Vortrages der Redner nachgewiesen, daß der Vers, des Sirachbuches zur Zeit des Euergetes II. gelebt, und der Hohepriester Simon, welchem im 50. Capitel eine begeisterte Lobrede gehalten wird, die zur Annahme zwingt, daß ihn der Vers, persönlich gekannt habe, Simon II. gewesen sein müsse, ging er zum Inhalt und Charakter der Sittenbücher Sirachs über. Der Redner zeigte, daß der Vers, aus der Quelle eigener Erfahrungen geschöpft habe, wenn auch nachweislich seine Bekanntschaft und Benutzung der Salomonischen Sprüche, die letzteren oft eigenartig verarbeitet, sich ergibt. Die Originalschrift der griechischen Uebersetzung war hebräisch, was der Redner an einigen sehr markanten Beispielen beweist. In alter Zeit durfte sich das Werk einer großen Theilnahme beim Volk erfreuen. Daß einzelne Aussprüche Sirachs vom Talmud namentlich citirt werden, ist bekannt; andere Aussprüche des Siraciden finden wir öhne Quellenangabe ebenfalls im Talmud wieder. Auch in das Jomkippur-Ritual sind einige Stellen (so die Beschreibung des Hohenpriesters) eingedrungen, Beweises genug für die Popularität des Verfassers. Wenn sich später das Gnomenbuch aus jüdischen Kreisen gänzlich verloren habe und kaum zu erwarten sei, daß es in der Gegenwart wieder Aufnahme beim Volke finden werde (blieben doch selbst die Salomonischen Sprüche ungelesen bei Seite liegen!), so sei gleichwohl die Weisheit Sirachs für die jüdische Literaturgeschichte ein bedeutsames Geifteszeugniß aus einer Zeit, in welcher die griechischen Anschauungen den geistigen Schöpfungen den Stempel aufdrückten, während sie an den Verfasser unseres Buches voll echten jüdischen Gepräges spurlos oorübergingen. Das stattliche, vornehme Publikum spendete den Ausführungen des geistvollen Redners freudigen Beifall. Bl. Berlin, 28. Januar. Die bereits kurz erwähnte Verordnung des Kultusmini ft er s und des Ministers des Innern bezeichnet die allgemeine Durchführung nachstehender M aß r e g e lfi, soweit es die örtlichen Verhältnisse gestatten, als wünschenswerth: 1) das Niederlegen der größeren Thiere soll hauptsächlich durch Winden oder ähnliche Vorrichtungen bewerkstelligt werden. Diese Winden, sowie die dabei gebrauchten Seile rc. sollen haltbar sein und stets geschmeidig gehalten werden, so daß die Ausführung ohne Verzug erfolgen kann. 2) Während des Niederlegens soll der Kopf des Thieres gehörig unterstützt und geführt werden, damit ein Aufschlagen desselben auf den Fußboden und ein Bruch der Hörner vermieden wird. 3) Bei dem Niederlegen des Thieres soll der Schächter bereits zugegen sein, um unmittelbar darauf die Schächtung vorzunehmen. Letztere soll sicher und schnell ausgeführt werden.