Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1889)
- Date
- 1889-01-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1 154 allgemeine ist, geht schon aus dem Umstande hervor, daß in den verschiedensten Gemeinden O'-won abgehalten wurden. Die Berichte darüber laufen so zahlreich und so ausführlich ein, daß es uns unmöglich ist, sie alle zum Abdruck zu bringen. Wir beschränken uns daher darauf zu erwähnen: es wurden außer den bereits erwähnten noch DnsDn abgehalten: in Frankfurt a. M. im Trauerhause von Dr. jur. N. Hirsch, daselbst in der Synagoge der isr. Religionsgesellschaft von den Herren Rabbinen Dr. Plato und S. Fromm, in Darmstadt von Herrn Rabb. Dr. Marx, in Hanau von Herrn Rabb. Dr. Kor es, in Memel von den Herren Rabbiner Feinberg und Dr. Rülf, in Rand egg von Herrn Rabb. Pickard, in Wien, in der Synagoge der Großen Schiffgasse, von Herrn Rabb. Salomon Spitzer. .]dn )vvb N3i mib man otpn yb2y Frankfurt a. M., 29. Januar. In der allgemeinen Lehrerversammlung hielt 'am Samstag Abend Herr Rector Goez eine Gedächtnißrede auf den am 31. Dez. v. I. verstorbenen Ehrenpräsidenten, den Oberlehrer Dr. F. A. Finger, in welcher er folgenden Umstandes erwähnte. Finger's Ahne war im Jahre 1695 aus dem Odenwald in Frankfurt eingewandert, wo er zuerst Schneider und später Gastwirth war. Als im Jahre 1711 der große Brand der Judengasse stattsand, beschuldigte man bekanntlich de« berühmten Rabbi Naphtali Cohn, damals Rabbiner zu Frankfurt, er habe durch eine kabalistische Formel den Engel des Hagels heraufbeschwören wollen, um den Brand zu löschen, habe sich aber geirrt und den Engel des Feuers herbeigeführt, wodurch der Brand eine solche Ausdehnung gewonnen habe. Diese falsche Anschuldigung brachte das Leben des großen Rabbi in Gefahr, so daß er fliehen und sich verbergen mußte. Bei dem christlichen Gastwirth Finger fand er Unterkommen und Schutz; dafür segnete der dankbare Rabbi seinen Beschützer und verhieß ihm und seinen Nachkommen Giück und langes Leben. Diese Segnungen find bis heute in Erfüllung gegangen. Auch der verstorbene Oberlehrer Dr. Finger lebte stets in glücklichen Verhältnissen und erreichte ein Alter von 80 Jahren. — Frankfurt a. M., 29. Januar. In einer der jüngsten Nr. Ihres geschätzten Blattes wurde der 11 Gründer der israelitischen Religionsgesellschast dahier namentlich erwähnt. Jrrthümlicher Weise wurde Herr David Schames b"xt dazu gezählt , während es richtiger Herr L. W. Schwabacher heißen muß. Italien. Rom, 30. Januar. (Telegramm.) Der bekannte Philologe, Jesaias Graziadio As coli, Professor der orientalischen Sprachen und Literatur an der königlichen Akademie in Mailand, wurde von König Humbert zum Senator des Königreiches ernannt. Aus edlem Beweggrund. )f£> (5VÖ MijlMnI Eine Erzählung. Von Karl Wiesenthal. (Fortsetzung.) Jetzt stand Nordheim's Vater auf dem Punkte, von welchem er Jenen kürzlich zurückgezogen: er mußte sich das Leben nehmen, wollte er es nicht mit Schande beladen weiter tragen. Er hatte, um den Freund zu retten, ein Verbrechen begangen: das Geld, durch welches er Jenen vom Abgrunde zurückgeführt, gehörte der Staatskasse. Hätte der Verstorbene nur ein paar Monate noch gelebt, so würde es möglich gewesen sein, bei wiedergewonnenem Credit die Summe aufzutreiben und an Nordheim zurückzugeben. Jetzt war Alles verloren. Alle Mittel, welche Nordheim's Vater anwandte, das Geld auf andere Weise heranzuschaffen, blieben ohne Erfolg; er mußte der Verzweiflung anheimfallen; mit jedem Tage stand die Entdeckung seines Vergehens zu erwarten. Es konnte seinen Angehörigen nicht verborgen bleiben, daß eine entsetzliche Sorgenlast den alten Mann niederbeuge. Er schwieg lange, er mochte das Schreckliche allein tragen wollen; endlich aber drang sein Sohn gewaltsam in ihn, und nun entdeckte er diesem seine entsetzliche Lage. „Das ist das Ende eines ehrenhaften Lebens voll Mühen und redlichen Strebens!" sagte er im bittern Schmerz, „jetzt kann ich, das Brandmal der Schande auf der Stirn, das graue Haupt niederlegen zum Sterben, und die Besseren werden ausspeien, wenn der Name Nordheim genannt wird! — Hätte mich selbst Untergang und Verderben an-