Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1889)
- Date
- 1889-01-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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83 cwigten, seiner Gelehrsamkeit, seines edlen Charakters, seines gotterfüllten Familienlebens. Die Rede, welche länger als eine Stunde währte, hatte sichtlich die Herzen aller Anwesenden ergriffen. Möge die dadurch hervorgerufene Begeisterung für die heilige Gotteslehre eine dauernde sein. Aus dem Rcg.-Bez. Cassel. Seit dem neuen Schnlentlastungsgcsetz vom 14. Juni 1888 erhalten alle Gemeinden in Preußen für einen an einer öffentl. Elementarschule angestelltcn 1. Lehrer resp. für einen alleinstehenden Lehrer 400 M. und für jeden andern ordentlichen Lehrer 200 Ai. zur Besoldung aus der Staatskasse. Auch die öffentlichen israelitischen Elementarschulen genießen die Wohlthat jenes Gesetzes. Insbesondere werden die isr. Gemeinden im Reg.-Bez. Cassel — denn in hiesigem Bezirk bestehen etwa 100 öffentliche israelitische Elementarschulen — dadurch sehr entlastet; nahezu die Hälfte der Besoldung trägt die Staatskasse. Auch in mehreren kleineren Gemeinden wird die Wieder- und Neuerrichtung öffentl. Elementarschulen geplant. Möchten daher die Vorstände in den Gemeinden andrer Bezirke ebenfalls dahin wirken, die bestehenden Elementar- und Religionsschnlcn in öffentliche Schule umznwandeln; nach meiner Erfahrung stellen sich der Ausführung keinerlei Schwierigkeiten in den Weg. Nur auf diese Art und Weise allein läßt sich eine Bessergestaltung des jüdischen Schulwesens in jeder Hinsicht erwarten. Möge der Allgütige geben, daß cs auch in dieser Beziehung bald besser werden möge! Wetzlar, 11. Januar. Am 27. Dezember war Herr Dr. Bocket zu Marburg im Begriffe auch in unserem Kreise seinen Einzug zu halten — — — aber ist damit glänzend abgcfallen. Ach, wie gern hätte er wieder einmal seine holde Stimme erschallen lassen, um auf die Juden und ihr koscher Fleisch zu schimpfen — welch letzteres sogar die Herren Professoren und Studenten der alma raater Ludoviciana zu Gießen essen.-Welch' ein Hochgenuß wäre es ihm doch gewesen, gerade in dem alten, schönen Rittersaal der Burg Gleiberg über diese Verblendung rc. der heutigen Welt, die die Juden noch ruhig neben sich leben lassen, zn krakehlen. — — Der Koscher-Fleisch essende Herr Prof. Dr. Gar eis, Rector der Landes-Universität, sowie der Herr Geh. Commerzienrath Cigarrenfabrikant Gail verweigerten ihm den Saalalso wohl oder übel, — wenn cs auch sehr, sehr kalt ist — lustig im Freien geschimpftdoch auch da wieder Pech. Herr Co tust, Bürgermeister zu Brofdorf, der auf meinen Wunsch durch den Herrn Landrath dahin beordert wurde, — tritt herein und macht ihn Höst, darauf aufmerksam, daß er in diesem Falle vorher hätte schriftlich um behördl. Erlaubniß cinkommen müssen. Nun weiß Jedermaml, der unsere Vewaltungsverhältnisse ein klein wenig kennt, daß die Distrikt-Bürgermeister dura und Verwaltnngsrechte rc. studirt haben müssen, also auch Herr Bürgermeister Colust. Dennoch glaubt Böckel ihn eines Besseren belehren zu müssen und ersucht den Herrn Bürgermeister, gefl. Einsicht in die preußischen Vercinsgcsctze, die er zur Vorsicht bei sich halte — nehmen zu wollen — und griff dabei in die Rocktasche. Da erwiderte ihm Herr B. Colust, nebenbei gesagt, ein alter, tüchtiger, von allen Seiten hochgeschätzter Beamte — in seiner lakonischen Weise: — Bitte, das ist durchaus gar nicht nöthig — ich habe — glaube ich, die Vereinsgesetze im Kopf- und jetzt reden Sie garnicht. Tableau! E. Rothschild. Papenburg, 13. Januar. Auch in der hies. Synagoge wurde üdcp n" eine Trauerfeier um den Heimgang des Rabbiners Samson Raphael Hirsch den die älteren Mitglieder hier noch aus der Zeit seiner Wirksamkeit als Landrabbiner zu Emden kannten, veranstaltet. Herr Lehrer M. Schw ei tzer hielt eine alle Anwesenden ergreifende Rede, schilderte den Dahingeschiedencn als großen Lehrer in Israel und wies nach, wie er dem Programme, das er sich bei seiner Antrittsrede gestellt, bis an sein Lebensende gerecht wurde. Isr. M i n d u s, Vorsteher. Von der deutsch-französischen Grenze. Es ist eine bekannte Thatsache, an die wir uns schon längst gewöhnt haben, daß unsere sogenannten aufgeklärten Rabbinen cs in ihren religiösen Vortrügen mit der jüdischen Wahrheit nicht genau nehmen; wenn aber, wie in nachstehendem Falle, auf der Kanzel Aeußerungen gethan und durch den Druck verbreitet werden, die einer Ableugnung einer unserer heiligsten Ueberzeugnngcn vollständig gleich zu achten sind, so ist dies doch in hohem Maße geeignet, als Zeichen der Zeit unsere Aufmerksamkeit zu erregen, sowie auch einer öffentlichen Besprechung unterzogen zu werden. — Vor uns liegt ein Bericht über die unlängst stattgefundene Einweihung der neuen Synagoge in Montebeliard, zu welcher sich viele Glaubensgenossen aus Nah und Fern und die obersten Communal- und Departementsbehörden eingefunden hatten. Der Herr Großrabbiner von Bcsan^on hielt die Weiherede. Er entwickelte vier (!) Fundamentalsätze des jüdischen Glaubens, als deren vierten er den Glauben an den Messias be-