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Der Israelit · 1889-01-28 · Heft 8 (28.1.1889) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 8 (28.1.1889)
Date
1889-01-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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135 niemals, das Schimpfen überlassen wir den Antisemiten. Jetzt beginnen die Verdrehungen. Wir haben absolut genau dasselbe wie Samson Raphael Hirsch behauptet, das; wir stets unseres Glaubens eingedenk sein muffen und daß wir als Glaubensbekenntnis; nie in andere Völker aufgehen werden , und das Antisemitenblatt preist Hirsch und wirft uns in demselben Athemzuge „Lüge und Verleumdung" vor. Das ist ja eben die große Lüge der Hetzpropaganda, eine Lüge, die um so nichtswürdiger ist, als sie trotz aller Widerlegungen stets und immer wiederholt wird: daß der Antisemitismus nicht auf religiösem Fundamente aufgebaut sei. Würde etwa Herr Stöcker oder die „Staatsbürgerztg." ein Wort gegen getaufte Juden schreiben? Bringt das Antisemitenorgan nicht ausführliche Berichte über die Reden des getauften Juden Nathan Schlesinger, brachte es nicht gestern erst einen rühmenden Bericht über die Thätigkeit des getauften sJuden Nea nder, hat es nicht allen schmählichen Angriffen Rohlings und Genossen gegen den Talmud Raum gegeben? Nur ein alberner Tropf mag es glauben, daß der Antisemitismus nicht dem Juden als solchem gilt, und nur ein beschränkter Kopf, soweit er überhaupt noch seinem Glauben nahesteht, kann ein Aufgehen in andere Völker wünschen. Wenn wir das wollten, hätten wir ein ungleich schöneres Spiel. Der herrlichste Erdenlohn winkte unseren Vätern aus der Taufe: warum ließen sie sich denn braten, spießen, morden? Warum nahmen sie ein Martyrium ohne Beispiel auf, warum füllten sie große Blätter ihrer Geschichte mit Blut und Thränen? Das edle Organ zieht es wohlweise vor, unfern Satz von der religionsgesetzlich gebotenen Treue gegen das Vaterland und den Landesfürsten, von der unterschiedslosen Liebe gegen jeden Nebenmenschen u. s. w. seinen Lesern zu unterschlagen. Das Citat Böru e's wird todtgeschwiegen, weil darin unser Dentschthum und Judenthum verherrlicht wird: das ist antisemitische Verdrehung! Daß aber auch der böse Karl Schurz unsere Ansicht theilen muß! Das hätte er doch schon der „Staatsbürgerzeitung" zu Liebe unterlassen können, zumal er doch daran hätte denken sollen, daß das Judenblatt — das sind im Antisemitenjargon wir — auf ihn bezugnehmen würde. Weiter! „Wie es dies thut, ist auch charakteristisch! Es nennt Karl Schurz den „Freund" Bismarck's, bezieht sich darauf, daß derselbe, nämlich Karl Schurz, geäußert habe, der Antisemitismus entspringe der Feigheit und schließt dann °. „Karl Schurz, der Freund Bismarck's, muss es ja wissen." Ach, du heilige „Staatsbürgerin!" Viele Deiner Zunftkolleginnen haben sich im Verdrehen als wacker erwiesen. Du aber übertriffst sie alle! Das Antisemitenblatt stellt unsere Aeußerungen so dar, als ob Schurz sein Urtheil über die feige Bewegung an dem „Antisemiten" Fürsten Bismarck sich gebildet, während w i r doch natürlich nur sagen wollten, daß Schurz, der mit Fürst Bismarck stundenlange Unterredungen hatte, sein Urtheil über die Hetzbewegung nach dem verdammenden Urtheile des Reichskanzlers festgestellt, und dieser müsse doch die Bewegung kennen. Die Leutchen wissen, daß Fürst Bi smart jetzt der erklärte Feind des Antisemitismus und zumal der „Kreuzeituugspartei" ist, und daher die Thränen! „Nun, wir wären zufrieden, wenn ein noch größerer Theil der deutschen Nation, als bisher, den Muth der „Feigh eit" fände, die Bestrebungen des Aittisemitismns offen zu unterstützen! Wir wären zufrieden, wenn Herr Karl Schurz wirklich wüßte, welch' ein Grad von „Feigheit" dazu g ehört, um offen und ehrlich gegen die gemeinschädlichen Einflüsse des Judenthums anzukämpfen. Wir hätten ihm Beispiele dafür vor Augen führen können, welche Opfer der Antisemitismus von seinen Anhängern fordert, und mit welcher Freudigkeit diese Opfer gleichwohl gebracht worden sind und heute noch gebracht werden. Gerade Herr Karl Schurz wäre ja geeignet gewesen, diese Art der „Feigheit" zu verstehen! Es thut uns aufrichtig leid, daß Herr- Karl Schurz die Gelegenheit nicht gehabt hat, der antisemitischen Bewegung Auge in Auge gegenüberzustehen; wir zweifeln denn doch, daß derselbe — so weit wir ihn kennen — dann noch den Muth gehabt haben würde, den Antisemitismus der Feigheit zu zeihen!" Wir wollen mit unserer geschätzten Collegin von der Antisemitenzunft nicht über die Begriffe „Muth" und „Feigheit" rechten. Es kann sogar Menschenkinder geben, welche es „Muth" nennen, wenn man Jemanden ehrenrührig beleidigt und dann auf die Ankündigung der Anklage hin — wir denken hier natürlich nicht an den Fall Franzos contra „Staatsbürgerzeitung" — nie beleidigt haben zu wollen erklärt; andere fromme Seelen wieder neunen es „Muth", wenn man einem Comilitonen die Kugel durch die Brust jagt. Man sieht, die Gelehrten sind uneinig. „Doch nach dieser Abschweifung noch mit einem kurzen Worte zurück zu der Zeitschrift „Israelit und Jeschurun" mit ihren Behauptungen. Sie nennt uns, die „Staatsbürger- Ztg.", „das Leibblatt des Herrn Böckel" und das „Böckel'sche Organ", nennt Herrn Böckel den „Schutzpatron der„Staatsbürger-Ztg." und behauptet in demselben Athem, wie schon oben hervorgehoben, der Antisemitismus entspringe religiösen Gründen! Gewiß wird Herr Böckel über diesen Blödsinn genau so herzlich gelacht haben, wie wir, — falls er ihn gelesen hat. Aber auch das ist bezeichnend für jüdische Kampsesweise. Uns ein „Böckel'sches Organ" zu nennen, steht genau ans derselben Stufe, wie die Behauptung, wir bekämpften die Juden ihrer Religion wegen!" Daun müßte es eigentlich wahr sein, daß die „Staatsbürgerzeitung" das Leibblatt Böckels ist,

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