Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1889)
- Date
- 1889-01-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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30 schaft in seiner Wirkungssphäre vor Ausschreitungen und Jnvektiven in Schutz nehmen. Der Bürgermeister erwiederte, daß er, soweit es in seiner Macht stehe, jeden ungerechtfertigten, in der Bevölkerung zu Haß und Zwietracht Anlaß gebenden Angriff auf Juden zurückweisen werde. Uebrigens besitze er im Gemeinderathe keinerlei Disziplinargewalt gegenüber den Rednern. Pesth. Am 2. Dezember öffnete die Pesther Chewra-Kadischa die Pforten ihres, der reinsten und edelsten Menschenliebe geweihten Heiligthumes allen denen, die den Drang in sich verspüren, mitzuthun und mitzuhelfen, wo es gilt, echt jüdische Wohlthätigkeit zu üben und in stiller, geräuschloser Weise Gutes fördern zu helfen. Diese nimmt in Intervallen von drei zu drei Jahren neue Mitglieder auf, um auf diese Art die während des abgelaufenen Trienniums verminderte Zahl ihrer Mitglieder nicht nur zu ersetze!?, sondern sie nach Möglichkeit zu vergrößern, was auch factisch nach jeder Aufnahme der Fall ist. In den Chewraverband wurden neu ausgenommen 901 Mitglieder. Bon diesen wurden 67 ehrenhalber d. h. unentgeltlich ausgenommen und 834 gegen Entrichtung der auf sie entfallenden Aufnahmsgebühreu. Bon den 834 neuen Mitgliedern erzielte die Ehewra eine Einkaufssumme von 29,149 fl., an Spenden für das Siechenhaus gingen ein 1645 Gulden und ein Ducaten; für dasBeamtenpersonal der Ehewra lief ein 1409 Gulden; endlich spendete der könig. Notar Ignaz Mannheimer als Zeichen seiner besonderen Zufriedenheit mit dem Wirken der Ehewra, für deren humanen Zwecke 200 fl., somit einvernahmte die Ehewra in blos wenigen Tagen den respectablen Betrag von 32.403 fl. und einen Ducaten! Aus dem gleichen Anlässe hat die Gemeinde an Jncorporationsgebühren und Spenden von den Neuaufgenommenen 8616 fl. erhalten, demnach hat die jüdiche Wohlthätigkeit, die für unsere Verhältnisse und in den jetzigen Zeitläuften horrende Summe von 41,019 fl. und einen Ducaten gerne und willig geopfert! Rumänien. I)r. C. Bukarest, 28. Dezember. Die Hafenstadt BrLila, an der Donau gelegen, ist eine der wenigen in unserem Lande, die trotz regierungsseitiger Nichtanerkennung von israelitischen Gemeinden in dieser Beziehung einen geräuschlosen Gang geht und nach außen ein Bild der Ordnung darbietet. Von Mißhelligkeiten von Vereinsbezw. Gemeindesachen habe ich von dort her nie etwas gehört, dagegen ist es bekannt, daß schon seit etwa 1872 eine israelitische Schule für Knaben ununterbrochen funktionirt, die, mit guten Lehrkräften versehen, auf solider Basis ruht und durch die Generosität des Garderobeimporteurs M. Schwarzmaiii! voriges Jahr sogar ihr eigenes Heim erhalten hat, indem derselbe aus seinen Mitteln ein Haus baute und es ihr zum Geschenk machte. Für eine Mädchenschule hat sich in diesem Jahr ein Spezialverein konstitnirt. Auch eine schöne Hauptsynagoge ist seit Jahren vorhanden, die mit Gemeindcmitteln erbaut wurde. Nun hat man sich neueftens zusammengethan, um ein israelitisches .Krankenhaus und ein Asyl für Obdachlose zu errichten. Letzteres aber soll, glaube ich, der Stadt und mehr den anderen ^Nationalitäten zu Gute kommen, doch ist die Initiative von Israeliten ergriffen. Die Basis der bisherigen Bestrebungen ist der direkte Vereinsbeitrag und dies ist auch bei den neuen Vornahmen der Fall, indem eine Einzahlung von einem Frank monatlich festgesetzt wurde. Der Verein, welcher den Namen „Marpeh Lenefesch" führt und schon 200 Mitglieder zählt, ist im Stillen schon seit dem 15. September thätig und erst vor Kurzem trat er mit einem Aufruf an die Oeffentlichkeit. Da unterdes; die Summe von 560 Frcs. aufgebracht wurde, so hat das Vcrwaltnugskomite, bis man in die Lage kommen wird, ein Hospital zu errichten, beschlossen, vorläufig das Asyl in's Leben treten zu lassen für diejenigen, die ohne Obdach und Nahrung sind. Zn diesem Zweck ist zunächst miethsweise ein geräumiges Gebäude in Stand gesetzt worden und man hofft mit der Zeit durch die Beiträge der Mitglieder, durch Schenkungen und die hier bei allen Wohlthütigkeits-Gelegenheiten üblichen Tanz-Unterhaltungen, Theater-Vorstellungen u. s. w. zu den nöthigen Fonds zu gelangen, um beide Institute in vereinseigenthümlichen Gebäuden installiren zu können. Das Berwaltungskomitö besteht aus dem in allen israelitischen Angelegenheiten stets rührigen Herrn Adolf Kormann, als Vorsitzenden, den Herren I. B. Schwarz, stellvertretenden Vorsitzenden, I. G. Schäfer und H. Gedalje, Kassirern, sowie einem Ausschuß von neun Mitgliedern und zwei Nechnungskontroleuren. Es ist dem Verein gutes Gedeihen und den anderen Städten Nachahmung zu wünschen. — Einige bedauernswert!) e Vorfälle werden mir aus Piatra bekannt. In einem an der Chaussee nach Bakau gelegenen Hause wurde die Wittwe des Pinkas, des Silberschmieds, mit ihrer Tochter von sechs Uebelthätern überfallen, beraubt und mörderisch geschlagen, so daß die Mutter schwer krank und in Lebensgefahr ist. Ein junger Mann mit Namen David Sohn