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Der Israelit · 1889-01-17 · Heft 5 (17.1.1889) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 5 (17.1.1889)
Date
1889-01-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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74 lebendig gewordener Gedanke wird mit der Staubeshülle in die dunkle Gruft gesenkt, er lebt hier auf Erden weiter und fährt fort, Leben zu gestalten und Heil zu wirken, er verjüngt sich in dem neuen Geschlecht zu neuer Blüthc und wird zu einem?Quell des Siegens, der nimmer versiegt. Nicht nur von den großen hervorragenden Männern 'gilt dieses, nicht sie allein leben also ihr ewiges Dasein im Kreise der Menschen, die ihren Namen noch nach Jahrtausenden nennen, sondern vor Allen, die wahrhaft gelebt. Kein Wort der Wahrheit, das sie geredet, geht unter, und wenn auch ihr Name der Vergessenheit anheimgefallen, sie leben fort in der Anregung, die sie mit diesem Worte im engsten Kreise gegeben und sind in Wahrheit nie gestorben. So der einzelne Mensch, so auch die Gesammtheit eines Volkskörpers, der seine gesammte Kraft in den Dienst des Ewigen, Unvergänglichen gestellt. Und darum lebt Israel sein ewiges, unvergängliches Dasein inmitten der Menschheit auf Erden. Das Wort, welches Gott zu Moses gesprochen; Tun ann by nx ]nayn oyn nx iN’snna. „Wenn Du das Volk aus Mizrajim führst, werdet ihr Gottes Diener werden an^diesem Berge", hat sich erfüllt. Gottes allmächtige Waltung ward in ihrer Befreiung von km egyptischen Sklavenjoche sichtbar, da Israel als ‘i nwas „als die Heerschaar Gottes" aus Mizrajim zog. Und nachdem es die wunderbare Gottesführung aufs Neue an dem ^Gestade des Schilsmeers erfahren und, von der Wolken- und Fcuersäule geleitet, die Gefahrnisse der^Wüste überstanden und zum Sinai gelangt war, da offenbarte ihm Gott das heilige Gesetz. In freienrEntschlusse hatte es einmüthig das ewig bindende Gelöbniß abgelegt: n&y: *i aa-? ibw hi „Alles?, was Gott gesprochen, wollen wir thun! und hatte sich damit Gott für ewig geweiht zu D’:na rote „zu einem Reich von Priestern" und mp 'u, „zu einem heiligen Volk." Ein Reich von Priestern ist Israel in Wirklichkeit geworden. Ein Jeder in Israel hat die hehre Ausgabe, Priester des göttlichen Gesetzes, Herold der Gottesoffenbarung für die Menschheit zu sein und sein ganzes Wesen ganz und ungetheilt in den Dienst des Einen - Einzigen zu stellen und sein ganzes Dasein zu einem 'aP nrrj nn, zu einem Willsahrungsausdruck des göttlichen Willens zu gestalten. Ein heiliges Volk ist Israel in Wirklichkeit geworden, das einzige Volk, welches nicht in den Ruf dp ub rwyi einstimmt, welches nicht in der Mehrung seiner Macht, in der Erhöhung seines Ruhms, in der Größe seines Nationalwohlstandes die Bethätigung seiner nationalen Aufgabe erblickt, das vielmehr nichts anders anstrebt, als den Namen Gottes zu verherrlichen und Seine Lehre und Sein Gesetz durch das eigene Beispiel des unbedingtesten Gehorsams und der unerschütterlichen Treue gegen Gott zu verbreiten und dadurch das Gottesreich aus Erden zu fördern. Was irdisch und vergänglich an Israel war und ist, konnte der Vernichtung anheimfalleu und es ist wiederholt vernichtet worden. Sein Staatswesen ging in Trümmer, sein Tempel liegt in Asche, arm und elend ging es in die Gefangenschaft und ward zerstiebt in alle Ende der Windrose. Sein ewiger Theil aber, das, was Israel zu Israel macht, das nahm es mit sich und darum ist es unsterblich, wie Gott ewig ist, der Seine Thora ihm gegeben. Inmitten des unsäglichsten Elendes vollbrachte Israel seine Mission des Heils. Seine Brüder hatten ihm die Erde zu einem Naan pvp, zu einem „Thal des Weinens" gestaltet, hatten ihm Alles geraubt, was das Leben schmückt: Ehre und ^Freiheit, Ruhm und Frieden. Ja, sie hatten ihm die unerläßlichen Bedingungen des Daseins versagt: Heimat!) und redlichen Erwerb. Man pferchte es in engeMaffen ein und jagte den rothen Hahn aus seine elenden^Hütten, um es auszuplündern und zu brandschatzen. Man verjagte es von einer Stätte zur andern, .stieß es unbarmherzig hinaus in die öde Fremde?; man opferte cs dem barbarischen Fanatismus; man schlachtete seine Männer und Frauen und schleuderte seine Kinder in die Gluth, — aber vernichten konnte man es nicht. Hundertmal der gänzlichen Vertilgung überantwortet, blieb es unsterblich, ja das entsetzliche Leidensgeschick ward ihm ein Quell der Erholung. miD nwjr maaa dj iron*»' pyo war. pcya nay „Durch das Thal des Weinens dahinziehend gestalten sie es zu einem Quell, ja zu Segnungen, mit welchen ein Regen einhüllt."*) Ein Born der Verjüngung ward ihm die Thräne, die der Unverstand der feindlichen Brüder ihm erpreßt, ein Born des Segens und des Heils, gleich dem Regen, der die Erde netzt, um ihr die Keime zu entlocken, die in ihrcnr Schoße ruhen. Vn bno iah* „Darum schreiten sie von Kraft zu Kraft", darum erneuert sich stets seine Kraft, darum schwingt es sich empor zu neuem verjüngten Leben, pso ''pbx nm», bis das endliche Ziel, das feiner und der Menschheit harrt, erreicht ist, „bis cs zu Gott in Zion hm geschaut wird", bis es und die gesammte Menschheit reif geworden ist für die herrrliche Zukunft, die Gott verheißen. *) Psalm 84. 7, 8.

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