Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1889)
- Date
- 1889-01-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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■ iia ■ 'y -.T* - T- Sv. *- (-3br. Buchhar^jjj-.,. XXX. Jahrgang. J\o Israelit«* Jeschurun. 3citrd)rift zur Mrms W. ©Elftes unö W. Gebens In Auus. (Smeinöt nitö Klhulr. Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Herausgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. '• Montag, den 28. Ianuar 5649 (1889). Leitende Artikel Vorsicht! Mainz, 25. Januar. In der ganzen Welt wird Herr Baron Moritz von Hirsch ob seiner beispiellosen Wohlthätigkeit gepriesen. Auch wir haben nicht verfehlt, dieselbe stets geziemend anzuerkennen und zu rüh- —umr. ^Jm Nachstchsnderr jedoch werden die Zwecke enthüllt, welche Herr von H. mit seiner großartigen Stiftung für Rußland verfolgen soll. Wenn diese Mittheilungen auf Wahrheit beruhen, so wäre die Wohlthätigkeit des Herrn von H. eine der grüßten Gesahren für das Judenthum, und es wäre von der größten Wichtigkeit — namentlich für unsere Glaubensgenossen in Rußland — derselben gegenüber Stellung zu nehmen. Als einst die Griechen, von den Trojanern Danaer genannt, Troja nicht erobern konnten, machten sie den Belagerten ein riesenhaftes, hölzernes Pferd zum Geschenk. Die Trojaner freuten sich des Geschenkes und brachten es in ihre Stadt. In der Nacht entstieg eine Anzahl gewaffneter Krieger dem Bauche des geschenkten Riesenrosses, steckte die Stadt in Brand und öffnete den Feinden derselben die Thore. Durch das Geschenk der Danaer ward Troja der Vernichtung anheimgegeben. Mögen unsre geehrten Leser das Nachfolgende lesen und selbst urtheilen. Die heute hier eingetroffene Nummer der „Jndöpendance Belge" bringt einen ihr vom „Newyork Herold" zur Verfügung gestellten Bericht über ein Interview, welches der Pariser Correspondent des letzterwähnten Blattes mit dem als Wohlthäter bekannten Baron Hirsch hatte. Wir reproduziren aus diesem Artikel die nachfolgenden Stellen, indem wir die Verantwortung für die Genauigkeit derselben den betreffenden Blättern überlassen. Der Pariser Correspondent schreibt: „Ich fand den Baron Hirsch in der Bibliothek des prachtvollen Palais, das er nächst dem Elysöe-Palaste bewohnt. Baron Hirsch ist ein Mann von frischer Gesichtsfarbe, mittlerem Wüchse, wie ein Athlet gebaut und von beiläufig fünfzig Jahren. Aus seinen grauen, hellen Augen spricht Intelligenz. Er hat eine Adlernase. Die Form seines Kinns deutet auf Entschlossenheit hin; sein schöner, militärischer Schnurrbart ist bereits im Ergrauen begriffen. Man würde aus seiner scheinnng eher auf einen Kavallerie-Offizier, als aus einön Bankier schließen. — „Wollten Sie mir nicht sagen, Herr Baron", fragte ich ihn, „welche Zwecke Sie bei dem großartigen Wohlthätigkeitsakte im Auge hatten, den Sie für Rußland machten?" — „Meine Idee war folgende", entgegnete der Baron, „ich bin ein entschiedener Feind des Fanatismus, der Bigotterie und der Exklusivität. Die Fonds, welche ich Rußland zur Verfügung gestellt habe, sollen nicht blos zur Erziehung jüdischer, sondern auch christlicher Kinder verwendet werden. In Rußland gibt es viereinhalb Millionen jüdischer Kinder,*) die sich in furchtbarer Verwahrlosung befinden. Um sie her erhebt sich eine chinesische Mauer, die sie von den übrigen Menschen trennt. Meine Idee war, den Eckstein dieser Mauer zu zerstören, indem ich in Rußland Schulen errichte, in welchen Juden und Ehristen aus dem Fuße vollständiger Gleichheit behandelt werden." - „Und erleichtert die russische Regierung die Gründung dieser Schulen?" — „Unglücklicher Weise scheint die Regierung zu glauben, daß mein Plan irgend einen politischen Hintergrund berge. Zufälliger Weise besitze ich einen größeren Theil von „irdischen Gütern", als zur Befriedigung meiner Bedürfnisse erforderlich ist, und so dachte ich darüber nach, wie ich auf die beste Art einen Akt reiner Philanthropie ausüben könne. Ich blickte um mich und ich erkannte, daß die Lage der Juden in Rußland eine unsäglich unglückliche sei, und so habe ich denn gestrebt, ihnen Gelegenheit zu bieten, Seite an Seite mit der Bevölkerung des Landes zu arbeiten, das sie bewohnen, und sich mit derselben zu assimiliren. Alles, was ich von der russischen Regierung wünsche, ist blos die Garantie, daß die Fonds zu keinem anderen als dem von mir *) Welch eine Uebertreibung! So viele jüdische, schulpflichtige Kinder gibt es überhaupt nicht. Red.