Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1889-01-21 · Heft 6 (21.1.1889) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 6 (21.1.1889)
Date
1889-01-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447947-2447954--27886-2475541
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

101 traf ich den Cultusnnnister Manetta, der mir sein Bedauern darüber ausdrückte, daß er mich nicht in seinem Bureau empfangen konnte und stellte er mich gleich nachher dem Ministerpräsidenten Trikupis vor, der mich herzlich begrüßte, und bemühte er sich, dafür zu sorgen, daß ich unter den allerersten Deputationen von Ihren Majestäten einpfangen werde. Er ließ mich daher auf Nr. 6 übergehen, obgleich ich Nr. 13 hatte. Ich trat in den Empfangssaal ein, gefolgt von dem Rabbiner von Chalkis und den beiden Vorstehern, Gesua und Nachmias, und als ich nun vor Ihren Majestäten stand, flehte ich auf sie alle Segnungen des Himmels herab. Ihre Majestät, die Königin reichte mir huldvollst ihre Hand zum Kusse und dankte mir zugleich für die ausgedrückten Wünsche. Auch Se. Majestät der König drückte mir seinen Dank aus und reichte mir zugleich die Hand. Auch den beiden Vorstehern dankten die Majestäten. Am selben Tag erhielt ich eine Zuschrift des königlichen Hauses, in der ich und die beiden Vorsteher zum Galadiner geladen wurde, das Samstag um 7 Uhr Abends stattfand. Am folgenden Tag wurde die Jubiläums- Ausstellung eröffnet, welcher Feierlichkeit ich jedoch nicht bewohnte, da ich unterdessen mit dem Cultusminister Manetta eine lange Confcrcnz über unsere Schulen hatte, der mir dabei seine vollste Unterstützung zusagte. Am selben Tag besuchte ich den Minister des Auswärtigen, Cav. Dragunis, und den Justizministcr Volpiotti, die mich gleichfalls aufs Freundlichste empfingen. Den Besuch beim Ministerpräsidenten mußte ich jedoch auf ein anderes Mal vertagen. Wir besuchten dann noch den Präsidenten der Synode, der sowohl für mich als auch für meine beiden Begleiter höchst freundliche Worte hatte. Am Freitag empfing ich viele Visiten, darunter auch die Gegenbesuche der Minister und des Patriarchen, worauf ich mich in die Jubilännis- Ausftellung begab. Die von den Israeliten Korfus ausgestellten Sachen nahmen hier einen schönen Platz ein und bewunderte man die Stroharbeiten aus der Fabrik Nachmias u. Comp., die Regenschirme des Hauses Levi u. Comp., die Weißwäsche der Fabrik Besso und die Stühle der Fabrik David Levi. Am Abend begaben sich die beiden Vorsteher auf den Hofball, wohin ich sie jedoch nicht begleitete. Den Sabbat verbrachte ich den ganzen Tag im Hause des Herrn Coen, wo mich nun die vorzüglichsten Israeliten der Residenzstadt aufsuchten, und drückten sie nur insgesammt ihre Zufriedenheit über den Empfang aus, den ich allerorten gefunden hatte. Um 7 Uhr Abends begab ich mich mit den beiden Vorstehern zum Hofbankett. Geladen waren zu demselben 250 Personen, darunter auch der katholische Bischof von Volo. Um 71/* Uhr traten Ihre Majestäten ein, worauf denn ein Jeder den ihm angewiesenen Platz einnahm. Man zählte sieben Tische und hatten wir unfern Platz am dritten in verticaler Linie von der königlichen Familie. Um 8V2 Uhr war das Bankett vorüber, worauf wir in einen andern Saal eintraten, wo Kaffee servirt wurde. Ihre Majestäten unterhielten sich da mit einem Jeden der Geladenen und hatte auch ich die Ehre, von denselben angesprochen zu werden. Dank den Bemühungen des Herrn Commandanten Sapountzaki hatte ich noch am selben Abend die Ehre, dem Kronprinzen Konstantin vorgestellt zu werden und war ich sehr gerührt über sein leutseliges Benehmen' und seine huldreichen Worte. Um 9*/* Uhr zogen sich Ihre Majestäten zurück, worauf der Ministerpräsident auf mich zukam, und mich einlud, ihn Montag Abends zu besuchen. Den Sonntag und Montag verbrachte ich damit, die Schönheiten und die Alterthümer Athens, darunter auch die Akropolis, zu besuchen, die meine große Bewunderung erregten. Montag Abends stattete ich dem Ministerpräsidenten meinen Besuch ab, der die freundlichsten Worte für mich hatte und mir zugleich versicherte, daß Griechenland nur Staatsbürger und keinen Unterschied des Cultus kenne. Ich wi-l zugleich hier erwähnen, daß auch die Schwester des Ministerpräsidenten, die eine hohe Bildung besitzt, mir sehr freundlich entgegenkam. Sie können nun ermessen meine Herren Vorsteher, mit welch freudigem Herzen ich wieder zu Ihnen zurückkehre und will ich nun dieses Land als mein Vaterland betrachten. Möge der Himmel diesem heroischen Volke und der Dynastie des Königs Georgios I. alle seine Segnungen gewähren. An uns Israeliten tritt die Pflicht heran, für dieses unser theueres Vaterland alle möglichen Opfer zu bringen und, indem wir gute Israeliten sind, auch gute Bürger zu sein. Amerika. New-Aork. Heute wurde ein echter frommer Jehudi, ein echter Orthodoxer, mit Namens N. Mälzer, zu seiner letzten Ruhestätte gebracht. Er war in Franken (Bayern) geboren und erreichte ein Alter von 72 Jahren. Auch war er ein Schüler von njn '-).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.