Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1889)
- Date
- 1889-01-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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-wv?,:*•- i .;iii|i iiii II |i>i ii um .. i ji II>»^!>s.l>!>>!Aß..WWWW'.WWW ” 136 losigkeit, etwas bedenklich, denn die würden ihm sicher nichts schuldig bleiben und ihrerseits „Vendetta" üben. Daher müssen die Juden den Prügelknaben abgeben und Einer nach den Anderen von ihrem bisherigen Wohnsitz auf seinem Gute, trotzdem sie von ihm nicht abhängig sind und sie Häuserin Eigenthum besitzen , trotz Handelsverpflichtungen und Forderungen vertrieben werden — von Sturdza, dem Privatmann. So geschah es zunächst Herrn Mendel Witzling und der Frau Czarne Inster, welcher er es nicht einmal erlaubte, ihre drei Immobilien zu veräußern. Frau Juster hat sich nach Bukarest begeben und persönlich dem Minister des Innern eine die Sache betreffende Eingabe überreicht. Nach einer anderen Mittheilung heißt es freilich, daß nicht Witzling, sondern blos Frau Juster vertrieben worden sein soll und geschlagen dazu, von dem Neffen des Ihnen ebenfalls schon bekannten ehemaligen Präfekten Take Anastaßiu, Pächters des Gutes, und daß Sturdza, als Frau Juster ihm ein bezügliche Beschwerde überreichte, dieselbe einfach zerriß und ihr die Thüre wies. Dieser eventuelle Verhalt der Sache würde sie nicht besser machen, denn die Frau Czarne hat sicher keinen Stimmzettel gegen den Gutsherrn abgegeben und überdies gehören die Herren zu einander! Wenn man nämlich von dritter Hand geschlagen und vertrieben wird, so ist immer der „Befehl von Oben", die erste Hand, dahinter. So ist es überall in Rumänien „Sitte" und so macht es auch der wohlgeborene underzogene Herr Erziehungs-Minister a. D. Leider heißt es von demselben, der nächst den beschriebenen Eigenschaften auch die hat, Schwager des Auswärtigen Ministers Petru Carp zu sein, daß er zum ständigen Gesandten Rumäniens in Berlin ausersehen sei. Ich weiß nun nicht, was man eher wünschen soll: daß er „im Lande bleibe und sich redlich —" weiter an unschuldigen Personen „räche", oder daß er nach Berlin gehe, um da auf seinen letzten Lorbeeren auszuruhen. Im letzteren Fall aber liegt die Vermuthung nahe, Haß er einerseits an amtlicher Stelle in seinem Sinne wirken würde und andererseits von gewissen Leuten, die in Gesinnung mit ihm — gemein sind, noch etwas abgucken könnte. Welches von diesen beiden Nebeln das kleinere ist, bin ich nicht im Stande zu entscheiden; ich halte sie beide für gleich groß und kann nur wünschen, daß die Herren, die in Rumänien berufen sind, das Volk zu erziehen, selber besser erzogen sein sollen, um nicht für jede Geringfügigkeit unedle Rache zu hegen und sie an Leuten auszulassen, die sie gar nicht verschuldet haben. Türkei. Die jüdische Gemeinde in Adrianopel hat das Ableben ihres Oberrabbiners Rabbi Guiron zu beklagen. Als Mitglied der Districtsrcgierung hat der Verstorbene unzählige Dienste geleistet und war ihm der Medidje-Orden 2. Elaste verliehen. Dem Begräbniß folgten die Notabeln der verschiedenen Confessionen. Süd-Afrika. Am 12. Dezember wurde eine neue Synagoge in Oudtshooru eingeweiht. Die Weihereden wurden von den Nabbinen Harris aus Kimberley und Ornstein aus Capftadt, gehalten; später wurde dem Herrn Carl Boswell Black, der Ehrensecretair und Schatzmeister ist und der sich uni den Bau der Synagoge sehr bemüht hatte, in Anerkennung feiner Verdienste, eine goldene Uhr mit passender Inschrift überreicht. Es muß hervorgehoben werden, daß Herr B. nicht der jüdischen Religion angehört. Feuilleton. Aus edlem Beweggrund. Eine Erzählung. Von Karl Wiesenthal. Es war Frühling auf Erden. Der harte Winter hatte sich doch, wenn auch spät, entschlossen, Platz zu machen für den lieblichen Frühling. Warm schien die Sonne und klar war das weite Himmelszelt; lieblich und mild wehten die Lüste. Das Leben ist doch schön, das fühlt der Mensch wohl nie so gewaltig, wie in den Tagen des wonnigen Frühlings. Tausend Leiden vergessen sich, oderlassen sich leichter ertragen, wenn der Einfluß der goldenen Jahreszeit sich im menschlichen Gemüth Geltung verschafft und wie der Schnee und das Eis schmilzt unter den warmen Sonnenstrahlen, so belebt sichda s Herz des Menschen. Ach, was für eine Lust ist es, an solch' warmen, herrlichen Frühlingstagen hinauszuwandern in die freie Gottesnatur und die edle Schönheit der Schöpfung zu bewundern. O, gibt es ein Menschenherz, das für solche Freuden abgestumpft wäre? Wohl nicht! R.ist ein einsames, freundliches Städtchen. Nicht blos, daß es wirklich der Schooß einer Ge-