Mannheim
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Der Israelit · 1889-01-02 · Heft 1 (2.1.1889) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 1 (2.1.1889)
Date
1889-01-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4 Kaiser-Jubiläum zeichnet sich durch Schwung und eine wirkungsvolle Sprache aus. Besonders geistvoll ist die Benützung des Schriftverses: „Friede mit euch, fürchtet nicht!" Wie wir vernehmen, hat diese treffliche Schrift bereits einen ansehnlichen Erlös erzielt. Mannheim, 27. Dezember. Sie haben neulich in Ihrem geschätzten Blatte einen kurzen Auszug aus der Rede gebracht, welche Herr Regierungsrath Dr. Mayer von Karlsruhe, der als Mitglied und Vertreter des Gr. Oberraths der Israeliten der Feier der Einweihung unserer neuen Klaussynagoge und der mit dieser verbundenen religiösen Unterrichtsanstalten anwohnte, bei dem Festmahle gehalten hat. Ich bin heute in der Lage, nachstehend den Wortlaut des fraglichen Toastes mitzutheilen. Nachdem Redner zunächst für die von dem Vorsitzenden der Festversammlung der genannten Centralbehörde gewidmeten Worte der Anerkennung gedankt hatte, fuhr derselbe also fort: „Meine Herren l Ich gehöre nicht zu Denen, für welche das Judenthum an sich, losgelöst von der übrigen Menschheit, die Welt bedeutet, die sich um Alles, was außerhalb des spezifisch Jüdischen liegt, am Liebsten nicht kümmern. Die Existenzberechtigung des Judenthums kann vielmehr meines Erachtens nur darin begründet sein, daß es keineswegs allein für die kleine Zahl seiner Bekenner, sondern für die ganze Menschheit zum Segen ist. Wer auch nur die Geschichte der letzten Jahrzehnte mit Aufmerksamkeit verfolgt hat, für den bedarf es nicht erst eines näheren Beweises, daß das Judenthum noch heute eine notwendige Welteinrichtung ist und daß wir der Menschheit keinen größeren Dienst erweisen können, als wenn wir unsere jüdischen Grundsätze, unsere jüdischen Ideen und Ideale, unbekümmert um äußere Anerkennung oder Anfechtung, mit Begeisterung und Ausdauer Hochhalten (Bravo!). Diese Ueberzeugung kann auch dadurch nicht im mindesten erschüttert werden, daß in unserer materialistischen Zeit so viele Zweige am Baume des jüdischen Lebens absterben. Die jüdische Geschichte bietet ja zahlreiche Beispiele, daß nicht nur Einzelne, sondern ganze Stämme, ja nahezu das ganze Volk dem Judenthume den Rücken kehrten, und trotzdem entfaltete es sich immer wieder zu neuem Wachsthum, getragen von dem Geiste und dem Opfermuthe einiger weniger Bekenner. Daran darf gerade heute, am Vorabend des Makkabäerfestes, mit Stolz und Zuversicht erinnert werden. Ich freue mich, daß der Sinn für unsere historische Vergangenheit, für unsere altehrwürdige Religion, welche so reiche Schätze für Geist und Gemüth bieten und unerschöpfliche Quellen edelster idealer Erhebung sind, in dieser großen Gemeinde noch eine sichere Stätte hat. Möge es immer so bleiben und möge die schöne Anstalt, deren Fertigstellung wir heute feiern, eine starke Hilfe sein zur Erhaltung und Kräftigung des religiösen Lebens in der israelitischen Gemeinde Mannheim und damit in der ganzen badischen Judenheit. In diesem Sinne trinke ich auf das Wachsen, Blühen und Gedeihen dieses hervorragenden jüdischen Gemeinwesens. Die israelitische Gemeinde Mannheim lebe hoch!" Lobseris, Ende Dezember. Unsere Gemeinde hat durch den am 20. d. Mts. eingetretenen Tod des 73 Jahre alten Kaufmannes Elias Benjamin einen großen, fast unersetzlichen Verlust erlitten. Benjamin hatte sich sehr um die hiesige jüdische Gemeinde, in welcher er im Sinne des orthodoxen Judenthums 28 Jahre lang das Amt eines Vorstehers bekleidete, verdient gemacht. Der Heimgegangene, welcher alle ihm gewordenen Ehrenämter als Präsident der Chebra-Kadischa, Bikur- Chaulim, Malbisch- Arumim in uneigennützigster Weise verwaltete, war stets den Armen ein Helfer und hat sich durch seine Thaten und Wirken in der Gemeinde und über diese hinaus ein bleibendes Andenken gesetzt. Der Rabbiner Herr Dr. Klemperer aus Bromberg, welcher die Leichenrede hielt, hat am Grabe in beredten Worten den Verdiensten des Verblichenen Ausdruck gegebeu. Möge ihm die Erde leicht sein! Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 17. Dez. Bei der Verhandlung im Anarchisten - Ausschüsse über die Aufhebung der Schwurgerichte sprach der Krakauer Abgeordnete Dr. Ritter v. Machalski und brachte einige Reminiscenzen aus dein bekannten Proceß Ritter zur Kenntniß des Ausschusses. Erbezeichnete auf Grund seiner Erfahrungen als Advokat die Verdicte der Geschworenen als ein reines Glücksspiel. Die Socialiften, meinte der Vertreter der Stadt Krakau, seien geradezu zu beglückwünschen, wenn man sie der Glückslotterie der Geschworenen entrücken werde. Als Beweis für seine Behauptung führte der Abgeordnete Machalski den sattsam bekannten Proceß des jüdischen Ehepaares Ritter, das wegen des Verdachtes, einen Mord begangen zu haben, von den Krakauer Geschworenen dreimal zum Tode durch den Strang verurtheilt war und schließlich vom Obersten Gerichtshöfe mangels jedes Schuldmomen-

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