Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1889)
- Date
- 1889-01-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447947-2447957--27945-2475603- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
■ " •' - <-V-'** XXX. Jahrgang. (& V f tt Beilage ju .V t) ües^Israelit" &„3efdjitntn”. Seiteitbcr Artikel. I>ie jüd. Angelegen heilen in Wngarn. in.*) —, am 19. D3» 5649. Analog der vor 20 Jahren vom jüd. Kongresse in's Dasein geförderten Institution der Distriktskommissäre hat auch das Präsidium der Durchführungskommission — zur scheinbaren Realisirung des allgemein kundgegebenen Wunsches — einige hochachtbare Vertrauensmänner aus der Provinz znr Abhaltung einer sogenannten orth. Gener a l v e r s a m m l u n g eingeladen. Durch die unerquicklichen Vorgänge der letzten Zeit hat sich aber auch die Anzahl der Vertrauensmänner bedeutend reduzirt und so haben an dieser Landesversammlung — gegen deren Legalität übrigens Protest erhoben wurde — nicht mehr als 21 Personen theilgenommeu. Die Sitzung wurde mit der betrübenden Mittheilung eröffnet, daß die Eingaben der Orthodoxen gegen den bekannten Ministerialerlaß vom 21. Juni v. Jahres auch seitens des neuen Kultusministers keine Berücksichtigung gefunden. Leider war dieses traurige Resultat vorauszusehen (Siehe Nr. 102 v. Jahrg.); denn noch immer wurde nicht der geeignete Weg zur Erreichung des angestrebten Zieles eingeschlagen. Nun dürften auch die Vertrauensmänner iufolge der letzten Generalversammlung um eine Erfahrung reicher, um eine Hoffnung hingegen ärmer geworden sein. Man rechnete auf die Folgen des Personenwechsels im Kultusministerium und diese Hoffnung hat sich als eitel erwiesen. Schon bei der ersten Aufwartung des leitenden Ausschusses der isr. Landeskazlei sagte der neue Kultusminister in seiner Antwort: „Ich kenne die Schwierigkeiten meiner Aufgabe, doch glaube ich fest, daß es mir, unterstützt von den mitwirkenden Männern — un d unter denen zähle ich auch Sie — gelingen wird, den Erwartungen nach Möglichkeit Genüge zu thun. Seien Sie überzeugt, daß'ich für Ihre Angelegenheiten und Institutionen die bestenAbsichten hege." In diesem Sinne hat der Minister zur orth. Depu¬ *) Siehe Nr. 90 und 102 v. Jahrganges. tation bei allen Freundlichkeitsbezeugungen nicht gesprochen. Wir sind weit entfernt davon, für die wuchtigen und niederschmetternden Hiebe, welche die orth. Judenheit in Ungarn erlitten, das Präsidium der Durchführungs-Kommission allein verantwortlich machen zu wollen. Auch soll diesmal nicht untersucht, werden, ob und wieweit derartige Beschuldigungen gegründet seien. Wenn aber orth. religiöse, besonnene, hochgelehrte, über allem Zweifel erhabene Ehrenmänner solche irrige Beschuldigung gegen die Leitung ihrer sonst in Ehren gehaltenen Kanzlei aufkommen lassen; muß da nicht durch ungeschicktes Gebahren, durch Zweideutigkeiten Anlaß und Handhabe hiezu gegeben worden sein? In maßgebenden orthod. Kreisen aller Landestheile spricht man seit Jahr und Tag von der unabweislichcn Nothwendigkeit, einer von den orthod. Gemeinden frei zu wählenden mit der nöthigen Autorität bekleideten Landesversammlnng zur Ordnung und Gliederung der berufenen Funktionäre. Nun hat das Präsidium der Durchführungskommission — vielleicht in harmloser Absicht — das Recht sich vindizirt einige Vertrauensmänner zu ernennen und mit ihnen eine Landesgeneralversammlung abzuhalten. — Die Frage drängt sich nun unwillkürlich auf: Warum will das Präsidium der Durchführungskommission den orthod. Gemeinden das ihnen zu st eh ende Selbstbestimmungsrecht verweigern? Denn die Durchführungskommission kann und darf keinerlei Thätigkeit in Cultusangelegenheiten beginnen, bevor sie auf die diesbezüglichen Wünsche und Beschlüsse der orthod. Gemeinden Hinweisen kann. In Ermangelung rechtmäßiger Beschlüsse hat aber das Präsidium der Durchführuugskommission mit gewohnter Selbsttäuschung und Kompetenzüberschreitung dem Grundsätze tiosj huldigend, tut Kultusministerium eine vox populi nur vorgespiegelt. Dieses Vorgehen war seit Jahr und Tag kein Geheimniß und so förderte man — vielleicht unbewußt — und brachte zur Reife die verderblichen Pläne der Ko ngreßpartei. Denn es unterliegt keinem Zweifel, daß kein auf der Höhe seinerAufgabe stehenderKultusminisrer in die heikelsten Angelegenheiten der dü ■