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Der Israelit · 1889-01-24 · Heft 7 (24.1.1889) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 7 (24.1.1889)
Date
1889-01-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXX. Jahrgang. K i. HO, M V. Israelit..«d Jeschurun. Zkitslhrist M Förderoos D. Gkißes miö jüd. Kkdeos io Mus. Gmelode uoU Ktzole. GenLrat-Zrgan für das orthodoxe ZudenLhum. Herausgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 24. Januar 5649 (1889). Zur Geburtstags-Feier Sr. Majestät des Deutschen Kaisers Wilhelm H Der 27. Januar ist für Deutschland ein hoher Freudentag. An diesem Tage vollendet unser allgeliebter Kaiser, Wilhelm II., sein dreißigstes Lebensjahr. — Das verflossene Jahr brachte dem deutschen Volke tiefe Trauer; am 8. März verlor es seinen Heldenkaiser, den Neubegründer des deutschen Reichs. Die Wunde war eine um so schmerzlichere, da der Thronerbe, von schwerer Krankheit heimgesucht, dem Tode entgegenwankte; der in so vielen Schlachten siegreiche Held erlag schon am 15. Juni desselben Jahres seinen Leiden, und Ströme von Thränen flössen um den Heimgang des Dulders auf dem Kaiserthrone. Voll Sorge sah das deutsche Volk der Zukunft entgegen. Ein Jüngling hatte die schwere Bürde der Kaiserkrone auf sein Haupt genommen. Wird er, fragte man, die gewaltige Last zu tragen vermögen, wird er, begierig, gleiche Lorbeeren wie seine Vorfahren zu erringen, mit jugendlichem Ungestüm Gefahren heraufbeschwören, deren Verlauf nicht abzusehen, wird er sich umgarnen lassen von Personen und Parteien, die nur sich und nicht das Wohl des Vaterlandes und aller seiner Bewohner im Auge haben? — Gelobt sei Gott, der die Herzen der Könige lenkt, — von allen diesen Befürchtungen ist nichts eingetroffen, und wir sind so glücklich, dem jugendlichen Herrscher zu seiner ersten Geburtstagsfeier auf dem Kaiserlichen Throne nichts als Liebe und Bewunderung entgegentragen zu dürfen. Mit fester Hand hat Er die Zügel der Regierung ergriffen, hat Sich den treubewährten Rathgeber Seines Vaters nnd Seines Großvaters zu erhalten verstanden, hat den Welt- Frieden gefestigt, indem Er persönlich die Souveraine der Nachbarstaaten aufsuchte, um mit ihnen ein herzliches Einvernehmen zu pflegen, Er hat sich über die Parteien zu stellen gewußt, um allen Söhnen des geliebten Vaterlandes ein treuer und liebevoller Beschützer zu sein. Und schon erblüht daS Reich in niegeahnter Größe und Eintracht. Alle deutschen Fürsten erscheinen am 27. Januar in Berlin, um persönlich ihre Glückwünsche auszusprechen — ein Ereigniß, wie es die mehr als tausendjährige deutsche Geschichte bis jetzt noch nicht zu verzeichnen hatte. Mit ihren Fürsten vereinen sich alle deutschen Stämme in ihrer Liebe zu Kaiser und Reich. Am nächsten Sonntag strömen die Beter in die Kirchen und in die Synagogen, um ihre Gebete für das Wohl des geliebten Herrschers zum Allvater emporzusenden. Möge der allgütige Gott des Segens Fülle ausschütten über das Kaiserliche Haupt Wilhelms II., über dessen hohe Gemahlin und die fürstlichen Kinder, über das ganze Kaiserlich-Königliche Haus, über sämmtliche deutsche Fürsten, die in unvergleichlicher Einigkeit feststehen zu Kaiser und Reich, mögen die köstlichen Früchte einer langen Periode segensreichen Friedens dem geliebten Vaterlande und allen seinen Söhnen und Töchtern erwachsen — das walte Gott!

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