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Der Israelit · 1889-01-02 · Heft 1 (2.1.1889) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 1 (2.1.1889)
Date
1889-01-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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5 tes freigesprochen werden mußte. Der Redner brachte dem Ausschüsse die Mittel zurKenntniß, welche die Agitatoren benützten, um die Geschworenen in dem Sinne zu beeinflussen, damit diese mit einer Verurtheilung Vorgehen. Kein Mittel war diesen Leuten zu schlecht. Ais der Prozeß zum drittenmale ausgenommen werden sollte, hatte man gedruckte Zettel überall in allen öffentlichen Localen, in welchen die Volksrichter zu verkehren pflegten, auf den Tischen und den Bänken aufgelegt oder auf den Boden zerstreut, deren Inhalt ein Appell an die Geschworenen bildete, die Angeklagten zu verurtheilen, ferner erhielt jeder Geschworene den berüchtigten Briemanschen Judenspiegel zugeschickt, damit er sich daraus gehörig „informiren" könne. In der That gelang es den Agitatoren, die Geschworenen zu überzeugen und es erfolgte zum drittenmale die Verurtheilung des Ritter'schen Ehepaares zum Tode durch den Strang. Zu solchen Resultaten gelange man in einzelnen Fällen, schloß Dr. Machalski seine Ausführungen, wenn man sein Schicksal dem Urtheilsspruche der Geschworenen anvertraue. — Diese Mittheilungen des Krakauer Abgeordneten über das nichtswürdige Treiben, welches bei Gelegenheit jenes Prozesses von gewisser Seite arrangirt worden, um ein Todesurtheil über unschuldige Menschen herbeizuführcn, hat nicht verfehlt in parlamentarischen Kreisen großes Aufsehen zu erregen. Budapest, 29. Dezember. Berichte aus Bessarabien melden, daß der Fremdenukas des Zaren dort gegen die Juden grausam gehandhabt werde. England. London, 23. Dezember. Der Sohn unseres Delegate Chief Rabbi Dr. Herrmann Adler n feierte gestern sein Bar-Mizwah-Fest, bei welcher Gelegenheit der Familie Adler die seltene Ehre zu Theil wurde, daß Lord R othsch i l d als Gast zum dejeüne erschien. Der Lord sprach beim Anschneiden des Sabbaibrodes laut vernehmbar die rona N’snön und brachte am Schluffe der Mahlzeit einen herrlichen Toast aus. Auch der Banquier Herr Benjamin Cohen hielt eine geeignete Ansprache. Natürlich servirte man ausschließlich „Koscher-Wein", der von Gebrüder Lob aus Frankfurt a. M. geliefert wurde. Portsea, (Engl.) Am 11. d. Mts. fand die Einweihung einer neuen Synagoge in Grimsby, einer kleinen Hafenstadt in England unweit Hüll statt. Vor langer Zeit schon hatten sich Einzelne unserer Glaubensbrüder in diesem Orte niedergelassen und den Gottesdienst in einem hiezu gemietheten Lokale abgehalten. Die Gemeinde wuchs jedoch im Laufe der Zeit beträchtlich an, und das Bedürfniß eines eignen Bethauses verbunden mit einem Schullokale stellte sich immer dringender heraus. Den vereinten Bemühungen einzelner energischer Mitglieder gelang es, das allgemeine Interesse an dem Vorhaben der Gemeinde rege zu machen und ein Grundstück zu erwerben, das ihnen von dem dortigen Grundbesitzer und Parlamentsmitgliede, Herrn Eduard Heneage, einem Christen, in großmüthiger Weise zum Geschenke überlassen wurde. — Nach vielen pekuniären Hindernissen und Schwierigkeiten — die Gemeinde ist klein und unbemittelt — zu deren endlichen Ueberwindung Se. Ehrwürden Herr Dr. Hermann Adler, stellvertretender Oberrabbiner, im Wege der Sammlung in London sehr viel beitrug, kam der Bau zu Stande. Die hübsche, im byzantinischen Style erbaute Synagoge, 300 Personen fassend, hat eine große Vorhalle und daranstoßende Schulzimmer zur Ertheilung des Religionsunterrichtes rc. an die Schuljugend. Die Einweihung war imposant und erhebend und fand im Beisein vieler Honorationen der Stadt und Umgebung statt. Nachdem die üblichen Gebete und Ceremonien vorüber waren, bestieg der genannte Herr Dr. Adler die Kanzel und hielt eine in Form und Ausdruck meisterhafte Rede. Anknüpfend an den Text im Buche Esra Kap. 6, Vers 16, n'jtd ’ja royi nnrc nan rra nain unbi ’ja “inkh N’fti hob der Redner zunächst hervor, daß das Wort min Freude verbunden mit heiliger Ehrfurcht und feierlichem Ernst bedeute. — Von diesen Gefühlen müsse jedoch die Gemeinde nicht blos am Tage der Einweihung, sondern so oft sie das Gotteshaus besuche, beseelt sein; tiefe Andacht und feierliche Ruhe müssen stetsdarinherrschen, begleitet von Gefühlen gegenseitigen Friedens und Wohlwollens. Mit diesem Hause sei die Schule in Verbindung, in welcher die Jugend in der heiligen Thora unterrichtet werden soll, so daß die Worte des Gebetes tu mym kein leerer Schall, sondern praktische Verwirklichung sein mögen. Sehr nachdrücklich betonte der Redner, daß Gotteshaus und Schule ihren Einfluß auf das alltägliche Leben im Hause und außer dem Hause des Israeliten ausüben müssen: in der Heilighaltung der Sabbate und Festtage, in der Beobachtung der göttlichen Gebete und Verbote und im streng redlichen Handel und Wandel mit allen Menschen ohne Rücksicht auf Glauben und Abstammung, so daß der Name Gottes durch Israel allenthalben geehrt werde. Diese Synagoge habe den Namen „Moses Montefiore Synagoge"; so möge denn das Beispiel des edlen, hochverehrten Verblichenen, ihnen stets

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