Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 5 (17.1.1889)
- Date
- 1889-01-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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78 leumdung seines Nebenmenschen von germanischen Richtern mit bedeutender Summe abftrafen lassen muß, Wie die Rcdaction der „Staatsbürgerzeitung?" Es ist uns hier nicht Bedürfniß, eine Geschichte der deutschen Antisemitenzunft zu geben, zumal wir keine Kriminalnovellen in Fortsetzungen zu schreiben pflegen. Solche Dinge mögen „germanisch" sein, deutsch sind sie nicht l Wie sagte doch jüngst Karl Schurz, der Freund des Fürsten Bismark, in seiner vielbemerkten Rede? „Die feige Bewegung wird in Schande untergehen!" und der Freund des Fürsten Bis mark muß es wohl wiffen. Bl. Italien. Rom, 8. Dezember. Der verehrte und auch außerhalb Italiens bekannte und geachtete Präses unseres Cuultusvorstandes, Commendatore Samuela Alatri, der dieses Ehrenamt schon seit nahe zu fünfzig Jahren bekleidet, hat soeben in Folge seines vorgerückten Alters dasselbe zur großen Betrübniß aller Gemeindemitglieder niedergelegt. Pius IX. schätzte ungemein hoch Herrn Alatri und pflegte er oft im Scherze von ihm zu sagen: „Sior Alatri ist der beste Christ von Rom", womit er auf dessen tolerante und friedliche Gesinnung hindeuten wollte. Rußland. Petersburg, 8. Januar. Die Veröffentlichung folgender bisher noch gänzlich unbekannten Episode aus dem Leben des leider so frühzeitig aus dem Dasein abberufenen Czaren Alexander II. dürfte in diesem Momente, wo der Antisemitismus, zumal in Oesterreich, von Neuem Anstrengungen macht, um Herrscher, Regierung und Volk gegen die Juden einzunehmen, von besonderem Interesse sein, denn sie zeigt, wie hoch und erhaben dieser Herrscher über seinem Volke stand und daß er auch dem jüdischen Heldenmuthe seine Anerkennung nicht vesagte. Kürzlich sind nämlich die Briefe erschienen, welche der deutsche Prinz Emil van Sayn-Wittgenstein-Berleburg während des türkisch-russischen Feldzuges 1877/78, den er mit Erlaubniß Alexanders H. im russischen Hauptquartiere mitmachen durfte, an seine Gemahlin gerichtet hat, und finden wir darin auch folgende Erzählung aus der Belagerung von Plewna: „Endlich beginnt die Belagerungsarbeit, Todleben übernimmt die Leitung, die Garde trifft ein. Es ist aber auch die höchste Zeit. Der Zar ist mit seinen Kräften fast zu Ende, die Spttäler überfüllt. Der Zar, ein Bild menschlichen Mitgefühls, hat drei Verwundete am Wege aufgelesen: wir haben den einen auf dem Bocke, die beiden anderen auf den Wagentritten untergebracht, indem wir sie sich an unsere Beine lehnen hießen. Der auf nieiner Seite war ein polnischer Jude, ein junger und hübscher Bursche, der wohl nie geträumt hatte, einmal mit dem Kaiser zu fahren. Der Kaiser hat unsere« drei Begleitern das Georgs - Kreuz gegeben, um sie an ihre Fahrt mrt ihm zu erinnern." Also Czar Alexander II. scheute sich nicht, einen verwundeten jüdischen Soldaten in seinen Wagen zu nehmen und schmückte er sogar noch desien Brust mit einem hohen Orden. Diese Dekoration ist die höchste militärische Auszeichnung in Rußland und wird sie nur für eine besondere militärische Bravour und für eine außerordentliche Tapferkeitsleistung verliehen. Egypten. Alexandrien, 2. Jan. Unter den Gefangenen des Mahdi in Chartum soll sich auch ein Jude aus Malta, Namens Vite Heffan befinden. Die hier bestehende deutsch-jüdische Gemeinde hat soeben einen Unterstützungs-Verein gegründet, der einen doppelten Zweck verfolgt: armen, ins Unglück gerathenen Glaubensbrüdern hilfreich beizuspringen und den Schülern unserer Talmud-Thora die Möglichkeit irgend ein Handwerk oder eine Kunst zu erlernen, zu bieten. Zum Präsidenten dieses schönen Vereines wurde Herr Abraham Tilche und zum Ehrenpräsidenten Baron Elia de Menefce gewählt. Letzterer hat sogleich diesem Vereine 500 Francs gespendet. Das Verwaltungscommitö ist aus fünfzehn unbescholtenen Mitgliedern unserer Gemeinde gebildet und werden dessen Verhandlungen — da der Präsident, Herr Abraham Tilche, nur die Oberaufsicht führt — von dem Graveur Jacob Maryasches geleitet. Die Statuten dieses Vereines sind in der hier am meisten verbreiteten Sprache, der italienischen, abgefaßt und enthalten sie neunundzwanzig Paragraphen. Dieser Verein wird hoffentlich dem deutschen Vaterlande keine Unehre machen! Feuilleton. Air KrlesUche der NesieruMrathes. Eine Geschichte aus der Zeit der antisemitischen Hochstuth. Bon 8. Meter. (Fortsetzung.) Meine Lampe brannte noch, sonst waren alle Lichter verlöscht; meine Hausgenoffen schienen schon zu Bette gegangen zu sein. Die Schritte näherten sich mir, die Thüre meines Zimmers ward aufgestoßen und im Rahmen derselben erschien Frau von Bronnfeld, ihren Sprößling an der Hand führend. Die vorschnelle, leidenschaftliche Frau hatte offenbar den armen Jungen aus seiner Ruhe gestört und ihn, wie sie ihn fand, mit sich forrgertffen,