Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1889)
- Date
- 1889-01-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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100 >??■< Jaffe in Posen anläßlich ihrer Verdienste bei den letzten Ueberschwemmungen den Louisenorden verliehen. Das Protektorat über diesen Orden hat nunmehr die Gemahlin des regierenden Kaisers übernommen. — In Wort und Schrift feiert die deutsche Theologie den hundertsten Geburtstag des einstigen berühmten Kirchenlehrers August N e a n d e r. Dieser allerwärts gepriesene Geistesheld hieß, bevor er die Taufe erhalten, David Mendel. — Der Rücktritt des Justizministers Dr. v. Friedberg wird vielfach commentirt. — Die deutschen Juden haben die Entlassung des Ministers nicht sonderlich zu bedauern. Wenn er auch die judenfeindliche Bewegung direkt in keiner Weise gefördert hat, so fürchtete er andererseits als geborener Israelit, um Mißdeutungen vorzubeugen, energisch gegen die antisemitischen Vaterlandsfeinde vorzugehen. Unter seinem Regiment schritten die Staatsanwälte nur in wenigen Fällen ein, und diese Schwäche des Leiters der Justiz war die Stärke unserer Gegner. Die Taufe hat es zwar ermöglicht, daß Dr. v. Friedberg Minister wurde, sie konnte es aber nicht verhindern, daß die Racenantisemiten heut schadenfroh über den Sturz des „getauften Juden" triumphiren. B l. Mannheim, 15. Januar. Herr Banquier David Oppenheim, welcher dieser Tage verstarb, hat eine große Reihe von Legaten für hiesige Wohlthätigkeitsanstalten aller Konfessionen ansgesetzt. Die hiefür gespendete Summe beziffert sich auf über 50,000 Mark und beweist den hohen Wohlthätigkeitssinn des Verstorbenen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Budapest. In der jüngst stattgehabten Ausschußsitzung der Pesther israelitischen Religionsgemeinde hat der Präsident Moritz Wahrmann für das im Bau begriffene Jsraelitenspital Spenden in der Höhe von 18,372 Gulden angemeldet. Das Spital ist bereits unter Dach und soll im Laufe des kommenden Sonimers seiner Bestimmung übergeben werden. Nach der gänzlichen Vollendung und zeitgemäßen Einrichtung dürfte diese Humanitätsanstalt die Summe von einer halbenMillion Gulden gekostet haben und wird ein ehrendes Monument sein, das die jüdische Wohlthätigkeit sich errichetet. Wie uns ans Belgrad telegraphirt wird, wurde der königl. serbische Vize-Konsul in Budapest, Herr H. S. Davitcho, von König Milan zum Vizekonsul I. Klasse daselbst befördert. Dem Hof- und Armeelieferanten in Budapest, J Herrn Sainuel Tiller, wurde vom König von Serbien der Takova-Orden verliehen. Gestern ist in Debreczin — wie man uns meldet — der vor einigen Tagen in Arco verstorbene Großgrundbesitzer und Stadtrepräsentant Ignaz Steinfeld zu Grabe getragen worden. Ein ungemein zahlreiches Publikum war erschienen, um dem hochgeschätzten Manne die letzte Ehre zu erweisen. Die Szechenyigasse, in welcher das Sterbehaus gelegen, war überfüllt von Menschen, ebenso wie der geräumige Hof des Sternfeld'schen Hauses. Alle Klaffen der Gesellschaft und sämmtliche Konfessionen waren vertreten, da sich der Verstorbene allgemeiner Hochachtung erfreute. Zur Traucrfeierlichkeit erschien der Obergespan Graf Josef Degenfeld, ferner Bürgermeister Emerich Simouffy, kön. Rath Samuel Simonffy nebst zahlreichen Stadtrepräsentanten und den hervorragendsten Bürgern Debreczins. Ein unabsehbarer Zug von Leidtragenden folgte dem Sarge in den Friedhof. Der Verstorbene, welcher zu den tüchtigsten und angesehensten Männern Debreczins gehörte und sich namentlich auf dem Gebiete der Landwirthschaft große Verdienste erworben, hat letztwillig zahlreiche Wohlthätigkeitsanstalten mit Legaten bedacht. Auf seinem Sterbebette noch gedachte Ignaz Steinfeld der Journalisten und mit der Begründung, daß ihm die vaterländische Presse zeitlebens nur Freude bereitet habe, ordnete er an, daß dem Journalisten-Pensionsfond ein Legat von 2000 Gulden ausbezahlt werde. Pefth. In hiesiger isr. Gemeinde gründete man einen nnty ^rnn-Verein für Dieustmänner. Zweck dieses Vereins ist, Dienstmänner, die den rav streng halten wollen, mit Geldmitteln zu unterstützen. Die Betheiligung an diesem Verein ist so stark, daß man sogar ein eigenes Bethaus errichten könnte, worin jeden nnt» ein -rao religiöse Vorträge für die Dienstmänner hält. Das Ministerium hat die Statuten genehmigt. In Miskolcz hat sich mit Beginn des Winters eine Volksküche konstituirt, welche täglich an 50 Personen ohne Unterschied der Konfession Speisen verabreicht. Die Volksküche verdankt ihr Entstehen dem dortigen isr. Frauenverein. D. H. S. Griechenland. Korfu (Schluß. *) Wir begaben uns dann zusammen mit den anderen Deputationen in den königlichen Palast. Im Vorzimmer zum Thronsaale *) Siehe Nr. 101. Bericht des Oberrabbiners von Korfu über seine Reise nach Athen.