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Der Israelit · 1889-01-17 · Heft 5 (17.1.1889) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 5 (17.1.1889)
Date
1889-01-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX. Jahrgang. Erste Beilage zu.Wo ües „3sraelit“& „iefdjurun u leitender Artikel Literarischer Wericht. ^»2 Jubelworte gesprochen am 1. Dezember 1888 als am Vorabende des 40jährigen Jubiläums der glorreichen Regierung Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich Franz Joseph I. in der Synagoge zu Nadautz von I. Kunstadt. Oberrabbiuer. 10 Seiten. Radautz 1888. Bl. In kerniger, blühender Sprache feiert die vorliegende Rede des gesch. Verfassers, zahlreiche Bibel- und Talmudstellen sinnig deutend, die unsterblichen Verdienste des Kaisers Franz Joseph um die staatliche Gleichstellung seiner jüdischen Nnterthanen. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Burgpreppach, 10. Jan. Der „Israelit" brachte in einer der letzten Nummern den ausführlichen Rechenschaftsbericht über die Talmud-Thora- Schule zu Burgpreppach, welcher bekanntlich ein überaus günstiges Licht auf die Erfolge dieser Anstalt wirft. Der Unterzeichnete hatte zufällig Gelegenheit, einen Einblick in die Verhältnisse der Anstalt zu werfen, und der Eindruck war ein freudig überraschender. Die Schule, welche von den bayrischen Cultusgemeinden wie vom königl. Staatsministerium gleich gern gefördert wird, hat den Rang einer öffentlichen Präparanda, als welche sie auch im Staatskalender aufgeführt ist. Seit Jahren wird sie auch von Nichtjuden besucht. Augenblicklich bereiten sich zwei Knaben zum Eintritt in das Rabbiner-Seminar vor. Die Leitung ist eine musterhafte, die Erfolge wahrhaft glänzende, und das Verdienst des unermüdlich wirkenden Anstaltsdirektors Herrn RabbinersDr. Deutsch ein in hohem Maße rühmenswerthes zu nennen. Bl. Karlsruhe. (Unlieb verspätet.) Auch hier hielt am 6. d. M. unser geehrter Rabbiner, Herr Dr. Schiffer '"j, im feierlich beleuchteten Gotteshause, bei sehr zahlreich versammelter Gemeinde nach vollendetem Minchah-Gebet eine dem Andenken des verstorbenen Rabb. S. R. Hirsch gewidmete Gedächtnißrede. Tief gerührt von dem Schmerze, den jede Gemeinde empfindet, wohin die Kunde von dem Ableben des trefflichen, mustergiltigen Seelenhirten dringt, hob der Redner die Verdienste dieses obgleich so hochbctagten, doch noch immer zu ftüh dem Judenthum entrissenen Mannes warm hervor. Die rege, allgemeine Theilnahme seitens der ganzen Gemeinde und so vieler anderer Gemeinden sind ein beredtes Zeichen, daß sich der Verblichene yj ein ewiges Denkmal in jedem für's Judenthum warm schlagenden Herzen errichtet; ein Denkmal, von dem noch die späten Nachkommen mit Stolz reden werden; ein Denkmal, wie es sich in diesem Jahrhundert so leicht kein zweiter Rabbiner errichtet. M. Berlin, 13. Januar. Die von Nichtjuden redigirte „Berliner Zeitung" bringt heute einen Leitartikel „Strebsamer Nachwuchs", aus dem wir die folgenden leider nur allzu wahren Sätze citiren: „Die jungen Leute von heute, welche durch äußeres Gethue, durch Formenkultus und gespreiztes Wesen ihre Zugehörigkeit zur feinen Welt beweisen wollen, haben auch die antisemitische Bewegung als Modesache mitgemacht. Und nicht blos der Mode wegen. Es ist ihnen nicht verborgen geblieben, daß in den Gesellschaftsschichten, die für sie den Gipfelpunkt aller Vornehmheit bilden, die Juden eine Heimstätte nicht erhalten haben. Es genügt für sie die Thatsache, daß die Armee keine aktiven Offiziere jüdischen Bekenntnisses aufweist , um die Judenhetze oder die möglichst deutliche Nichtachtung der Juden ihnen als eine sehr schneidige Sache erscheinen zu lassen. Der Jude gilt ihnen nach wie vor als der Paria der Gesellschaft. Und dieser Geiftesrichtung, diesem Treiben der Streber, das einen tiefen Niedergang des inneren Werthes des nationalen Lebens anzeigt, erwächst neuerdings eine Hilfe auf einer Seite, von der sie am allerwenigsten sollte erwartet werden dürfen. Der große Reiz, den eine wirkliche oder vermeintliche Zugehörigkeit zur feinsten Sahne der Gesellschaft auf die jungen Streber an sich ausübt, wirkt in verstärktem Maße auf einen Theil der studirten jungen Leute jüdischen Glaubens. Sie übersehen vollständig, daß ihnen ihre jüdische Abstammung von den vornehmen Mitstreblingen ja doch

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