Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1889)
- Date
- 1889-01-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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iryi'-'HiiirTjTTn'prujnppy^jlUfi^ii Mjl] 11 IIr'i 134 bestimmten Zwecke verwendet werden sollen. Die gemischten Schulen in Galizien und Oesterreich reussiren; sie würden auch iu Rußland Erfolg haben, wenn die dortige Regierung nicht Furcht vor einem politischen Hintergedanken meinerseits hätte." — „Sie glauben also, daß die Assimilirung eine Besserung der Situation in dieser Beziehung herbeiführen würde?" — „Gewiß", entgegnete der Baron, „Sie brauchen blos um sich zu schauen, um zu erkennen, daß das die Tendenz der Zeit ist. Die jüngeren Mitglieder der Familien Rothschild, Heine, Eammondo und vieler Anderer haben sich assimilirt, das heißt, sie haben Gramont's, Richelieu's, Roseberry's re. geheirathet; in anderen Gesellschaftsschichten herrscht dasselbe Gesetz vor. Auf den Pariser Mairien finden jede Woche Heirathen zwischen Ehristen und Inden statt. Die Jsoliruug der Juden muß ein Ende nehmen; das ist die Ströinuug unserer Zeit und das wild auch der Civilisation zur Förderung gereichen." Wir bitten unsere Freunde, welche mit dem Herrn Baron von Hirsch näher bekannt sind, demselben von dem Vorstehenden Nachricht zukommen zu lassen, damit er diese ihm vielleicht nur unter* geschobenen Absichten demcntire; andernfalls, ihn zu belehren, daß er jene großen Summen nicht — wegwerfe; denn Niemande m wird es gelingen, die Vernichtung der jüdischen Nation — sei es durch Feuer und Schwert oder durch Assimilirung — herbeizusnhren. Gott wird uns schützen vor unseren Feinden ebensowohl wie vor unseren angeblichen Freunden. — Antisemitische Derdrehungen. Berlin, 23. Januar. Die heutige Mittwochnummer der racenantisemitischen „S t a at s b ü r g e r z e i t u n g" bringt gegen unsere jüngsten Auslassungen einen Leitartikel, welcher mit den Worten beginnt: „Ohne Verleumdung und Lüge geht's nun einmal bei der Judenpresse nicht ab, sobald jemand es wagt, auf die Schädlichkeit und Gefährlichkeit des jüdischen Einflusses ans den deutschen Charakter hinznweisen. Das haben wir schon so häufig erfahren müssen, daß wir es für selbstverständlich halten" und der mit den Worten schließt: „Doch genug hiermit! Wir haben unfern Lesern nur wieder einmal vor Augen führen wollen, wie und mit welchen Waffen das Judenthnm kämpft. Seine vergifteten Waffen lassen sich mit wenigen Worten aufzählen; es sind, Anmaßungen, gesteigert bis zur Frechheit, Lüge und Verleumdung! Ob ein Kampf gegen solche Gegner mit „Feigheit" geführt werden kann, darüber mag das deutsche Volk zu Gericht s i tzen!" Die letzten „germanischen" Kraftausdrücke würden uns hinreichend Veranlassung bieten, die hochwohllöbliche Redaktion der „Staatsbürgcrzeitung" dem Staatsanwalt zu übergeben; wir unterlassen es, weil wir das durch bedeutende Prozeßkosten ohnedies schon stark entleerte Portemonnai jener Herren nicht noch mehr schwächen wollen und weil der Gedanke, der Schreiber obiger Zeilen könnte gar hinter Schloß und Riegel seine Injurien bedauern und so auf einige Zeit seiner den Antisemitismus lächerlich machenden Wirksamkeit entzogen werden, uns beunruhigt. Wir verzeihen daher edelmüthig, wie das jüd. Gesetz es gebietet, dem Antisemitenblatte seinen Stil, zumal das Vergnügen, welches der Aussatz uns gewährt hat, jedes Rachegefühl unbedingt verscheucht. Getheilte Freude ist doppelte Freude, also man höre und staune über die Verdrehungen, deren die publicistische Vertretung des Antisemitismus fähig ist. Die „Staatsbürgerzeitung" schreibt: „Unser neulicher Leitartikel, welcher die Ueberschrist trug: „Aufrichtigkeit eines Rabbinen", und worin wir unter voller Anerkennung des seltenen Muthes des verstorbenen mährischen Rabbiners Samson Rafael H i r s ch, mit welchem er ausgesprochen, dass der Jude stets In de bl ei be n müs se, Vorschläge machten, NM unter diesen Umständen das Nebeneiuanderleben der Juden mit den Völkern, deren Gastfreundschaft sie genießen, zu ermöglichen, hat den Zorn Israels erweckt und den Hass, mit dem uns das unverfälschte Judenthum beehrt, zu neuem Auflodern gebracht. Unter Schimpfen und Schmähen widmet uns die „Zeitschrift zur Förderung jüdischen Geistes und jüdischen Lebens in Haus, Gemeinde und Schule" („Israelit und Jeschuruu") einen Artikel, aus dem uns vor allem eine Stelle interessirt, welche lautet: „Im übrigen stimmen wir ja mit unserer geschätzten Eollegin von der Antisemitenzunft durchaus überein: wir denken ja garnicht daran, in anderen Völkern aufzugeheu, das wäre ja Selbstmord, Feigheit, Berrath! Israel gleicht dem Oel, welches als Glaubensbekenntnis bis zu den Tagen einer schönen Zukunft gesondert bleiben muß und wird." — Dieses Bekenntnis genügt uns vollkommen, natürlich nur insoweit, als nicht etwa die Sache auf religiöses Gebiet hinansgespielt wird, und das ist allerdings wieder Zweck dieses ganzen Artikels, wie aus den Worten hervorgeht: „ . . . wohl aber darf es wurlderuehrueu, daß das Autisemitenblatt so wenig die deutsche Verfassung vom 31. Januar 1850 und den iu ihr enthaltenen Satz kennt, daß das Staatsbürgerrccht der Juden vom Glaubensbekenntnis vollständig unabhängig sei." Das ist ja eben die große Lüge, die um so nichtswürdiger ist, als sie trotz aller Widerlegungen stets und immer wiederholt wird: dass der Antisemitismus auf religiösem Fundamente aufgebaut sei. Das ist, wir wiederholen es, eine L ü g e, welche von der Judenpresse nur immer wieder, trotz besseren Wissens, iu die Welt geschleudert wird, weil dieselbe sieht, daß sie damit noch immer aufkommt, selbst bei Leuten, denen inan im übrigen ein besseres und klares Urtheil zuzntraueu gewohnt ist. Das hat sich ja auch kürzlich erst wieder iu der Rede wiedergespiegelt, welche Karl Schurz zur Eröffnung des Montefiore-Home gehalten und deren wir seinerzeit Erwähnung gethan. Und natürlich verfehlt das oben citirte Judeublatt auch nicht, auf diesen bezugzuuchmen." Wir hätten geschimpft und geschmäht? Das ist einfach unwahr. Ein anständiger Mensch schimpft