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Der Israelit · 1889-01-28 · Heft 8 (28.1.1889) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 8 (28.1.1889)
Date
1889-01-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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140 senkte das Haupt und weinte und entschloß sich nur langsam näher zu treten. Es waren die Gräber im Nordheim'schen Erbbegräbnis — am mittelsten fiel die Dame nieder und schluchzte lange, lange. Der alte Heim war ja solche Ausritte gewöhnt, als er aber bemerkte, daß der Schmerz sich nicht legen wollte, bat er die Dame mit sanften Worten, aufzustehen; sie that es. Heim stellte einige Fragen, sie wurden beantwortet. Die Dame gab danach eingehende Befehle, daß die Gräber gut gepflegt und erhalten werden sollten; Heim versprach dies. Und es war die alte Geschichte, der gute Alte erweckte das Vertrauen eines schwer gebeugten Herzens; es that der jungen Dame unendlich wohl, zu reden von der Härte, den Leiden dieses Lebens. Und so sprachen sie und sprachen und Heim verstand es so gut, daß sich die junge Dame endlich veranlaßt sah, die Geschichte der Gräber zu erzählen. Sie begann, auf einer Bank an der Seite Heim's Platz nehmend, mit wehmüthiger Stimme: Dr. Arthur Nordheim's Vater war Beamter, hatte eben sein leidliches Auskommen, doch kein Vermögen. Ein Freund, mit dem er seit seinen Jünglingsjahren eng verbunden gewesen, der eiust sein Leben eingesetzt, um das des Freundes zu retten, war unverschuldet mit einem Schlage um Hab' und Gut gekommen, er stand mit seiner zahlreichen Familie am Bettelstäbe. Einige Tausend Mark konnten sein Geschick wenden, doch mußte die Hilfe schnell kommen, sollte er nicht verloren sein. Er wandte sich hierhin und dorthin, man beklagte überall sein Unglück, Niemand aber zeigte sich zum Helfen bereit, Jeder scheute sich, dem gar zu unsicher Stehenden die erforderliche Summe anzuvertrauen. Nordheim's Vater hatte er noch nicht angesprochen, er wußte, daß dieser kein Vermögen besaß, wußte auch, daß derselbe, hätte er helfen können, die Aufforderung dazu nicht abgewartet haben würde. Nachdem er Alles vergeblich versucht, kam er zu Nordheim's Vater. Mit der Entschlossenheit der Verzweiflung sagte er-. „Ich kann nicht leben und die Meinigen im Elende sehen; man wird Mitleid mit ihnen haben, wenn ich nicht mehr bin; diejenigen, deren gerechte Forderungen ich ohne meine Schuld nicht befriedigen kann, werden die Verlassenen nicht bedrängen, wenn ich aus dem Wege bin. Darum will ich sterben; nimm Du, mein Nordheim, Dich meines Weibes und meiner Kinder an, und verschaffe ihnen Barmherzigkeit." Es mag nur eine Schwäche von dem Manne gewesen sein, daß er sein Schicksal nicht standhaft zu tragen vermochte; aber die Verzweiflung kann wohl Manches entschuldigen. Nordheim's Vater bot alles auf, ihn von seinem furchtbaren Entschlüsse zürückzubriugen: es war umsonst. „Wohlan!" sagte er endlich, „Du sollst, Du mußt leben: ich schaffe Dir das Geld!" Und am anderen Tage war dem Manne geholfen, er konnte seine Gläubiger beruhigen, wenn auch nicht ganz befriedigen, und er segnete den Freund, der ihn seiner Familie erhalten. Aber auf wen es das Unglück einmal abgesehen hat, der entrinnt ihm nicht. Der kaunr Gerettete sollte sich der Wendung seines Geschickes nicht lange erfreuen. Die schwere Sorge, mit welcher er zu kämpfen gehabt, übermäßige Anstrengung und vielleicht auch der plötzlich eingetretene Wechsel der Dinge zeigten jetzt ihre verderblichen Folgernder arnre Mann legte sich hin und nach wenigen Tagen hatte ein hitziges Nervenfieber ihn hinweggcrafft._(Fortsetzung folgt.) Druckfehlerberichtigung. In dem Aufsatz „Samson Raphael Hirsch in Frankfurt" muß es am Schluß heißen: Dieses demuthsvolle Bekenntniß wurde vor etwa FÄ (nicht 25) Jahren niedergeschrieben. „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen au. — Durch ite.l Buchhandel )U besiehe« bei G. F. Klein Ucker, Lrtpsig, Poßplatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., sür's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt <Ha«ptblatt>: Leitende Artikel: Vorsicht. — Antisemitische Verdrehungen. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Aus der Provinz Posen. — Rumänien: Bukarest. — Türkei. — Süd-Afrika. — Feuilleton: Aus edlem Beweggrund. — Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus Baden. Aus dem Badischen Oberlande. — Bulgarien. — Griechenland. — Feuilleton: Die jüdische Gemeinde in Samarkand. — Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schcn Hosbuchdruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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