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Der Israelit · 1889-01-10 · Heft 3 (10.1.1889) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 3 (10.1.1889)
Date
1889-01-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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48 Amerika. Newyork, 22. Dez. Bei der Einweihung des Montefiore Home am 18. d. M. hielt Herr Carl Schurz eine Rede, welche „The American Hebrew" wörtlich mittheilt. Herr Schurz wies zunächst auf die großen Verdienste und Charaktereigenschaften Montefiore's hin und schilderte dann die Entstehung und Zwecke des Montefiore Home, welches nicht blos für Juden, sondern für alle Leidende bestimmt ist. Das sei der richtige Geist, so eigenthümlich den Amerikanern, welche gegenüber der Pracht der königlichen Schlösser und Herrschaftssitze in der alten Welt auf ihre Schulen, Aerzte und Hospitäler Hinweisen können, die sämmtlich durch patriotische Freigebigkeit einfacher Bürger gegründet seien. Dann fuhr Herr Schurz fort: Um dem amerikanischen Volke diese stolze Unterscheidung zu verschaffen, haben die Juden ebensoviel gethan, wie irgend eine andere Klasse Bürger — nein, ich will hier wiederholen, was ich oft in Gegenwart Anderer gesagt habe — die Juden haben im Verhältniß zu ihrer Zahl viel mehr gethan. Ich wiederhole dies um so lieber, als ich jüngst Gelegenheit gehabt habe, den Ursprung, den Charakter und die Ziele der sog. „antisemitischen Bewegung" zu beobachten — einer Bewegung, deren dunkler Geist des Fanatisnius und der Verfolgung die menschliche Erleuchtung des 19. Jahrhunderts beschimpft, welche sich an das dümmste Vorurtheil und die blindeste Leidenschaft wendet, deren Ungerechtigkeit jeden Sinn für Billigkeit und Anstand beleidigt und deren Feigheit — denn Feigheit ist ein wesentliches Element in dem Versuch, die mitstrebenden Kräfte einer Handvoll Leute zu unterdrücken — deren Feigheit sage ich die Verachtung jedes, sich selbst achtenden Menschen Hervorrufen sollte. Angesichts dieser Bewegung, welche seit Jahren die europäischen Länder erregt und selbst ihre Schatten über den Ocean auf unsere Küsten geworfen hat, freut sich das menschliche Herz, wenn es den Präsidenten des Montefiore Home sagen hört, daß, während dieses dem Dürftigsten Israels Schutz gewähren, doch kein menschliches Wesen wegen seines religiösen Glaubens ausgeschlossen werden soll. Er mag den tobenden Antisemiten bei der Hand nehmen, ihm die durch jüdisches Geld, jüdische Arbeit, jüdischen öffentlichen Geist, Wohlthätigkeit und Hingebung gegründeten und erhaltenen Hospitäler, Waisenhäuser und Armenschulen zeigen und zu ihm sagen: „Wenn Ihr einen Kranken, Alten oder Kinder habt, welche sonst nirgendwo Hülfe finden können, haben wir hier Raum für dieselben und sie sind willkommen." Was hat der Antisemit daraufzu antworten? Nein, nein, diese „Bewegung" kann nicht lange dauern, sie muß in Schande untergehen, sie wird in ein schmähliches Grab verwiesen durch die edelen Triebe der menschlichen Natur uud die Civilisation des Zeitalters, und was übrig bleiben wird, ist der wohlthätige Einfluß und die süße Erinnerung an solche gute Thaten wie die Ihrigen und die Brüderlichkeit der Menschheit. Es hielten noch Ansprachen die Herren Eppinger, Jak. Schiff und Mayor Hewitt. Feuilleton. Kine jüdische Forschungsreise in Arabien.*) Die Gesellschaft verrichtete nun das Abendgebet, worauf sie sich der kühlen Abendluft wegen, auf der Terrasse des Hauses begab, um dort das Abendessen zu sich zu nehruen. Dasselbe bestand aus dem in Arabien unvermeidlichen Hammelfleisch, das auf verschiedene Arten zubereitet war und daher in mehreren Schüsseln auf den Tisch kam, und Huhn mit Reis. Die Schüsseln, in denen die Speisen aufgetragen wurden, hatten das Aussehen von Kesseln und waren so wohl von außen wie von innen weiß glasirt, da die Bewohner Riads vortreffliche Töpferwaaren zu erzeugen vermögen. Die Schüsseln oder vielmehr die Kessel wurden in die Mitte der Gesellschaft, die auf einer Binsenmatte in einem Kreise herum saß, gestellt, worauf dann die Gäste mit ihren Fingern zulangten, um einen guten Bissen herauszufischen. Als Getränke wurde Obstmost aufgetragen, der in Riad, wo fast jedes Haus und jede Hütte einen Obstgarten besitzt, sehr billig ist. Nach dem Essen trugen die Frauen des Hauses einige arabische Lieder vor, in denen zumeist jüdische Helden, Söhne des Benai Chaibar, wie sich die Juden in der arabischen Wüste gewöhnlich nennen, verherrlicht wurden. Die meisten dieser Helden hatten sich jedoch ihre Lorbeeren im Kampfe mit den wilden Thiren der Wüste oder mit den Straßenräubern geholt. Der Herr des Hauses erzählte hernach seinen Gästen seinen seltsamen Lebenslauf, wie er cs vom einfachen Messerschmied zum Waffenschmiede des Sultans von Riad gebracht, der ihm dann gestattete, sich in seiner Residenz häuslich niederzulassen und daselbst Grund und Boden zu erwerben. Später gestattete ihm der Sultan auch, *) Siehe Nr. 70 des vorigen Jahrgangs des „Israelit".!jawaaM.itn

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