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Der Israelit · 1889-01-17 · Heft 5 (17.1.1889) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 5 (17.1.1889)
Date
1889-01-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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zeichnete. Er äußerte sich darüber nach wortgetreuer Üebersetzung, folgendermaßen: Die Prophezeiungen, die sich auf einen persönlichen Messias beziehen, welcher Israel als Volk Sieg und Herrschaft verleihen wird, sind bereits in Erfüllung geangen durch die Person und die Regierung des önigs Hiskias (hier. beruft sich Redner auf die schon so oft angeführte, vom Talmud und den Kommentatoren widerlegte, bezw. richtig gestellte Ansicht des R. Hillel, Sanhed. 99.) Redner fährt fort: Der Messias, den wir erhoffen und dessen Erscheinen als Dogma in unser Glanbenssystem ausgenommen ist, bedeutet die Zeit, in welcher die Völker ihren Haß abschwören, und Frieden und Glück überall heimisch sein werden; in der That hoffen wir, daß eines Tages durch den Fortschritt der Wissenschaft und der Sittlichkeit k. die Menschen besser und glücklicher sein werden als sie jetzt sind und dies i st e s, was die Theologie das Reich Gottes auf Erden nennt. — Es wird also hier in deutlichster Weise die Ankunft eines persönlichen Messias in Abrede gestellt und selbst das zu erwartende Gottesreich durch allgemeine Menschenlikbe, wozu hier die von den Propheten erschaute messianische Zeit verflacht wird, soll nicht durch die sich immer mehr Bahn brechenden, erhabenen jüdischen Wahrheiten herbeigeführt werden, sondern durch die Ausbreitung der Wissenschaften rc.! I Wem drängt sich hier nicht die Frage auf: ob wohl ein Prediger einer freireligiösen Gemeinde die Messiasidee mit mehr „Liberalismus" hätte behandeln können, und andrerseits, ob wohl jemals ein größerer Verrath an unseren Glaubensdogmen im Gotteshause vor der heiligen Laoe verübt worden? Darf es uns wundern, daß Abfall und Unglauben immer mehr überhand nehmen, wenn diejenigen, denen die Erhaltung unserer rel. Glaubenswahrheiten am meisten am Herzen liegen sollte, dieselben in öffentlicher, feierlicher Versammlung ableugncn? Können die äußeren Feinde Israels, die heutzutage so kühn wieder das Haupt erheben, uns empfindlichere Schläge versetzen als diese unsere innere Feinde, die uns die heiligsten und theuersten Ueberzeugungen rauben wollen und welchen dies auch leider bei der großen, unseres heiligen Schrifthums unkundigen Masse nur zu leicht gelingt?! Wir enthalten uns, dieser Irrlehre gegenüber, darauf hinzuweisen, daß derjenige, der nicht an einen persönlichen Messias glaubt, die Wahrhaftigkeit unserer h. Thora leugnet (Maimonides, Könige 11); sind wir doch überzeugt, daß unsere Reformheldeu ihre eigene Autorität selbst derjenigen unserer größten Gesetzeslehrer als ebenbürtig au die Seite stellen. Wir aber wollen uns die unverbrüchliche Hoffnung auf die Ankunft eines persönlichen Erlösers durch die irrreligiöseu Auslassungen dieses geistlichen Würdenträgers nicht nehmen lassen, umsomehr, da wir ja hierdurch von Neuem überzeugt wurden, wie wahr und treffend die Worte der Propheten sind: klagten sie ja schon vor Jahrtausenden (Jesaias 3): O, mein Volk, deine Leiter führen dich irre und die Richtungen deiner Pfade vernichten sie. Rumänien. Dr. C. Bukarest, 15. Januar. Die von mir in diesen Blättern schon erwähnte Meinung, daß Israeliten schon seit Dakeu- und Römerzeiten die Donau- und Karpathengegenden bewohnen, hat auch ältere Verfechter. Herr S a m i e l Markus aus Bukarest, Grobkaufmann und Gelehrter zugleich, der vor einigen Jahren nach der Türkei auswanderte, erklärt in einem Briefe, daß er schon vor 25 Jahren in einer pariser Revue „Libanon", einen Eyclus von Artikeln über den Ursprung der rumänischen Israeliten veröffentlichte, in welchen er es nachgewiesen habe. Er verweist auf ein von ihm an's Licht gezogenes Cireularschreiben des byzantinischeu Kaisers Theodosius vom Jahre 979 d. g. Ztr. an die Präfekten von Jllyrien und Dacien, in welchem er ihnen die Inschutznahme der israelitischen Synagogen dieser Provinzen anbefiehlt. Zur Festsetzung des Zeitpunktes, in dem die Geschichte der rumänischen Israeliten beginnt, habe Herr Markus, wie er weiter sagt, sich mit der Forschung über die C h a s a r e n befaßt, deren Herrschaft in den Karpatheugegeudcu drei Jahrhunderte dauerte; es sei „wahrscheinlich, daß die jetzigen Rumänen Nachkommen der hebräischen Chafaren seien. . . ." Die Rumänen kommen historisch zwar schon vor deren Konftituirung als Staaten vor, aber in einer Weise, die darauf gehende Schlüsse nahelegt. So erzählt der Geschichtschreiber Übte tut, daß die Walachen a. 972 sich gegen die Griechen erhoben hätten und dabei wären sie von David, Aron, Samuel und Moses befehligt gewesen. Für diese hebräischen Namen müßte die Erklärung in der hebräisch-chasarischen Herrschaft gesucht werden, um damit die Lücke auszufüllen, die zwischen dem Theodosianischen Circular des 4. Jahrhunderts und der Beschreibung der Begebenheiten des israelitischen Reisenden Benjamin von Tudela des 12. Jahrh. in der Geschichte der Walachen besteht." In der That beginnt die moldauisch - walachische Staatsgeschichte urplötzlich damit, daß im 13. Jahrh. Bogdan Dragosch aus Fogarasch (Siebenbürgen) nach der Moldau und

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