Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1889)
- Date
- 1889-01-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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12 Verfahren gültig vertreten sei, den Charakter einer juristischen Person verleihe. Letzterer habe jedoch nur diejenigen Amtsbefugnisse, welche das Gesetz ihr zugewiesen; im vorliegenden Falle sei nicht das israelitische Consistorium von Luxemburg, wohl aber die jüdische Religion als solche angegriffen worden und habe das Consistorium von Luxemburg keineswegs die Aufgabe, im Namen der ganzen jüdischen Religion in das schwebende Strafverfahren einzugreifen, da eine solche Befugniß ihm gesetzlich nicht zuerkannt worden sei. Die Staatsanwaltschaft beantragte mithin die Bestätigung des erstrichterlichen Urtheils. Das Erkenntniß des Obergerichtshofes wird in der Sitzung vom 22. Dezember verkündet werden. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Budapest, 25. Dezbr. Zwischen den beiden Einjährig-Freiwilligen K. und F. kam es zu einem Säbelduell mit blutigem Ausgange; K. wurde so schwer verwundet, daß man für sein Leben besorgt ist. Die Ursache des Duells ist eine ähnliche, wie in dem traurigen Falle Blum-Eichler. K. ein eifriger Antisemit, hatte F., der Jude ist, mehrnials beleidigt, schließlich war es zu Thätlichkeiten gekommen und das Duell war die Folge. England. Londou, 24. Dezember. Mit dem Tode des Laurence Oliphant, der gestern im Hause seines Freundes Sir M. Grant Duff in Twickenham erfolgte, ist ein ebenso romantisches, als,'vielbewegtes Leben zu Ende gekommen. Seine Jugendjahre verbrachte Oliphant in Ceylon, wo sein Vater, Sir Anthony, eine Richterstelle bekleidete. Als Jüngling erhielt er seine Ausbildung auf einer langen Tour durch Europa, auf der er seinen Vater begleitete. Auf dieser Reise machte der 20jährige Mann die Bekannschaft der italienischen Patrioten am Vorabend der Revolution; er half mit, als das österreichische Wappen in Rom verbrannt wurde; beim Bombardement von Messina durch die Neapolitaner kam er beinahe um's Leben. Dann kehrte er nach Ceylon zurück, machte Jung Bahadoor's Bekanntschaft und schilderte seine Eindrücke des feenhaften Landes in seinem Erstlingswerk „Katmandu", ein Buch, das ihm ebenso großen Ruhm als Geldgewinn eintrug. Nach Europa zurückgekehrt, wurde sein Projekt einer Reife nach dem Lappland durch die Regierung vereitelt, statt dessen trieb er sich in der Krim und in Südrußland umher und schilderte seine Erlebnisse in einem brillanten Buch. Am Vorabend des Krimkrieges begleitete er Lord Elgin als Privatsekretär nach Washington, schilderte Minnesota und den Far West, sowie seine Abenteuer am Red River, kehrte mit Lord Elgin nach Europa zurück, um seinen Plan auszuführen, den Tscherkeffenfürsten Schamyl im Kaukasus aufzusuchen: doch unterblieb diese abenteuerliche Fahrt, Dank der Opposition des Lord Stratford de Redclyffe. Statt dessen machte er Omar Paschas Feldzug im Transkaukasus mit. Später finden wir den Abenteurer mitten in den aufregenden Auftritten des Sepoyaufstaudes in Indien; in China erkletterte er unter den ersten einer auf den Sturmleitern die Befestigungen von Kanton; in Japan, wohin er als Charge d'Affaires ging, war er anwesend bei dem verzweifelten Angriff auf das britische Gesaudschaftshotel, und wurde beim nächtlichen Handgemenge furchtbar von einem Ronin verstümmelt. Im Vergleich mit diesen aufregenden Abenteuern als Politiker, Militär und Diplomat ist sein Wirken als Abgeordneter im Parlament, dem er 1865 bis 1868 als Vertreter für Stkrliug angehörte, eintönig, wenn auch vom literarischen Gesichtspunkte aus fruchtbar zu nennen. In diese Zeit fällt das Erscheinen seines spannenden Romans „Piccadilly". Reisen nach Italien, wo er Cavour traf und von Garibaldi zur Theilnahme am sizilischeu Feldzug eingeladen wurde, nach Montenegro, Albanien in's Lager der polnischen Insurgenten füllen einige kleine Lücken dieses abenteuervollen Lebens aus. Dann verschwand Oliphant plötzlich während des Sezessionskrieges in Amerika, wo er unter den bestrickenden Einfluß des Propheten Haaris gerieth, dessen Bekanntschaft er in Europa gemacht hatte. Man hörte nur gelegentlich von ihm als einem der Gründer einer transatlantischen Telegraphengesellschaft. Da brach der deutsch-französische Krieg aus; als Kriegskorrespondent der „Times" wirkte er im deutschen Hauptquartier in Versailles, begleitete den Großherzog von Mecklenburg mit der Südarmee an der Spitze der Truppen. Er schien ein gefeites Leben zu besitzen. S ch i cks a l e und Zukunft des hebräischen Volkes übten auf ihn einen fascinirendeu Einfluß aus. und die Kolonisirung Palästina's durch Hebräer wurde von ihm auf's Eifrigste befürwortet. Seine Expedition in's Land Gilead, sein Aufenthalt in Haifga, wo er unter den: Schatten des Berges Karmel sein Heim aufschlug, waren eine literarisch sehr fruchtbare Epoche; als Alterthumsforscher, als Freund und Rathgeberseiner Nachbarn, besonders der Drusen, als Literat war er keinen Augenblick unbeschäftigt; sein Einfluß über die Eingeborenen war unbegrenzt. Einen Winter brachte er mit seiner Frau in der wenig bekannten egyptischen Oase Fayoum zu, und „das Land Khemi"