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Der Israelit · 1889-01-21 · Heft 6 (21.1.1889) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 6 (21.1.1889)
Date
1889-01-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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klären: O Gott, verleihe Du dem fest auf seinem Throne sitzenden Könige die Macht, daß strenge er der Gerechtigkeit walte, und dem jungen, neuerwählten Könige verleihe die Einsicht, daß er, den Verhältnissen entsprechend, Gerechtigkeit mit Milde verbinde. — Wir erkennen demnach aus diesem Psalmverse, daß auch bei der Gerechtigkeit den irdischen Verhältnissen Rechnung getragen werden müsse, daß nicht immer die Handhabung des strengen Rechtes der Milde entbehren darf, daß also trotz des strengen Ausdruckes cröst^nn ntw der Richter, den Verhältnissen gemäß, Milde walten lassen muß, indem er die Parteien durch einen Vergleich zu versöhnen sich bemühen soll. Nicht aber darf der Richter nach Willkür Milde üben; sobald er erkennt, wie der Urtheilsspruch ausfallen wird, darf er einen Vergleich nicht mehr empfehlen. Schaul wurde bestraft, weil er zur Unzeit Milde übte, David aber, welcher den Verhältnissen gemäß Milde übte, und, wo es sein mußte, strenge Gerechtigkeit handhabte, wurde der Begründer des israelitischen Königshauses für alle Zeiten. So heißt es in Bezug auf Davids Dynastie (Jesaias Cap. 7, V. 6): iroteö by\ in ndd by y'p j*n m»ön miöi> ohy iyi nnyo npisai myo^i nrnNprfc. „Zu mehren die Herrschaft und des Friedens kein Ende, aus dem Throne Davids und aus seinem Reiche, es zu gründen und zu stützen mit Gerechtigkeit und Milde, von nun an und bis in Ewigkeit." Gott hat uns befohlen, Gerechtigkeit und Milde zu üben, aber nicht nach unserer Willkür, sondern den Grundsätzen entsprechend, die Seine Weisheit uns offenbart hat. — Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen Deutschland. Berlin, 17. Januar. Der Stadtverordnete Louis Lieb ermann hat anläßlich seines gestrigen siebzigsten Geburtstages für den Fonds der entlassenen Zöglinge der Baruch Auerbach'schen Waisenanstalt, in deren Curatorium er sitzt, 1000 Mark gespendet. — So harmlos das Duell C r e m er- Stöcker erscheinen mochte und auch war, ebenso bedeutsam und aufsehenerregend ist ein neuer Conftikt, der Herrn Stöcker jetzt seinem Amtsbruder Pastor Witte gegenüberstellt. Stöcker hatte die Existenz eines ihn gravirenden Briefes in Abrede gestellt, den Witte von ihm empfangen haben wollte. Herr Witte veröffentlicht nun in der „Norddeutschen Allgem. Ztg." den Wortlaut des Stöcker'schen 99 Briefes. Die Wahrheitsliebe des Hofpredigers hat.damit einen neuen Schlag erlitten, die Sache beschäftigt bereits das Consistorium. Die kartellparteiliche und freiconservative Presse greift Herrn Stöcker auf das schärfste an. Das neu auftauchende Gespenst des „Zeugen Stöcker" kann dem Vater der antisemitischen Bewegung verhängnisvoll werden. — Bon geschätzter Seite werden wir ersucht, mitzutheilen, daß der „Verein zur Unterstützung von jüdischen Gelehrten in Berlin und zur Förderung jüdischen Wissens bei der reiferen Jugend" einen Cyclus von vier Vorträgen in Cassels Hotel demnächst veranstaltet. Am 24. Januar spricht Rabbiner Dr. Salomon Cohn über das „Gnomenbuch der Siraciden, am 31. Januar Dr. Hirsch Hildesheimer über die „Juden im alten Rom", am 7. Februar Dr. Berliner über die „jüd. Gemeindeverfassung im Mittelalter" und am 14. Februar Dr. G. Karpeles über „einen jüdischen König in Polen". Der Eintrittspreis zu allen Vorträgen beträgt drei Mark. — Das Centralcomite des Palästinavereins „Es ra" ersucht uns um die Aufnahme der folgenden Mittheilung: Der Verein „Esra" hat einen neuen Beweis seiner ersprießlichen Thätigkeit gegeben, indem er durch Vermittelung des Herrn Rabbiners Dr. Hildesheimer abermals 1600 M. unseren ackerbautreibenden Brüdern in Palästina zugehen ließ. Von dem weisen Gedanken ausgehend, zunächst eine der nicht unter dem Patronat des großen Wohlthäters stehenden Colonien stark und unabhängig zu machen, ist auch die diesmalige Sendung der Colonie „3e8uck Hamaaloll" zugewiesen worden u. z. zum Bau von festen Häusern. Wurden die Kolonisten durch die bisherigen Zuwendungen des „Esra" ausreichend mit Ackergeräts) und Vieh versehen, so werden sie nunmehr' statt der Schilfhütten, welche nur unzureichenden dürftigen Schutz gegen die Unbill der Witterung boten, in festen Steinhäusern wohnen können. Aber der Betrag von 1600 Mark reicht nur für zwei Häuser aus, während acht nöthig sind, damit sämmtliche Coloniften auch nur nothdürftigsten Schutz finden. Welche unendliche Wohlthat damit geübt, welchem dringenden Bedürfnisse abgeholfen wird, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden, und schon zur Vollendung dieses Werkes verdient der „Esra" die thätige Mithilfe und Förderung aller Glaubensgenossen. Bl. Berlin, 18. Januar. „Der Kaiser hat auf den Antrag der Kaiserin Augusta neben 11 anderen, meist der hohen Aristokratie angehörenden Damen der Wittwe des Geh. Kommerzienraths

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