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Der Israelit · 1889-01-28 · Heft 8 (28.1.1889) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 8 (28.1.1889)
Date
1889-01-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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136 da sie Herrn Böckel aber rundweg desavouirt und von ihren Nockschößen abschüttelt, so freuen wir uns innig über dieses wcrthvolle Bekenntniß, daß Herr Böckel und die „Staatsbürgerzeitung" miteinander nichts gemein haben; nur wissen wir nicht, wen wir mehr beneiden sollen, Herrn Böckel oder die „Staatsbürgerzeitung". Daß die Redaktion herzlich gelacht hat, freut uns nicht minder, wir sehen andere Leute so gern fröhlich und heiter; nur schade, daß wir den Heiterkeitsausbrüchen der Redaktion nicht beiwohnen konnten. Schließlich schreibt das Blatt, also: „Wenn man eine Verleumdung in die Welt schleudert, warum sollte man dann nicht die zweite gleich folgen lassen? Auf derselben Höhe steht auch die Frage des jüdischen Blattes: „Heißt das „germanische" Eigenschaft, wenn man sich wegen Beleidigung, um nicht zu sagen Verleumdung seines Nebcnmenscheu von germanischen Richtern mit bedeutenden Summen abstrafeu lassen muß, wie die Redaction der „Staatsbürger-Zeitung"?" Wir können darauf antworten: „Ja, das war germanisch; denn dazu gehörte Muth'" Das vielcdle jüdische Blatt spielt nämlich auf den Prozeß Singer an und — schlägt damit seine Behauptung, daß der Antisemitismus ein Religionskampf sei, aufs Vügeuhaupt. Das Blatt trägt nämlich au seiner Stirn auch noch die Bezeichnung: „Centralorgan für das orthodoxe Judenthum." Ob Singer wohl ein „orthodoxer Jude" ist? Wir wissen es nicht; das aber wissen wir, daß wir Herrn Singer nie bekämpft haben, weil er orthodoxer Jude sein könnte, und nie aus solchem Grunde bekämpft haben wurden!" Wir danken dem Blatte, daß es eine unserer Fragen so prompt beantwortet; die germanische Tugend des „M n t h c s" kann ja das Blatt öfters beweisen; nur frisch beleidigen, die Sache kostet Geld, aber man ist „muthig". Dagegen vermissen wir eine Antwort auf die beiden anderen Fragen, ob die Gewaltthätigkeit S ch ö n ere rs und der jüngste Bökel Prozeß auch spezifisch „germanisch" seien. Warum wird denn übrigens die berühmte H a u sh ä l t e r i n von der „Staatsbürgerztg." so t o d tgeschwiegen? Wir halten nämlich die ganze Sache vorläufig noch für unwahr und bitten dringend das Blatt durch ein offizielles Dementi unseren Bedenken und den schamlosen Verleumdungen der Judenpresse ein Ende zu machen. Ob Singer wohl ein „orthodoxer Jude" ist? Die semitischen Mitarbeiter der „Staatsbürgerztg." werden die Frage eingehend beantworten können und wahrheitsgemäß bestätigen, daß das jüdische Religionsgcsetz die Sozialdemokratie rundweg als staatsgefährlich verdammt, daß der „orthodoxe" Jude die Theilnahme an den sozialistischen Bestrebungen als Verbrechen ansieht, daß also der Atheist Singer kein „orthodoxer" Jude sein kann. Wir hatten von dem „Nebenmenscheu", nicht von dem „Juden" Singer gesprochen. Also wieder eine Verdrehung I Doch genug hiermit! Wir haben unfern Lesern nur wieder einmal vor Augen führen wollen, wie und mit welchen Waffen das Jndenthum bekämpft wird. Die vergifteten Waffen des Antisemitismus sind: Verdrehung, Unwahrheit, Verleundung. Ob ein Kampf gegen einen solchen Gegner zu führen sich verlohnt, das mögen alle gesitteten und anständigen Menschen entscheiden. Bl. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 25. Januar. Ein Telegramm des B. T. meldet aus Petersburg, daß in den baltischen Provinzen das Gesetz gegen ausländische Juden, welche bisher dort als ausländische Kaufleute lebten, durchgeführt werden solle. Es verlautet, Allen, welche nicht bis zum 1. Mai 1888 in vorschriftsmäßiger Weise die Erlaubniß nachgesucht haben, innerhalb der russischen Grenzen Handel zu treiben, sei befohlen, ihre Geschäfte aufzugeben und ins Ausland zu gehen. — Verschiedene hiesige Blätter melden übereinstimmend von einer brutalen antisemitischen Scene, welche sich in der Nacht zum 21. d. M. in und vor dem Cafe Jofty am Potsdamer Platz zutrug. Einige „schneidige" Herren belästigten jeden eintretenden Gast mit jüdischem Typus mit den unfläthigsten Ausdrücken über das „Judenpack" u. s. w. Zwei andere Herren Dr. K. nnd S. erbaten vom Wirth und Geschäftsführer vergebens Schutz gegen die Insulten; sie verließen daher das Lokal nnd warteten vor dem Cafe, um die Personalien der „Germanen" feststellen zu lassen. Bald folgten auch diese, versuchten eine Rempelei, schlugen dem Dr. K. den Hut vom Kopf, und der eine schlug ihm, als er sich zur Wehr setzte, mit einem dicken Stock einen so gewaltigen Hieb über den entblößten Kopf, daß das Blut sofort über das Gesicht lief. Auf der Polizeiwache entpuppten sich die drei „schneidigen" Herren als P r e m i e rl i en tc n a n t Hans Kluge im 64. Infanterie-Regiment und als die Studenten Aßig und Döring. Der Strafantrag wegen Körperverletzung und die Privatklage ist bereits gestellt. Das war „g evmani s ch", denn dazu gehörte „Muth". — Die sei 1846 bestehende „Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler zur Unterstützung in Krankheitsfällen" hielt am Montag den 21. ihre ordentliche Gen er al versa mm lung

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