Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1889)
- Date
- 1889-01-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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r'w^rr^-^'C:^''^^- ^-y >-., - - XXX. Jahrgang. Erste Skilage zu ^«7 des„IsraM^L„IeschurM". Leitender Artikel. Sams. Mapt). Kirsch in Arankfurt- Von I)r. Adolf Blumenthal. Berlin, 20. Januar. Die mit Wissenschaft gepaarte Glaubenstreu von Samson Raphael Hirsch schien seinen Zeitgenossen etwas ganz Absonderliches, Unerhörtes; man verstand ihn nicht oder wollte ihn nicht verstehen und griff ihn an. Hirsch nahm den Fehdehandschuh auf und kämpfte mit einer Schärfe, wie sie nicht erlebt worden, mit einer Begeisterung, wie sie allein einer reinen Seele entfließen konnte. Man glaubte die Gesetzestreuen mit der Bemerkung abthun zu können, daß keiner von ihnen ein Wort Deutsch verstände. Nun, Hirsch hat deutsch mit ihnen geredet, für Glauben und Menschenthum hat er zugleich gerungen: durch Kampf und Schlacht zum Sieg! Es wäre thöricht, in wenigen Spalten auch nur eine dürre Skizze von der so ungemein fruchtbaren, fast vierzigjährigen Thätigkeit des Verblichenen in Frankfurt a. M. geben zu wollen. Nachdem er, dem Rufe jener berühmten Elf folgend, in Frankfurt eingezogen war und als Synagoge das Zimmer eines Hinterhauses bezogen hatte, wies er das Verlangen, ein Gotteshaus zu errichten, zurück unb bemühte sich zunächst um den Bau einer Schule für den Jugendunterricht, eingedenk des Wortes, daß auf dem Hauche der Kinder die Welt ruhe. Sollen wir hier künden, was alles er gewollt und erreicht! Er hat die Realschule (1855) begründet, er hat ein Gotteshaus gebaut, sein hinreißendes Wort hat ihm Freunde in Schaaren zugeführt, seine Vorträge für Frauen und Mädchen haben jubelnden Beifall geweckt, sein unermüdliches Wirken hat die „Israelitische Religionsgesellschaft« geschaffen, und die begeisterte Mitarbeiterschaft, die er in seinen Getreuen gefunden, hat das wunderbare Werk gekrönt. Samson Raphael Hirsch hat bewiesen, daß der Orthodoxe auch auf der Höhe der Zeit stehen könne, er hat es in der Erziehung seiner eigenen Kinder dargethan, daß man Juristerei und Medicin, Philologie und Belletristik treiben könne und dabei trotzdem ein treuer Bekenner seines Glaubens sein dürfe und dabei trotzdem sein Heiligstes nicht verrathen müsse. Gleichzeitig aber erkannte er, daß sein Beruf nicht allein Frankfurt, sondern weiteren Kreisen gelten sollte, und er begründete im Oktober 1854 eine „Monatsschrift zur Förderung jüdischen Geistes und jüdischen Lebens in Haus, Gemeinde und Schule", den „I e s ch u r u n". Der Inhalt dieser Zeitschrift gehört zu dem Gediegensten, was die moderne Homiletische, pädagogische und polemische Literatur aufzuweisen hat. Die meisten Aufsätze schrieb Hirsch selbst, einige größere und kleinere Artikel auch seine Söhne und sein Schwiegersohn vr. Guggenheimerin Kollin. Aus den „Monatsbetrachtungen" des „Jeschurun" schöpften und schöpfen Lehrer und Rabbiner Stoff und Begeisterung. In dieser Blüthezett seines geistigen Schaffens vollendete er die Uebersetzung und Erläuterung des Pentateuchs (1867 Genesis, 1869 Exodus, 1873 Leviticus, 1876 Numeri, 1878 Deuteronomium). Mag man im Einzelnen zu dem Versuch, „die Bedeutung der Worte aus den in dem überlieferten Schriftthum vorliegenden Sprachschätze zu ergründen", mag man zu dem theilweise schon im Talmud begründeten Versuch einer symbolisirenden Deutung sich stellen wie man wolle: Als Ganzes betrachtet ist die Pentareucherklärung eines der hervorragendsten exegetischen Werke der neueren Zeit, ein Quell der Weisheit, eine Fundgrube geistvoller Gedanken. Auf gleicher Stufe steht Hirschs „Uebersetzung und Erläuterung der Psalmen" (1882), in der sich allerdings die philosophische Anschauung des Verf. mehr entfallet. Aber nicht nur seiner Gemeinde, mit der er sich, als „Einer unter Gleichen" vollständig identifizirte, nicht nur der jüdischen Wissenschaft weihte er seine Kraft, auch für die von ihm als nützlich erkannten Interessen seiner weiteren Glaubensgemeinschaft war er thätig; nach dieser Richtung sind zu verzeichnen die Brochüre „Das Princip der Gewissensfreiheit" (1874), die Schrift „der Austritt der Gemeinde", sein Briefwechsel mit dem Abgeordneten Laster und seine Audienz beim Justizminister Friedberg. 1878 feierte er sein siebzigstes Wiegenfest, sein rastloser Geist arbeitete weiter; 1884 erschien die treffliche Schrift „Ueber die Beziehung des Talmuds zum Judenthum", in den nächsten Jahren brachte der wiedererftandene „Jeschurun" seine Uebersetzung und Erklärung von Mischle und den „Sprüchen der Väter", im September 1886 begründete er die „Freie Vereinigung für die Jntereffen des gesetzestreuen Judenthums", welche anfangs