Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 3 (10.1.1889)
- Date
- 1889-01-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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41 Leiter des literarischen Bureau's der Reichskanzlei, Geheimrath Constantia Rößler genannt. Hiernach gewinnt der Inhalt jener Brochüre eine erhöhte Bedeutung. — Die Brochüre des Abgeordneten Cremer steht noch immer im Vordergrund der öffentlichen Diskussion. Dutzende von Leitartikeln sind in der politischen Presse darüber geschrieben worden; viele Blätter betrachten die Brochüre als einen Stoß des Fürsten Bismarck gegen HerrnStöcker und als eine erneute Niederlage der „Berliner Bewegung". Wir vermögen uns zu einer so optimistischen Aufaffung nicht emporzuschwingen. Nichts als Mohrengewäsch; Eine dieser Cremerseelen wird von der andern abgethan. — Zum Jahreswechsel erhielt in Paris, wie hies. Blätter melden, Frau Karoline Cahen das Officierkreuz der Ehrenlegion. Die jetzt 60jährige Dame und Wittwe eines talentvollen Arztes, zeichnete sich durch ihre Pflege der Verwundeten auf den Schlachtfeldern bei Metz und an der Loire aus. In Vendome dankte ihr der deutsche General öffentlich für die edelmüthige Sorgfalt, welche sie den deutschen Verwundeten hatte zu Theil werden lassen, und gestattete auf ihre Bitte, daß man die auf seinen Befehl hinweggenommene Fahne wieder auf dem Feldlazareth aufpflanze. Nach dem Kriege machte sie drei Reisen nach Deutschland, um die dortigen verwundeten Franzosen zu besuchen. Bei einer derselben wurde sie der Kaiserin Augusta vorgestellt, die sich zwei Stunden lang mit ihr unterhielt und ihr beim Abschied sagte: „Madame, ich wünsche, daß ein Band zwischen Ihnen und mir bestehe." Und ihr Rothes Kreuz abnehmend, legte sie es um den Hals der Frau Cahen, indem sie hinzufügte: „Dieses Kreuz hat keinen anderen Werth als den, das Abzeichen zu sein, unter welchem wir beide versucht haben, das Elend unsererMitmenschen zu lindern." — Das Leibblatt Böckels, die „Staatsbürgerzeitung", bringt seit einigen Wochen eine Reihe von giftgetränkten Aufsätzen über „die Juden in den Karparthenländern." Wir fühlen uns nicht berufen, den Augiasstall dieses Hetzblattes zu säubern; interessant ist es, daß der Verf. heut mitten in seinem wahnsinnigen Judenhaß Halt macht und ein zweiter Bileam die Worte schreibt: „Das eheliche Leben der orthodoxen Hebräer in den Karpathenländern — und andere gibt es dort nicht — ist schon auf den ersten Augenblick ein geradezumusterhaftes; ich habe nie von ehebrecherischen Hebräern, geschweige denn von untreuen Judcnweibern gehört." Zu fluchen ist er gekommen, und er mußte segnen! — Herr Dr. I. Rosen der g aus Rosenthal bei Marburg, ein Zögling des hies. Rabbiner-Seminars, ist als Nachfolger des Herrn Dr. Kroner zum Rabbiner von Brandenburg a. H. einstimmig gewählt worden und tritt sein Amt demnächst an. Bl. Burgpreppach, 6. Januar. Die Nachricht von dem Ableben des verewigten Rabbiner Hir sch^'w wurde hier erst am 1. Januar Mittags durch die „Frkf. Ztg." bekannt, wodurch es Vielen, die es sonst nicht verfehlt hätten, nicht mehr möglich war, sich nach Frankfurt zur Begräbnißfeier zu begeben. Um aber dennoch dem eigenen Schmerze, sowie dem Gefühle der Gemeinde und des Rabbinatsdistrikts einen entsprechenden Ausdruck zu geben, versammelte der Rabbiner, Herr Dr. Deutsch, die Mitglieder derselben in hiesiger Synagoge zur Abhaltung eines -isDn. In Anlehnung an die Worte des Wochenabfchnittes „Und seine Hände hielten aus bis die Sonne unterging", entfaltete der verehrte Redner in großen Zügen ein Lebensbild des Verewigten, das des großen Todten überaus würdig war. Eine verehrt. Redaktion dürfte mit Rücksicht auf ähnliche in den nächsten Wochen voraussichtlich sich mehrenden Correspondenzen nicht geneigt sein, einer ausführlichen Mittheilung dieser Rede die Spalten ihres Blattes zu öffnen; dennoch dürften einzelne Daten derselben, die auf uns den Eindruck des Unbekanntseins machten, von allgemeinem Interesse und der Veröffentlichung durch den „Israelit" wohl werth sein. Bei der Aufzählung der Werke und Schriften des Verewigten nannte Herr Dr. Deutsch noch eine theologische Streitschrift, die der Verewigte unter dem Titel „Jüdische Anmerkungen zu den Bemerkungen eines Protestanten über die Konfession der 22 Bremischen Pastoren" im Jahre 1841 in Oldenburg veröffentlicht hat. Dies war uns bisher nicht bekannt. — Bei der Aufzählung der Zeitstimmen, die den damaligen Landrabbiner von Emden, seinem Charakter, seiner Energie und Intelligenz Lob und Anerkennung spendeten, war uns von Interesse zu vernehmen, daß nicht blos Pletzner in seinem nmv px ihn „den musterhaften Rabbiner unserer Zeit" nennt, daß nicht allein Männer wie Israel Deutsch (nachgel. Briefe S. 51) für ihn begeistert sind, sondern daß, wie Jost, Grätz in ihren Geschichtswerken, auch Philipsohn, Frankel und Jellinek seinen Charakter und sein Wissen begeistert rühmen. Der Erstgenannte nennt ihn „einen Ehrenmann. geeignet der ergrauten Orthodoxie alles Schattenseitige zu benehmen und sie in helles Licht zu stellen"; der Andere rühmt seine Loyalität und Charakterfestigkeit, und der dritte sieht in ihm „einen Rabbiner, dem kein Zweiter zur Seite gestellt