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Der Israelit · 1889-01-10 · Heft 3 (10.1.1889) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 3 (10.1.1889)
Date
1889-01-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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42 werden könne." Herr Dr. Deutsch theilte auch mit, daß der Verstorbene y» zum Text seiner Antrittsrede als Rabbiner die Worte Jesaia 40, V. 26—31 gewählt, und wies die Bedeutung und Bewahrheitung nach, die diese Worte, insbesondere der Schlußsatz: „Aber die auf den Ewigen hoffen, legen an neue Kraft, sie treiben Schwingen, gleich den Adlern, sie laufen und ermüden nicht, gehen und ermatten nicht", im Leben des Verewigten gefunden. Die Rede, die es werth wäre, durch den Druck veröffentlicht zu werden, hat alle Anwesenden mächtig ergriffen und ihnen die Ueberzeugung gebracht '2 bmw'2 bz: ^rui i». Oesterr. - Ungar. Monarchie. Pefth. Unter den 200 neugewählten Stadträthen sind 55 Israeliten. Dieses Wahlergebniß ist um so bemerkenswerther, als unter den 400,000 Einwohnern 70,000 Juden sich befinden. Holland. Rotterdam. Der Stadtrath hat für das Jahr 1889 zu Gunsten des jüdischen Armenvereins 9700 fl. bewilligt. England. London. Baron Henry de Worms wurde zum Privy Councellor ernannt. Er und der verstorbene Sir Jessel sind die ersten Juden, denen diese Ehre zu Theil wurde. Marokko. Die Franziskaner in Tanger haben einer jüdischen Frauen-Wohlthätigkeitsgesellschaft einen Beitrag von 250 Dollars gewährt. ü Die Kriestasche des Negierullgsrattzes. Eine Geschichte aus der Zeit der antisemitischen Hochfluth. Von L. Meier. (Fortsetzung.) Mehrere schwarzgekleidete Damen waren anwesend. Die Räthin kam mir mit ausgebreiteten Armen entgegen und überschüttete mich mit einer Fluth von Danksagungen und Anerkennungen. Ich erzählte kurz die Vorgänge, ohne des Portefeuilles zu erwähnen. „Und — sagte Ihnen mein unglücklicher Gatte vor seinem Tode — Nichts — etwa, was mich betrifft oder meinen Sohn?" „Doch, gnädige Frau, dies werde ich Ihnen bei besserer Muße ausführlich erzählen", erwiederte ich, mit einem Seitenblick auf die anwesenden, mir fremden Damen. Sie ergriff meine Hand und zog niich mit sich fort. Wir durchschritten den Salon; in der Mitte desselben war die Leiche aufgebahrt. Man hatte dem Verstorbenen Balltoilette angezogen. Der Frack war mit einigen Orden geschmückt. Wir eilten an dem Todteu vorüber in ein kleines, entlegenes Zimmerchen. „Bitte, berichten Sie mir!" flüsterte die Räthin mit angstvoller Stimme. „Ihr sterbender Mann drängte mir eine Brieftasche auf, die ich nach längerer Weigerung annehmen mußte." Die Frau konnte sich nicht mehr aufrecht erhalten; wie gebrochen sank sie auf einen Stuhl nieder. „Guter, bester, junger Herr", flehte sie, „geben Sie mir die Brieftasche." „Verzeihung, Madame, Ihr Gatte trug mir auf, gewisse Briefe aus diesem Portefeuille zu verbrennen. Ich habe daher von seinem Inhalt Kenntniß genommen, und die Chifferschrift enträthselt. Ich weiß nun, was Ihr Gatte war und wer Sie sind." Das Weib sank vom Stuhle herab und erhob die Hände. „Gnade!" stöhnte sie, „Barmherzigkeit!" Ich trat einen Schritt von ihr zurück. „Seien Sie überzeugt", sprach ich kühl, „daß ich für Sie thun werde, was in meiner Macht steht und was ich meinem Gewissen verantworten kann." Da sprang sie wild empor. „Entsetzlich!" schrie sie. „Wir sind in die Hand unseres erbittersten Feindes gerarhen, auf Mitleid werden wir nicht zu rechnen haben. „Wir haben Sie beleidigt, schwer und ungerecht, und Sie, Sie werden uns nun vernichten! „Shylock wird auf seinen Schein bestehen und uns das Herz aus dem Busen reißen. Der Jude wird sich rächen, furchtbar rächen! — Für uns ist keine Hoffnung mehr." „Ihre Worte rühren mich nicht, Frau von Bronnfeld", entgegnete ich ernst. „Sie werden vergeblich verbuchen, mich durch kluge Reden zu bestechen, denn ich habe fest beschlossen, das zu thun, was ich für meine Pflicht erachte.

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