Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1889)
- Date
- 1889-01-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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118 danken, daß die heilige Stadt Jerusalem noch heute eine dhdidi D’ODn rw?o tj? ist, ro y*?’ pia -wn Ty eine Stadt, in welcher das unverfälschte und unverkürzte Judenthum auf festen Säulen ruht. Sorgen wir dafür, daß das Altbewährte erhalten bleibe und nicht Zusammenstürze. „Aus den Ruinen" pflegen Unkraut und Giftpflanzen emporzuwucheru. .npnan 7!'2LN m<Dn ivs Berlin, 19. Januar. Dem kaiserl. Legationsrath Herrn Dr. Wilhelm Cahn (geb. Mainzer) ist vom König von Preußen der rothe Adlerorden 4. Klasse verliehen worden. Legationsrath Dr. Cahn hat vor Kurzem einen Kommentar über das Reichsgesetz vom 1. Juni 1870, betreffend „die Erwerbung und der Verlust der Reichs- und Staatsangehörigkeit" veröffentlicht. Brandenburg a. H., 17. Januar. Am letzten Sabbat hielt unser neuer Rabbiner Herr Dr. I. Rosenberg, Schüler des Herrn Rabbiners Dr. Hildesheimer, seine Antrittsrede. Anknüpsend an die Worte des Deboraliedes (Richter, Cap. 5, V. 3): Höret ihr Könige, vernehmet es Fürsten, ich will dem Ewigen lobsingen, preisen den Gott Israels", betonte der Redner die Erhabenheit des Momentes, da ein junger Mann zum ersten Male als Lehrer in Israel vor eine Gemeinde hintrete, doch der Wahlspruch, welcher einst das Weib entzündet und stark gemacht, „zu singen dem Gotte Israels", soll auch das Motto seiner Zukunft sein. Auf Jesaia Cap. 21, Vers. 8 übergehend, erörterte nunmehr der Redner die Pflichten eines Rabbiners den Großen und der Jugend gegenüber, und gelobte, zumal der Schule seine Kraft zu weihen. Die von zahlreichen, sinnigen Midraschdeutungen durchwobene Rede, welche ebenso gedankenreich wie formvollendet war, übte einen tiefen, nachhaltigen Eindruck aus die Zuhörer und stärkte die Sympathien, welche unser Rabbiner durch sein herzgewinnendes Auftreten sich schon bei seinem Erscheinen im Fluge erobert hatte. Herr Dr. Rosenberg wird - in unserer Gemeinde, und zumal in der Schule, in die ihn Sonntag Vorstand und Repräsentanten feierlich einführten, reiche Arbeit finden, doch schon sein ehrliches Streben, seine Glaubensbegeisterung macht uns glücklich, und die Zukunft wird ihm gewiß treffliche Erfolge sichern. A. Feuilleton. Die Mstilslhe des Reslemssrathes. Eine Geschichte aus der Zeit der antisemitischen Hochfluth. Von L. Meier. (S ch l u ß.) VIII. Das ganze Besitzthum der Familie Bronnfeld wurde einem tüchtigen Taxator übergeben, der einzelne Stücke daraus zu guten Preisen verkaufte. Es wurde ein Erlös erzielt, der mehr als das Doppelte meiner Schätzung betrug. So bestand denn auf meinen Rath Friedrich energisch darauf, daß Frau von Bronnfeld ihr ganzes Wittthum für sich verwendete. Dennoch führte sie ihren Entschluß aus; schon nach wenigen Tagen war sie Oberin der L'schen Universitätsklinik geworden und die Berliner beurtheilten diesen Schritt, ganz wie die Räthin es vorausgesehen. Sie wurde den Kranken eine freundliche, liebevolle Helferin und Beschützerin, denn es war nun ihr Ehrgeiz, als Menschenfreundin sgefeiert zu werden und sie unterließ Nichts, diesen Ruhm zu vermehren. So konnte ich mir den interessanten Fall aufzeichnen, daß dieselbe Leidenschaft, der Ehrgeiz, bei derselben Person einmal so häßlich und verderblich und dann wieder so nützlich und schön zur Wirkung gelangte; ich fügte in meinem Tagebuche die Bemerkung an: Da es so schwer, ja oft kaum möglich ist, unsere Leidenschaften zu beherrschen, so thuen wir am klügsten, wenn wir dieselben nicht zu unterdrücken versuchen, denn die gewaltsam unterdrückten Begierden sind die heftigsten und überwältigen uns nur allzu oft, sondern wenn wir denselben eine Richtung geben, in welcher sie zu unserem eigenen und der Menschheit Nutzen sich bethätigen können. Der Talmud, der in der Menschenkenntniß der vorzügliche Lehrmeister ist, spricht ebenfalls diesen Gedanken aus: „Wer Neigung zum Blutvergießen hat, der möge ein Chirurg (Aderlasser), ein Schächter oder ein Beschneider werden, damit er nicht, seiner Leidenschaft in übler Weise folgend, zum Diebe und Mörder werde." (Sabbat 156 a.) Die Begierden, die Gott in uns gelegt, sind alle gut und natürlich, wie hätte der liebevolle Vater im Himmel sie uns sonst gegeben? Unser freier Wille ist es, ihnen die zielbewußte Richtung zu weisen, und der Mensch ist am besten, der seine innere Anlage am schönsten und nützlichsten sich entfalten läßt. O, gib Du mein Gott, mir die Erkenntniß,