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Der Israelit · 1889-01-28 · Heft 8 (28.1.1889) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 8 (28.1.1889)
Date
1889-01-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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137 ab. Der Verein zählt 287 ordentliche und 343 Ehrenmitglieder, der Umsatz beträgt 11130 Mark, der Vermögensbestand 29200 Mark. Die dem Verein zugehörige Wittwenkasse hat 417 Mitglieder, einen Umsatz von 8066 Mark und ein Vermögen von 59400 Mark. Der frühere Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt, Vorsitzender ist Herr Hermann Landsberger. — Der Humanitätsverein „Gem ul tow" hielt am Donnerstag, den 24. in Cassels Hotel seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Herr Gustav Michaelis durfte von einer glänzenden Lage des Vereins sprechen. Einnahmen und Ausgaben betrugen rund 5400 Mark, das Vereinsvermögen 11400 Mark. Der Verein gewährt seinen Mitgliedern freien Arzt, freie Medizin, 9 Mark wöchentlich, Unterstützung zur Badereise und eine Beihilfe au die Wittwe. Die Mitgliederzahl beträgt 350. — Nach Berichten hiesiger Blätter sei durch einen gemeinsamen Erlaß des preußischen Kultusministers und des M i n i st e r s des Innern den Negierungen die allgemeine Durchführung neuer, auf die Beseitigung der „Thierquälerei" bei der „jüdischen Methode des Viehschlachtens" gerichteten Bestimmungen als wünschenswerth bezeichnet worden. Wir sind bis zur Stunde noch nicht in den Besitz der betr. Nummer des „Reichsanzeigers" gelangt, doch dürfen wir schon heut bemerken, daß es sich offenbar nur um einige Bestimmungen über die Vorbereitungen zum Schlachten handelt, Bestimmungen, die in Berlin schon längst in Wirksamkeit getreten sind. Bl. Aus der Provinz Posen. Am 8. August vorigen Jahres stießen schon aus der Schule entlassene und noch die Schule besuchenden Knaben in Buck mittels Stangen die Verzierungen von der Eingangshalle des daselbst befindlichen israelitischen Friedhofes ab. Damit noch nicht zufrieden, stieg ein aus der Schule entlassener Bube über die hohe Friedhofsmauer und versuchte mit einer Stange Denkmäler umznftürzen. Ein Denkstein senkte sich hierbei zur Seite. In dieser Woche nun wurde der Rädelsführer der Buben bezw. dessen Bater von dem Amtsgerichte in Grätz zu 6 Wochen Gefängniß eventuell zu 150 Mark Strafe und in die Kosten verurtheilt. R u m ä n i e n. vr. 6. Bukarest, 15. Januar. Als einen Beitrag zu der Art, wie hierzulande „hohe" innere „Politik" getrieben — tatsächlich getrieben — wird und wie man sich „rächt", wenn sie mißlungen ist, erfahre ich eine Unmenschlichkeit — auf Rechnung von Israeliten. Wie alle ehemaligen Regierer und ihre Kreaturen ist auch der frühere Unterrichtsminister Dimitrie Sturdza bei den letzten Kammernwahlen überall durchgefallen, obwohl er zur Vorsicht in einer großen Anzahl Wahlkollegien seine Kandidatur aufgestellt hat. Ueber die Gesinnungen dieses Herrn für, richtiger gegen uns, wird man sich sehr bald klar werden, wenn man sich meine zeitigen Mittheilungen in's Gedächtniß zurückruft. Denn er war es, welcher nach den Brutalitäten im Dorohojer Bezirk 1885 einige der ärmsten Kaftanisraeliten von der Polizei abfangen und photographiren ließ, um deren Bilder an Lord Salisbury zu schicken, als Gegengewicht gegen die berühmte Interpellation Worms und womit er dem englischen Premier zeigen wollte „für wen" er eintritt. Dies war blos eine Dummenjungen-Handlungsweise, die den Anschein hat, als ob sic besagen wollte, daß alle rumänischen Israeliten so aussähen und als ob Kaftanträger nicht auch Menschen wären. Desto grausamer aber verfuhr er im Lande selbst mit seinen von mir 1887 berichteten Unterrichtscircularen sowie mit der in Gesetzesform vorgeschlagenen Einführung von Schulgeld blos für Kinder von „Fremden", womit er jeglichen Unterricht der Israeliten — auch den durch Privatlehrer — verhindern und eben „Kaftan"-Juden, als Sinnbild niedrigster Kulturstufe, und sich der Unterlage für seine Photographien von zwei Jahren vorher schaffen wollte. Von seinem dämonischen Einfluß auf seinen Protektor Bratianu, dessen Günstling er war und von seiner Einwirkung auf die anderen Ministerien, namentlich durch öftere interimistische Leitung derselben, sowie seiner vielfachen Entsendung in's Ausland, besonders Deutschland, wobei für uns nur Schlechtes resultirte, will ich gar nichts mehr gedenken. Dieser Herr Sturdza nun ist überall bei den Wahlen durchgesallen und das müssen — die Juden büßen. Die „Epoca" wenigstens berichtet es, daß „weil er sich gegen die Wähler „rächen" wollte, habe er mit denjenigen seines Landgutes Gaiceana im Bezirk Tekutschi angefangen." Daselbst seien zufällig fünf naturalisirte Israeliten (ehemalige Soldaten vom Kriege 1877/78) wohnhaft, welche bei den Senatswahlen gegen ihn gestimmt haben sollen, was er eigentlich gar nicht wissen kann, da doch die Wahlen angeblich geheime seien und die Stimmzettel in Rumänien in geschlossenen Couverts abgegeben werden. Aber Herr Sturdza spürt das dringende Bedürfniß sich zu „rächen" und politisch abznkühlen und, an christliche Wähler sich heranzuwagen, ist es, namentlich bei seiner jetzigen Macht-

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