Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 7 (24.1.1889)
- Date
- 1889-01-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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114 Leitende Artikel. BDE7D1 pn Bon Jsaac Hirsch. In das Eden setzte Gott den Menschen ein. Zu einem Eden sollte die ganze Erde sich gestalten unter des Menschen nach dem Willen Gottes ausgeübter Herrschaft über die ihm unterthänige Mitwelt. Hoch ragt der Mensch über die übrigen Wesen empor; nicht durch eine größere Fülle körperlicher Kräfte, sondern durch sein geistiges Vermögen, vor Allem aber durch die hohe, sittliche Kraft, die der allgütige Schöpfer ihm verliehen. Er ist das einzige aller Geschöpfe, das mit der vollendeten Freiheit des Willens begnadigt ist. Er ist Herr seiner Entschlüsse und vermag selbst dem Willen des allmächtigen Gebieters des Weltalls zuwider seiner eigenen Entschließung durch die That Ausdruck zu geben. In allen anderen Wesen waltet der allgebietende Wille des Schöpfers. Sie sind alle „Seine Diener", uwi »iry „Vollbringer Seines Willens". Sie bewähren sich alle als als „Seine Boten", na naa „mit Kraft ausgerüstet", um diese Kraft widerspruchslos und unbedingt in Seinem Dienst nach Seinem Willen zu entfalten. Von den Welten, die die ihnen gewiesene Bahn unwandelbar ziehen, bis zum Grashälmchen vollbringen sie alle das Werk, für welches Er sie ins Dasein gerufen: od’ ab sie weichen nimmer ab von ihrem Wege, sie kennen nicht das Ziel, nicht den Zweck ihres Wirkens, sie folgen willenlos dem in ihnen schaltenden mächtigen Gebote ihres Herrn und Meisters, gegen welches sie ohnmächtig sind, gegen welches sich aufzulehnen ihnen Neigung und Fähigkeit gebricht. An den Menschen aber ist das Gebot Gottes gerichtet an2 ns d*in Tun. Er hat dir, o Mensch, kundgegeben, was das Gute ist. Gott richtet Sein Wort an den Menschen und sagt ihm, was Er von ihm heischt. Es steht in des Menschen freier Entschließung, ob er das „Gute", d. i. das dem Willen Gottes Gsmäße, üben will, oder ob er für das „Schlechte", d. i. das dem Gebote Gottes nicht Entsprechende, sich entscheiden will. Der Mensch hat diemro, die freie Wahl und Bestimmung seiner Handlung, und darum erhebt er sich durch die Hebung des Guten, d. i. des Gott Wohlgefälligen, weit über die Stufe empor, welche alle übrigen Wesen einnehmen, darum aber sinkt er tief unter alle übrige Wesen herab, wenn er sich für das Schlechte entscheidet. Die freie, Gottes Willen vollbringende That zeigt den Menschen in seiner hohen ihm von Gott angewiesenen Stellung als Seinen Stellvertreter allen übrigen irdischen Geschöpfen gegenüber. Aber wehe ihm, wenn er, diesen gleich, nur der in ihm redenden Stimme seiner Sinne folgen will! Sie, die übrigen Wesen, haben keinen anderen Leiter als diesen inneren „Trieb", indem sie ihm gehorchen — und sie müssen ihm gehorchen — vollführen sie den Willen ihres Schöpfers. Der Mensch hat jedoch nicht dem zu folgen, was ihm „Auge und Herz" als begehrens- und erreichenswerth erscheinen lassen. Er hat auf das Wort Gottes zu hören, er soll seiner Triebe Meister sein, um sie in den Dienst seines Meisters zu stellen, dem er aus freiem, freudigen Entschlüsse sich unterzuordnen hat. Als der erste Mensch dieser hohen, sittlichen Aufgabe nicht entsprach, als er dem ihm kundgegebenen göttlichen Willen entgegen, der Einflüsterung seiner Begierde und der Stimme seines Herzens folgte, da ward er des Eden verlustig. Er hatte die ihm verliehene Freiheit des Willens zur Auflehnung gegen Gottes Gebot benutzt, er hatte sich entschlossen, es zu versuchen Gottes Willen zuwiderzuhandeln, und er vermochte es. Gott aber will den Menschen zur Bethätigung seines freien Gehorsams gegen Sein Gebot erziehen. Er ändert seinen Entschluß nimmer; die dem Menschen zuerkannte hohe Ausgabe bleibt unverändert, und unverkürzt auch das dem Menschen verliehene hohe Gnadengeschenk der sittlichen Freiheit. Er soll ihren rechten Gebrauch kennen lernen in der Schule des Kampfes und der Entsagung, die er fortan durchzumachen hat. Er soll durch die eigene Erfahrung zu der Erkenntniß gelangen, daß das Heil und der Segen nur in der freiwilligen Unterordnung unter Gottes Willen erblühe, und aus dieser Erkenntniß soll in ihm der Entschluß reifen, Gott allein und ausschließlich zu dienen mit seinem ganzen Wesen in jeglicher Bethätigung seiner Kräfte und Fähigkeiten. Die Erziehung des Menschengeschlechts zur Lösung der ihm bestimmten hohen Aufgabe, für welche es nur durch diese wahre Huldigung und Anerkennung Gottes reif ist, bildet den Inhalt der Geschichte bis zu diesem Augenblicke. Diese Erziehung ist noch nicht vollendet. Noch immer weigert sich der Mensch zum freien, ganzen Eintritt in den Dienst Gottes, noch immer widerstrebt er dem schweren Entschlüsse, nicht zu folgen der Stimme seiner Leidenschaft: der Begierde, des Hochmuths, der Ruhmsucht, der Geldgier, der Herrschlust und wie immer die gewaltigen Triebe sich nennen, die seine Brust erfüllen. Und darum ist das Hochziel