Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1882)
- Date
- 1882-12-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1270 Geist, weil diese jenem erst die Erreichung seiner Ziele ermöglicht. Jeruschalajim und Zion, Hand und Haupt des jüdischen Volkskörpers, haben Rom und Babylon vernichtet. Eine vergleichende Betrachtung des Auftretens dieser beiden Weltreiche zeigt eine tiefgehende Verschiedenheit des ihren Eroberungen zu Grunde liegenden Princips. — Roms ländergierige Eroberungslust wollte die ganze Welt zu einer römischen Provinz machen und sich an ihren zusammengeraubten Schätzen bereichern. Um die Religion der unterjochten Völker kümmerte es sich wenig, es war tolerant, oder vielmehr vollkommen gleichgiltig gegen die Religion der eroberten Staaten. Babylons Könige forderten von ihren besiegten Völkern göttliche Verehrung, sie rissen, um diese Huldigung zu erzielen, ganze Völker aus ihren bisher bewohnten Ländern, selbst auf die Gefahr hin, daß die Länder auf diese Weise verödet und für die Eroberer werthlos wurden, und griffen somit schonungslos in die heiligsten menschlichen Anliegen ein. Zion und seine Bedeutung war daher Rom gleichgiltig, deßhalb bittet unser Lied, Gott möge den Söhnen Edoms den Tag Jerusalems gedenken, und ihren Schlachtruf, alles auszuleeren bis auf den Grund und Boden. Und Gott hat dieses Rufs gedacht; an seinen Reichthümern und seiner Länderfülle ist Rom zu Grunde gegangen. Babel aber, das durch Drohung und Lockung, durch Härte und Milde zahllosen jüdischen Seelen, das vor allen unmündigen jüdischen Kindern und Zöglingen das in Zion eingepflanzte Gottesbewußtsein entriß, indem es sic in die ferne Fremde wies, Babel erhält seine Vergeltung heimgezahlt, indem seine Kinder dasselbe Schicksal erleiden, das es den jüdischen Kindern bereitete. Babel, das seine, die einzelnen Individuen wie ganze Völker zersprengende Macht die ganze Menschheit fühlen ließ, erhielt seine Vergeltung heimgezahlt, indem es selber an dem jüdischen Felsen zerschellte.* *) Babel und Rom sind gefallen, aber das diesen Fall vorher verkündende Lied der Zionssöhne tönt noch heute fort und findet einen mächtigen Widerhall in jeder jüdischen Brust. *) Man vergleiche Jeremias 51, 20. *p ’nnrn? o'N "p ’hseji norPo PD p nrec omi um *p ’nswi wrni D'd *p ’hsdji thd id ’dkdji ">yj> jpr "p new pw *p ’nysji ’nsDm mp -p 'nysui myi njn "p tötmi rpinDi 53 r.H DHW 'DM' 5d5i 5dD> 'slO-M O’JJDl rons ID *n D1NJ OD’J’JP wv onjn Eine alte Ueberlieferung erzählt, wie die Sänger dieses Liedes sich die kunstgeübte Hand verstümmelten, um nicht die Harfe auf unheiligem Boden spielen zu müssen. Ihre Harfen aber zerschellten sie nicht, sie hingen sie auf für bessere Zeiten. An den Strömen Babylons, an denen sie die „Verbannung der Schechina" beweinten, am Strome Kebar, mitten im Exile, öffnete sich ihrem Propheten der Himmel und er sah Erscheinungen Gottes, und der herzerhebende Trost, daß die Schechina auch im Exile unter ihnen weile, war ihnen eine Bürgschaft für die Zeit, in der sie die Harfe wieder ergreifen und das Gottes- Lied auf heiligem Boden singen werden. Dieser herzerhebende Trost ist den späten Enkeln jener verstümmelten Zionssänger die Würze ihres täglichen Mahls und die unerschütterliche Zuversicht auf die Zukunft, in welcher die Fasttage dem Hause Juda zur Freude und zur Wonne werden. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Lemberg, 6. Dez. Nach einer der „Pol. Corr." zugehenden Mittheilung hat sich die Zahl der in Brody verweilenden jüdischen Emigranten aus Rußland nunmehr am 122 Individuen reducirt, deren 94 in kleineren Partien nach England, Frankreich oder Holland befördert und 14 repatriirt werden. 14 Individuen, deren Repatriirung oder Expedition in's Ausland derzeit noch auf Schwierigkeiten stößt, werden erst später ihren Schicksalsgenossen folgen. Der Statthalterei - Beamte, welcher aus Anlaß der nunmehr bereits aufgehobenen Eoncentrirung der Flüchtlinge in Brody in diese Stadt delegirt worden war, ist bereits abberufen worden. Pesth, 11. Dez. Der Nyiregyhazaer Gerichtshof beschloß nach eingehender Berathung, dem Verlangen der Universitätssachverständigen, daß die ganze Leiche sammt der in der Kiste enthaltenen Erde zu weiterer Untersuchung nach Pesth gebracht werde, Folge zu geben. Pesth. Die „Odenburger Ztg " berichtet: Gleichzeitig mit der Entfernung des Militärs aus Himod haben die antisemitischen Krawalle wieder begonnen. Im Laufe dieser Woche wurden 150 Fenster an jüdischen Wohnungen zertrümmert. Die Sicherheitszustände, welche in Kapu-Var und Umgebung herrschen, sind sehr traurig; nicht allein, daß während der Nachtzeit die mit langen Messern be-