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Der Israelit · 1889-01-07 · Heft 2 (7.1.1889) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 2 (7.1.1889)
Date
1889-01-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX. Jahrgang. Beilage zn^rLües, Jgraelit“&, Jefdjurun“. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Leipzig. Am jüngsten Mittwoch fand hier eine Versammlung statt, die von mehreren hiesigen Gelehrten einberufen worden war, bezüglich einer Stellungnahme gegen die Leipziger Antisemiten. Es waren ungefähr 50 Personen erschienen, darunter auch sehr angesehene Kaufleute. Man einigte sich dahin, daß demnächst eine zweite Versammlung stattfinden solle', in welcher eine zuverlässige Lifte aller hiesigen bekannten Antisemiten fertig gestellt werden wird. Ferner wird es die Aufgabe der Versammlung sein, durch fortgesetztes Versenden von Flugblättern an die Adressen der Leipziger Israeliten Aufklärung zu verschaffen, wo die Israeliten kaufen können; gleichso, in welchen Wirthschaften sie verkehren können, ohne Beleidigungen ausgesetzt zu sein. Endlich aber sei mit aller Anstrengung dafür Sorge zu tragen, daß judenfeindliche Blätter nicht durch Inserate von Israeliten unterstützt werden, und im Auge sei ferner der Besuch des Stadt-Theaters zu halten, soweit von der Direktion das Treiben des bekannten a n t i s e m i t i s ch e n D r a m a t u r g e n geduldet wird. Es ist bereits eine Lifte mit 47 Unterschriften da, welche die Beweise der Entschlossenheit liefert. Luxemburg. Luxemburg, 19. Dezember. Die antisemitische Bewegung, die gegenwärtig durch verschiedene Länder geht, ist nicht ohne Einfluß auf die luxemburg. Kammer geblieben. Letzterer waren in ihrer gestrigen Sitzung 11 Naruralisationsgesuche von Ausländern unterbreitet worden, unter denen sich 6 Israeliten befanden. Die Gesuche der Israeliten wurden sämmtlich verworfen, während die übrigen sämmtlich angenommen wurden. (Köln. Ztg.) Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 27. Dezember. Auch für die heutige Sitzung des Gemeinderathes war ein antisemitisches Skandälchen geplant, das indeß erst in der morgigen Sitzung ausgetragen werden dürfte. Bürgermeister Uhl hatte vor mehreren Tagen eine Besprechung mit dem Statthalter Freiherr» v. Possinger. Im Verlaufe des Gespräches kamen auch die Vorgänge zur Sprache, zu deren Schauplatz der Gemeinderathssaal kürzlich von Seite der Antisemiten gemacht wurde, und der Statthalter gab seiner Verwunderung über den rüden Ton, der da angeschlagen wurde, Ausdruck. Bürgermeister Uhl erwiderte, daß die Art, wie diese Herren ihr Mandat auffassen, Niemanden verwundern dürfe. Unbeanstandet von Seiten des anwesenden Regicrungs-Eommissärs würden seit Jahren in diesem Tone in Vereins¬ und selbst in Wählerversammlungen Reden gehalten, die nun ihren Nachklang im Gemeinderathe fänden. Diese Aeußerung des Bürgermeisters, welche in die Oeffenlichkeit gedrungen war, gab nun den Herren Vetter und Genossen heute Anlaß, eine Interpellation au den Bürgermeister zu überreichen, welche, wie verlautet, von Jnvectiven strotzt und den Bürgermeister des Denunciantenthums beschuldigt. Da die Interpellation, entgegen den Vorschriften der Geschäftsordnung, nicht innerhalb der vorgeschriebenen Frist eingebracht wurde, lehnte der Bürgermeister heute die Verlesung ab, und es ist überhaupt fraglich, ob dieselbe stattfinden wird, da bisher der Usus eingchalten wurde, Anträge und Interpellationen. deren Form die Würde und das Ansehen des Gemeinderathes und seiner freigcwählten Funktionäre verletzt, nicht zur Verlesung zu bringen. Sollte aber Bürgermeister Uhl sich entschließen, die Interpellation zu publiciren, so wird er hoffentlich den Herren die Antwort nicht schuldig bleiben. In jedem Falle haben wir wieder einen Skandal zu gewärtigen, au dem nach den bisher gemachten Erfahrungen auch die Gallerte lebhaften Antheil nehmen wird, tzuousgue ranäem! Wien, 28. Dezember. Bürgermeister Uhl brachte auch heute die gestern überreichte Interpellation der Antisemiten, welche Beschimpfungen des Gemeinderathes, der Presse und des Bürgermeisters enthielt, nicht zur Verlesung, indem er darauf hinwies, daß es seine Pflicht sei, die Würde des Hauses und den Anstand zu wahren. Das entschiedene Auftreten des Bürgermeisters verfehlte auch seine Wirkung nicht, und Herr Vetter versicherte ziemlich kleinlaut, es sei ihm nicht eingefallen, Jemanden zu beleidigen. Um jedoch seine Niederlage einigermaßen zu beschönigen, erklärte er, die Interpellation noch einmal in anderer Form einbringen zu wollen. Wien, 2. Januar. Gestern erschien eine Deputation der israelitischen Kultusgemeinde beim Bürgermeister mit der Bitte, dieser möge die Juden-

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