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Der Israelit · 1882-12-20 · Heft 51 (20.12.1882) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 51 (20.12.1882)
Date
1882-12-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1272 Feuilleton Per Letzte. Erzählung von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) „Da wären wir ja eigentlich schon inmecklarc,« meinte Sonnensels, als er mit dem Bürgermeister allein blieb. „Sie sprechen von einer Hinrichtung, die übermorgen stattfinden soll — wer ist der Verurtheilte, welches Verbrechens wurde er angeklagt, in welcher Weise wurde der Schuldbeweis erbracht?" „Das hiesige Kriminalgericht hat den Lucker Schutzjuden Abraham Duppau eines grausamen Mordes, also eines überschweren Verbrechens wegen, zum Tode durch Radbrechen von unten hinauf verurtheilt, und der Deliquent wird übermorgen auf diese Art vom Leben zum Tode gebracht werden." Sonnenfels' Züge verdüsterten sich und seine Stimn:e klang leicht verschleiert, als er nach einer Pause sprach: „Die von Ihnen genannte Todesstrafe zählt, seitdem unsere allergnädigste Kaiserin die früher bestandenen unnatürlichen, grausamen, die Menschheit schändenden, als: Lebendig Schinden, Pfählen u. m. A. aufgehoben, zu den schwersten .... Nach der peinlichen Gerichtsordnung mußten Sie das Urtheil der härteren Todesstrafe dem Obergerichte zur Bestätigung vorlegen." „Es ist von diesem vollinhaltlich bestätigt worden." Sonnenfels stützte den Kopf in die Hand. Es trat eine Pause ein, endlich sprach er: „Darf ich bitten, Herr Bürgermeister, mir die species facti, wie sie und auf welche Weise sie zur Kenntniß des Gerichtes gelangten, dann auch den Gang und Verlauf der Untersuchung anzugeben?" „Ich diene Ihnen gerne, Herr Regierungsrath. Der Sachverhalt war folgender: Am 19. des vorigen Monates erstattete der Bauer Claudy Rodler, der auf seinem, an der Straße von D. nach C. gelegenen, einschichtigen Hofe wohnt, die Anzeige, daß seine Frau in der vergangenen Nacht in grausamer Weise ums Leben gebracht worden war. Er gab Folgendes zu Protokoll: Er wäre von einer kurzen Reise, etwa zwei Stunden nach Mitternacht mit feinem Wagen nach Hanse gekommen. Seinen Knecht, der mit ihm auf dem Wochenmarkt gewesen, hatte er in einem Städtchen zurückgelaffen, weil er dort von einem Müller Geld für ihn einkasfiren sollte; der zweite Knecht war in seine Heimath bei der Hochzeit seiner Schwester, von den beiden Mägden wäre eine zu ihrer, in einem 6 Stunden entfernten Dorfe wohnenden kranken Mutter zu Besuch gegangen: während die zweite, die sich bei der Arbeit einen Arm verrenkt hatte, für einige Tage zur Heilung in ein nahegelegenes Nonnenkloster beurlaubt worden war, so daß sein Eheweib Barbara ganz allein am Hofe geblieben. Diese pflegte, wenn sie während der Nacht allein auf dem Hofe blieb, immer in der Wächterhütte zu übernachten. Sie fürchtete sich in dem abgelegenen Wohnhause, die Wächterhütte aber lag an der belebten Landstraße. Schon in einiger Entfernung von seinem Hofe war es Claudy Rodler aufgefallen, daß er die Wächterhütte nicht sah; allein, da in dieser Nacht der Himmel umwölkt war, glaubte er zuerst diese, nur der Dunkelheit wegen, nicht er-! kennen zu können; allein als er näher kam, fiel ihm zuerst ein starker Brandgeruch auf, endlich sah er, daß die Hütte ganz vom Feuer zerstört war. Rodler i war, wie er sich wörtlich ausdrückte, so erschrocken,! daß ihm fein die Zunge an dem Gaumen klebte und I daß, wenn ihm der Bader die Ader geschlagen hätte, i fein kein Tropfen Blut geflossen wäre! Sein Weibl pflegte ja während seiner Abwesenheit in der Hütte» zu übernachten! Einen Augenblick, so gab Rodler! weiter zu Protokoll, hatte er doch noch immer ge-> hofft, der liebe Gott werde ihn doch nicht so gar! hart strafen, ihm plötzlich sein braves Weib zu» nehmen! So halb von Hoffnung beseelt, halb von» Verzweiflung erfaßt, wäre er in das Wohnhaus ge-> eilt, das er aber von außen fest verschlossen gefuii-I den hätte. Mittlerweile wäre der Morgen ange-I brochen und einer seiner Nachbarn, der Bauer Wendler,» sei mit seinem Knechte auf der Straße vorüberge-» angen. Die Beiden wären näher getreten und» ätten ihm endlich geholfen, unter den Brandresten,» von denen noch einzelne Stücke glimmten, zu suchen« Bald hätten sie einen verkohlten Leichnam gefunden» welcher durch eine Schnur Korallen, die seine Fra« stets am Halse trug, agnoscirt werden konnte. De« Bauer Wendler und sein Knecht bestätigten, so weW als diese sie selbst betraf, Rodlers Aussage; unW auch die Gerichtskommission, welche sofort an de« Thatort entsendet wurde, fand soweit dies eben er« kennbar, die äußere Sachlage mit Rodlers Aussage« übereinstimmend." » Purkhammer machte eine kurze Pause, als wolM er Sonnenfels Zeit gönnen, das Gehörte zu übe« denken, dann fuhr er fort: » „Kriminalrath Eusebius, welcher die ersten Au« sagen Rodlers entgegennahm, frug ihn, ob er a« Jemanden einen begründbaren Verdacht werfen könn« worauf der Bauer erwiderte: Zuerst habe er g» glaubt, daß ein Raubmord vorläge, ja selbst als m gefunden, daß nichts im Hause, in den Scheuer»

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