Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1889)
- Date
- 1889-01-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 modern gebildete deutsche Rabbiner und lebte, lehrte und wirkte im Sinne und im Geiste seiner großen Vorgänger. Hunderte von Schülern strömten aus allen Gegenden Böhmens, Mährens und Ungarns nach Nikolsbnrg, um des deutschen Rabbi Lehre und Unterricht zu genießen. Die Stürme des Jahres 1848 ließen den Nikolsburger Landrabbiner auch auf dem Gebiete der Politik thätig sein. Er wurde in den österreichischen Reichstag gewählt, der in K r e m s i e r tagte und blieb Mitglied desselben bis zu dessen Auflösung. Im Jahre 1S51 traten in Frankfurt a. M. elf Gemeindemitglicdcr zusammen, um sich von der der Reform ergebenen Hauptgemeinde zu trennen und eine orthodoxe Religionsgesellschaft zu gründen. Der Gedanke fand Anklang, die Zahl der Mitglieder mehrte sich und man schritt zur Wahl eines Rabbiners. Rabbiner Hirsch wurde ersucht, diese Stelle zu übernehmen, und er, der nacheinander Großherzoglicher, Königlicher und Kaiserlicher Landrabbiner gewesen, sagte mit Freuden zu, Rabbiner einer Privatgesellschaft zu werden, weil er hoffte, in dieser Stellung Großes und Bedeutendes erwirken zu können. Als dieser sein Entschluß bekannt wurde, herrschte im ganzen mährischen Lande tiefste Betrübniß. Hunderte von Vorstehern und Rabbinern wallfahrten nach Nikolsburg, um den verehrten Landesrabbiner zum Verharren in seiner damaligen Stellung zu bewegen. Die Hoffnung jedoch, die dieser auf eine gedeihliche Wirksamkeit in Frankfurt a. M. setzte, ließ ihn allen Bitten gegenüber in seinem Vorsatze unerschütterlich bleiben. Und wie bat sich diese Hoffnung bewährt; Durch Rabbiner Hirsch ist die israelitische Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. eine wahrhafte Mustergemeinde geworden. Die jüdische Realschule, die höhere Töchterschule, die jüdische Volksschule, die er in's Leben gerufen, zum Gedeihen und zur Blüthe gebracht, haben bereits Geschlechter herangebildet, die treu und fest halten am Väterglauben, am jüdischen Religionsgesetze, die für Israels Heiligthümer begeistert find. — Sammtliche Gemeindemftitutwnen tvinbeu in mustergiltiger Weise gegründet und entwickelt. Trotz dieser großen Wirksamkeit in Gemeinde und Sckule fand Rabbiner Hirsch noch Zeit zu publicistischer und wissenschaftlicher Thätigkeit. Im Jahre 1854 gründete er den „Jeschurun", eine Zeitschrift zur Förderung jüdischen Geistes und Lebens in Haus, Gemeinde und Schule. Seine Kommentare zum Pentateuch, zu den Psalmen und j zu dcu Sprüchen enthalten groß? Schätze geistreicher Erklärungen des heiligen Schriftworts und der talmudischen und midraschischen Exegese. Wir können diese diographische Skizze nicht fchließcll, ohne der edlen Gattin zu gedenken, die dem großen Manne länger als ein halbes Jahrhundert zur Seite gestanden und die ihm einige Jahre im Tode vorangegangen; wir wollen ferner nicht unerwähnt lassen, daß seine zahlreichen Kinder : Söhne, Töchter, Schwiegersöhne und Schwiegertöchter sämmtlich zu den Säulen des orthodoxen Judenthums gehören, und daß bereits erwachsene Enkel in dem Geiste leben und wirken, welcher von dem Großvater so mächtig ist angeregt worden; in demselben Geiste werden auch die Urenkel erzogen werden. Jetzt ist er verstummt, der Mund, welcher des Geistes Fülle über die lauschenden Hörer zu ergießen pflegte; dennoch tönt die Lehre des großen Weisen fort und fort. Was er gethan und geleistet, ist nicht nur für den vorübergehenden Moment, sondern für die Ewigkeit geschehen. — Was er für die Gewiffeusfreihcit') geleistet, was er für die Vereinigung der in der Zerstreuung lebende», gesetzestreueu Inden gethan,2) die Institutionen, die er in seiner Gemeinde geschaffen , das Alles wird segensreich fortwirkeu bis an das Ende der Tage pnL \*v ohy -ab. Aas Leichenbegängnis! bc§ Herrn Rabbiner Hirsch y"j, welches heute, den 1. Januar, Vormittags 10 V2 Uhr stattfand, gestaltete sich zu einem höchst imposanten. Etwa zwölf- bis fünfzehntausend Menschen waren erschienen, um dem geliebten Lehrer und Führer die letzte Ehre zu erweisen, darunter viele Rabbinen und Vorstände auswärtiger Gemeinden aus der Nähe und der Ferne; wir erwähnen: Rabb. Dr. Hildesheimer ans Berlin, Rabb. Dr. Gnggenheimer aus Eolliu, Rabb. Dr. Plato aus Köln, Rabb. S. Vamberger ans Aschaffeuburg, Rabb. N. Bamberger aus Würzburg, Rabb. M. L. Bamberger aus Kissingen, Rabb. Dr. Lehmann aus Mainz, Rabb. Dr. Kahn aus Wiesbaden, Rabb. Dr. Marx aus Darmftadt, Rabb. Dr. Auerbach aus Halberstadt, Rabb. Dr. Säuger aus Bingen, Rabb. Dr. Cahn aus Fulda, Rabb. Dr. Ehnuaun aus Baden (Schweiz), Rabb. Dr. Koref aus Hanau, Rabb. Dr. Kohn aus Basel, sowie die Rabbiner der Frankfurter Gemeinde, 1) Austrittsgeseh. 2) Freie Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums.