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Der Israelit · 1889-01-21 · Heft 6 (21.1.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 6 (21.1.1889)
Date
1889-01-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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107 der ung. Lehrer zählt, brachte in Nr. 52 vom I. 1888, S. 840 folgende Notiz, die ich mich bestrebe, ohne jedweden Commentar hier wiederzugeben. „Ein moderner Rabbiner! Sein Name ist Dr. Martin Schreiner, und Csurgü ist sein Wirkungsort. Der dortige Direktor des vereinigten evang. res. Gymnasiums beschuldigt den weisen Rabbiner, daß er kein positives Religionsbekenntniß hat, und daß er sich stets hinter den Urtext der h. Schrift verkriecht, um seine Ansicht zu vertheidigen. Nach der Behauptung des Rabb. sei es nicht wahr, daß Gott dem Moses im Dornbusch erschienen ist; es sei ferner nicht wahr, daß Gott über die Egypter zehn Plagen schickte; es sei ferner nicht wahr, daß Moses die Juden durch das rothe Meer trockenen Fußes führte; es sei ferner nicht wahr, daß Gott mit Moses von Angesicht zu Angesicht gesprochen; es sei ferner nicht wahr, daß Gott auf dem Berge Sinai sich unter Donner und Blitz offenbarte und die Zehn-Gebote gab. Nach der Auffassung des Herrn Rabbinen, widerstreite die Voraussetzung dem modernen Gottesbegriff, daß Gott unsere Gebete erhört. Mit allen diesen Dingen beschuldigt der Dir. Huber in der „Jskolai Szemlei" den Rabbiner in Csurgo; wir sind neugierig, was zu diesem Dr. Martin Schreiner sagt, und das Seminar zu Budapest! Wir glauben, daß auch die Priester der anderen Confessionen ein Recht haben, in dieser Angelegenheit ein Wort zu sprechen!" Hiermit schließe ich für diesnial meinen Bericht, den ich mich befleißigte, objektiv abzufassen und hoffe mit Nächstem aus dem Gebiete unseres jüdischen Gemeinde-Lebens auch Erfreuliches mitzutheilen. L ö w Spitz. Päpa, 13. Januar. Unter verschiedenen Vereinen nimmt wohl jener den schönsten Platz ein, welcher sich zur Aufgabe stellt: Der leidenden Menschheit Hilfe zu bieten, die Genesung der Kranken fördert, die arbeitsunfähig gewordenen Handwerker mit Lebensmitteln unterstützt und, wenn der Todesengel den Ernährer des Hauses wegrafft, für die verlassenen Wittweu und Waisen väterlich sorgt. Gewiß schlägt jede Menschenbrust hoch bei dem Gedanken: seinen bedrückten Nebenmenschen helfen zu können und geholfen zu haben; so erwähnen auch wir mit Freude, daß hier zahlreiche solche Vereine blühen zur Linderung verschiedener Calamitäten; so der „Jsr. Frauenverein", „Gomel Dalim"-Verein, „Wahrmann-Verein", „Poäl Zedek"- Verein u. a. m. Doch eben der letztgenannte Verein ist es, dessen ich hier näher erwähnen will. Gestern Abend hielt er Vorstandswahl, bei welcher Gelegenheit der Sekretär Herr Lehrer Pfeiffer, nachdem er mit bündigen Worten den edlen Zweck des Vereins beleuchtet hatte, die Bilanz des Jahres 1888 vorlegte, aus welcher wir Folgendes entnehmen: Die Einnahmen im Jahre 1888 waren incl. der Spenden, Einschreibgebühren rc. 1420 fl. 24 kr.; das Kapital betrug im Jahre 1887: 1140 fl. 46 kr. Ausgaben waren im verflossenen Jahre: Ausschließlich für Krankenpflege 496 fl. 96 kr.; Ehrengebühr an den Arzt 200 fl.; für andere Wohlthätigkeitszwecke 50 fl. rc. Das Vermögen des Vereines ist gegenwärtig: 1688 fl. 70 kr. Mit mildthätigen Gaben unterstützten diesen Verein die Herren: Oberrabbiner Dr. Breuer, D. Deutsch, A. Eisler, A. Haaß, M. Krauß, A. Löwenstein, Sch. Madai, Aug. Nöger, Abt, M. Pfeiffer, M. Singer, A. Techet, M. Weltner rc. rc. So möge nun nebst den übrigen Vereinen auch dieser „Poöl-Zedek-Verein" in seiner edlen Thätigkeit fortfahren und zahlreiche Bedürftige erquicken und erwärmen! Gustav Löwy. Bosnien. Serajewo, 6. Januar. Gestern p'«? verschied hier nach längerem Leiden Rabbi Leon Juda Finzi, Oberrabbiner der sephardischen Israeliten Bosniens und der Herzegowina, in sehr vorgerücktem Alter. Dieser Todesfall rief in der ganzen israelitischen Gemeinde, die an ihrem Oberrabbiner mit wahrer Verehrung hing, die tiefste Trauer hervor. Der Verstorbene, eine schöne, ehrfurchtgebietende Gestalt, genoß den Ruf eines großen Talmudgelehrten nnd zugleich auch den eines tüchtigen Kanzelredners. rrasan. Palästina. Jerusalem. Dem Jahres-Bericht der Talmud-Thora-Schule und „Etz-Haim-Hochschule" in Jerusalem für das Jahr 5648 entnehmen wir, daß die Einnahmen 22382 Fr. und die Ausgaben 22544 Fr. betrugen, somit ein Deficit von 162 Fr. vorhanden ist. Ueber die großartige Wirksamkeit dieser Hochschule haben wir schon mehrmals ausführlich berichtet. Wir beschränken uns für heute darauf, unsere wohltätigen Glaubensgenossen dringend zu ersuchen, dieses Institut durch reichliche Spenden kräftig unterstützen zu wollen.

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