Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1882)
- Date
- 1882-12-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447898-2447946--19338-2475410- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1267 % Feuilleton. Uus der Zeit der Keaction. vi. % Wir müssen nunmehr berichten, wie die Rettung r verirrten Wanderer bewirkt wurde. Geraldine ii itte, wie wir oben erzählt haben, ihre romantische rl janderuvg angetreten, während ihr Vater mit einem 'eunde am Schachbrette saß. Das Spiel hatte j ungewöhnlich in die Länge gezogen. Lord King- >n verlor die Partie und stand nun desto verdrieß- 'ier auf, da er ganz deutlich, aber zu spät einsah, wenn er zu rechter Zeit rochirt hätte, der Sieg nothwendig für ihn hätte entscheiden müssen. „Morgen, Freund," sagte er, „geben Sie mir ievanche; da will ich die Gedanken besser zusammenhmen. Jetzt zu Tische! Es ist schon spät, und me Tochter wird uns erwarten." Nun erfuhr Lord Kingston zu seiner großen rwunderung, daß Geraldine schon Morgens früh jn Uhr das Haus verlassen habe, ohne Jemanden litzunehmen, und daß sie bis jetzt noch nicht zurücklehrt sei. Zwar kam es öfters vor, daß sie in Nachbarschaft Besuche machte; aber immer kehrte dann früh genug zurück, um sich anzukleiden und 5 Uhr im Speisesaal gegenwärtig zu sein. „Ist es möglich?" rief Lord Kingston. „Schon sechs oder sieben Stunden weg! Und nicht zur M gekommen! Hat man je ein solches Betragen sehen? Ich muß ihr wieder eine Hofmeisterin m, die sie in Zucht hält." Hierauf schickte er in die Nachbarschaft zu allen Kannten nah und fern. Die Zeit verstrich. Lord üngston's Unruhe stieg. Er zürnte, er schalt, erst As Zorn, dann, um feine Unruhe zu bannen; und 'der rückkehrende Diener erfuhr seinen Grimm. Die 5onne war untergegangen, und noch war keine Nachricht von Geraldine da. Die Angst ihres Vaters >ar unbeschreiblich. Während dieser Zeit war Paltiel, n Diener Abrahams del Monte, von seiner mißlungenen Sendung zurückgekommen und hatte zu hause Alles erzählt, das Verschwinden des Fräuleins, und wie es ihm selbst ergangen. Mit großer ITheilnahme hörte Dinah dieser Erzählung zu. „Ha," sagte sie zu ihrem Vater, „das Fräulein sist gewiß in die Katakomben hinabgesttegen und hat dort verirrt. Schon vor längerer Zeit hat sie mit mir von diesem abenteuerlichen Plane gesprochen und ihn als den heißesten Wunsch ihrer Seele bezeichnet." „„So müssen wir,"" sagte Abraham, „„den Lord sofort davon benachrichtigen!"" „Darüber," entgegnete Dinah, „würde zu viel Zeit verloren werden. Wir wohnen in der Nähe der Kirche, durch die man den Eingang zu den Katakomben erreicht. Unser Nachbar Pietro und sein Sohn sind die zuverlässigsten Führer. Palttel mag sie herbeirufen, und wir wollen dann gemeinsam die Vermißten aufsuchen." „„Thue so, mein geliebtes Kind,"" sagte Abraham. Bald waren die Führer zur Stelle. Reichlich mit Kerzen versehen, machten Dmah, Paltiel, Pietro und dessen Sohn Guido sich auf den Weg. Die Kirche war geschlossen. Man mußte bei dem Meßner anklopfen, daß er öffne. Schon war es Abend geworden. Als der Meßner zum Fenster herausleuchtete und die Jüdin erkannte, weigerte er sich zu öffnen. „Was wollt Ihr," rief er, „bei so später Tageszett in dem Tempel des Herrn? Wollt Ihr etwa Zauberei treiben? Geht dahin, woher Ihr gekommen seid, und laßt ehrliche Christen in Ruh." Das rohe Schelten des Mannes schreckte Dinah nicht, und der Gedanke an das, was sie vorhatte, erhob sie über jede Empfindlichkeit. Sie zog ein Goldstück hervor und zeigte es dem Meßner. „Oeffnet nur," sagte sie, „es soll Euer Schaden nicht sein. Es gilt die Rettung eines jungen Mädchens, welches diesen Morgen in die Grüfte hinabgestiegen und nicht zurückgekehrt ist. Eilt nur; denn es ist keine Zeit zu verlieren." Während dieses Gespräches näherte sich ein fackeltragender Diener und hinter ihm sein Herr, ein Mann von hoher Gestalt und vornehmer Kleidung. „Was gibt es hier," fragte der Herr, „was hat sich hier zugetragen?" „ „Mit Eurer Gnaden Erlaubniß," " antwortete der Meßner, indem er sein Haupt entblößte, „„es ist hier ein Judenmädchen, das behauptet, es wäre Jemand in den Grüften abhanden gekommen. Nun verlangt es, daß ich ihr die Kirche öffnen soll. Ich habe jedoch einiges Bedenken."" „Kein Bedenken, kein Bedenken," versetzte der lebhafte Mann. „Oeffnet nur gleich. Es ist nicht das erste Mal, daß sich Leute in den Grüften verirrt haben. Wer soll es denn sein?" fragte er weiter, sich an Dinah wendend, die bis jetzt im Dunkel gestanden hatte, aber in diesem Augenblicke von dem Lichte der Fackel beleuchtet wurde; „wer sind die Verlorenen, meine schöne Jungfrau?" „„Lady Geraldine Kingston,"" antwortete Dinah. „Wie," rief der Herr, „Lady Kingston, die schönste Dame, die ich jemals gesehen! Freilich, da müssen wir eilen!" Nunmehr öffnete der Meßner die Thüre der Kirche und streckte die Hand nach dem gebotenen